Vom Internet-Phänomen zur Leinwand
Der Ursprung der Backrooms liegt in einem 4chan-Post vom Mai 2019, der ein einzelnes Bild gelb tapezierter, leerer Büroräume zeigte. Kane Parsons, bekannt unter dem YouTube-Kanal Kane Pixels, erweiterte dieses Konzept ab 2022 durch eine Serie von Found-Footage-Videos, die das A-Sync Research Institute als fiktive Organisation einführten. A24 sicherte sich die Filmrechte im Jahr 2023, wobei Parsons selbst Regie führt.
- Die virale Serie von Parsons zählt über 100 Millionen Aufrufe.
- Der Film entsteht in Kooperation mit Atomic Monster, dem Studio von James Wan.
Die erste Anlaufstelle: Puppet Combo's The Backrooms
Das Studio Puppet Combo ist das Projekt von Ben Cocuzza, der seit 2012 für seine Hommagen an den Low-Budget-Slasher-Horror der 80er Jahre bekannt ist. Vor den Backrooms veröffentlichte das Team Titel wie Nun Massacre oder Murder House, die den Look von VHS-Bändern akribisch emulieren.
- Die Engine nutzt bewusst niedrige Auflösungen, um die Unschärfe alter Röhrenfernseher zu erzwingen.
- Das Design lehnt sich an die Ästhetik von Silent Hill an, reduziert aber die Gegnerdichte zugunsten von Verfolgungsszenarien.
The Complex: Expedition
Entwickler pgWave startete mit The Complex: Found Footage als einem der ersten Projekte, das die Liminal-Space-Ästhetik in der Unreal Engine 5 umsetzte. Die Fortsetzung Expedition nutzt die Nanite-Technologie der Engine, um die unendlichen Wiederholungen von Teppichböden und Leuchtstoffröhren performant darzustellen.
- Das Spiel verzichtet auf ein klassisches Inventar und konzentriert sich auf Umgebungsrätsel.
- Es orientiert sich spielmechanisch an Titeln wie P.T., bei denen sich die Umgebung bei jedem Durchgang leicht verändert.
Escape The Backrooms
Das Studio Fancy Games entwickelte diesen Titel als eine Art Open-World-Enzyklopädie für das Wikidot-Backrooms-Wiki. Das Spiel bildet bekannte Ebenen wie Level 0 (The Lobby) oder Level 188 (The Courtyard) mit hoher Detailtreue nach.
- Fans der Lore finden hier über 30 Ebenen, die auf den offiziellen Community-Einträgen basieren.
- Der Koop-Modus ermöglicht Gruppen von bis zu vier Spielern, was den psychologischen Druck der Isolation mindert.
- Technische Instabilitäten resultieren oft aus der schieren Größe der prozedural generierten Karten.
Dreamcore und Pools
Dreamcore wird von dem Solo-Entwickler Dreamcore Team betreut, der die Ästhetik des frühen Internets als zentrales Element nutzt. Pools stammt vom Entwickler Tensori, der zuvor mit abstrakten 3D-Projekten experimentierte und hier die physikalischen Eigenschaften von Wasser in geschlossenen Räumen simuliert.
- Dreamcore nutzt eine fotorealistische Optik, die durch absichtliche Grafikfehler (Glitch-Art) gestört wird.
- Pools vermeidet klassische Monster und setzt stattdessen auf eine auditive Erfahrung durch sich wiederholende Hall-Effekte.
Eternal Afternoon
Obwohl Eternal Afternoon kein offizieller Teil des Backrooms-Kanons ist, teilt es die Philosophie der "Liminalen Räume". Der Entwickler Hempuli (bekannt durch Baba Is You) erstellte diesen Titel ursprünglich als Experiment für einen Game Jam.
- Das Spiel fokussiert auf die letzten 20 Minuten einer Welt, die kurz vor der Vernichtung steht.
- Der PS1-Stil dient hier als Filter, um die Distanz zwischen Spieler und der dargestellten Apokalypse zu vergrößern.
Der Markt für digitale Leere
Die Suche nach "Backrooms" auf Steam liefert fast 600 Treffer, was eine Sättigung des Marktes durch billige Asset-Flips zur Folge hat. Viele dieser Titel nutzen dieselben Vorlagen aus dem Unreal Marketplace, um schnelle Verkäufe zu generieren.
- Ein Vergleich zu Slender: The Eight Pages zeigt Parallelen: Beide Phänomene basieren auf einer minimalistischen Idee, die von Hobby-Entwicklern in kurzer Zeit in Spielmechaniken übersetzt wurde.
- Die Preisspanne der meisten Titel liegt zwischen 2,99 Euro und 9,99 Euro, was die Einstiegshürde für Gelegenheitskäufer extrem senkt.
- Ein Großteil dieser Spiele erhält nach dem Release keine nennenswerten Updates oder Bugfixes mehr.