Ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz
Worming from Home entspringt der Feder des Indie-Studios Slugbyte, einem kleinen Team aus Berlin, das zuvor vor allem durch experimentelle Physik-Titel auf sich aufmerksam machte. Ihr Erstlingswerk Slime Delivery legte 2021 den Grundstein für das Interesse an unkonventionellen Fortbewegungsmechaniken.
In Worming from Home schlüpft ihr in die Rolle eines Regenwurms, der sich im Homeoffice beweisen muss. Das Spiel zeigt auf humorvolle Weise, dass die typischen Aufgaben eines Bürojobs auch von einem wirbellosen Tier erledigt werden können.
Der Arbeitsalltag eines Wurms
Die Spielmechanik basiert auf dem intern entwickelten „Anneliden-Physik-Modul“, das bereits in der frühen Prototypenphase von Worming from Home im Jahr 2023 bei verschiedenen Game-Jams für Aufsehen sorgte. Die Steuerung erzwingt durch ihre Trägheit eine bewusste Auseinandersetzung mit der digitalen Umgebung.
Das Gameplay erfordert Geduld, da die Aktionen aufgrund der Anatomie des Protagonisten deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Die Aufgaben wirken auf den ersten Blick simpel, werden durch die eingeschränkte Motorik des Wurms jedoch zur Herausforderung.
- Die Steuerung simuliert die langsame Fortbewegung eines Wurms durch kontinuierliches Muskelzusammenziehen.
- Büroabläufe müssen trotz körperlicher Einschränkungen korrekt ausgeführt werden, etwa das Versenden von E-Mails per Tastendruck.
- Jede Interaktion mit der Tastatur oder Maus erfordert präzises Timing, da der Körper des Wurms bei abrupten Bewegungen die Kontrolle über die Peripherie verliert.
Warum das Konzept überzeugt
Der Titel fügt sich in eine Reihe von „Job-Simulatoren“ ein, die den Fokus bewusst von Effizienz auf die Absurdität der Handlung verschieben. Vergleichbare Konzepte wie Untitled Goose Game oder Surgeon Simulator nutzten ebenfalls eine störrische Steuerung, um Komik aus dem Scheitern der Spieler zu generieren.
Die Simulation besticht durch ihre absurde Prämisse und die konsequente Umsetzung der Spielmechanik. Spieler erleben den klassischen Büroalltag aus einer neuen Perspektive, bei der Geschwindigkeit zweitrangig gegenüber der Ausführung ist.
- Worming from Home verzichtet auf die Komplexität moderner Management-Simulationen und konzentriert sich auf die Mikro-Interaktion.
- Die entschleunigte Spielweise hebt das Erlebnis von hektischen Simulationen wie Overcooked ab.
- Die physikbasierte Steuerung sorgt für manchen Lacher bei der Arbeit am Bildschirm, wenn der Wurm von der Enter-Taste abrutscht.
Branchenkontext und Studio-Historie
Slugbyte wurde 2020 von ehemaligen Studenten der HTW Berlin gegründet und startete mit einem Budget von gerade einmal 15.000 Euro durch eine Förderung des Medienboards Berlin-Brandenburg. Während Slime Delivery noch eine lineare Renn-Mechanik verfolgte, erweitert das Studio mit Worming from Home die physikalische Komplexität auf statische Arbeitsumgebungen.
Die Entwicklung orientiert sich an Titeln wie QWOP, bei denen die Frustration über die eigene Unfähigkeit zur primären Unterhaltungsquelle wird. Der Markt für diese Nische wächst stetig, wie die Verkaufszahlen von Untitled Goose Game zeigen, das sich über eine Million Mal verkaufte.
- Worming from Home ist seit Anfang des Monats auf Steam im Early Access verfügbar.
- Das Studio plant für das dritte Quartal 2024 einen Koop-Modus, in dem zwei Würmer gleichzeitig ein Excel-Sheet bearbeiten.
- Die Preisgestaltung liegt bei 9,99 Euro, was dem Standard für physikbasierte Indie-Projekte entspricht.
Fazit aus dem Homeoffice
Die Entwickler beweisen mit diesem Titel, dass selbst banale Büroarbeit durch einen ungewöhnlichen Protagonisten unterhaltsam gestaltet werden kann. Wer sich auf das langsame Tempo einlässt, findet in Worming from Home eine kurios-motivierende Erfahrung.
Der Fortschritt bei den täglichen Aufgaben ist messbar, auch wenn ein Wurm dafür deutlich länger benötigt als ein menschlicher Mitarbeiter. Aktuelle Statistiken der Steam-Community zeigen, dass Spieler im Durchschnitt 45 Minuten benötigen, um die erste E-Mail fehlerfrei zu tippen.