Absage der Veteranen
James Ohlen, ehemaliger Co‑Lead Designer von Baldur’s Gate 2, bekam einen Anruf von Hasbro‑CEO Chris Cox. Die Frage: Ob sein Studio Archetype Entertainment Baldur’s Gate 4 übernehmen wolle. Seine Antwort war ein klares Nein.
„I don’t, I would fail“, sagte Ohlen gegenüber PC Gamer. Er erklärte, warum ein Wettstreit mit Larians Erbe reine Torheit wäre.
Die Baldur’s Gate-Reihe und ihre Macher
Die Serie startete 1998 mit Baldur’s Gate, entwickelt von BioWare und publiziert von Interplay. Baldur’s Gate 2: Shadows of Amn folgte 2000, ebenfalls von BioWare unter Federführung von James Ohlen und seinem Team. Beide Spiele nutzten die Infinity Engine und prägten das Genre der isometrischen CRPGs.
- 2001 erschien die Erweiterung Throne of Bhaal, die die Saga von Gorion’s Ward abschloss.
- Danach lag das Franchise über ein Jahrzehnt brach, abgesehen von Enhanced Editions (2012–2016) durch Beamdog.
- Baldur’s Gate 3 kam 2023 nach drei Jahren Early Access von Larian Studios, komplett neuer Entwickler, eigene Engine, 20 Millionen verkaufte Einheiten.
Larian hatte zuvor mit Divinity: Original Sin 2 (2017) Maßstäbe gesetzt und die D&D‑Lizenz von Wizards of the Coast erhalten. Das Studio wuchs auf über 400 Mitarbeiter.
Archetype Entertainment: Ein Studio im Schatten von Larian
Archetype Entertainment wurde 2019 gegründet, mit Sitz in Austin, Texas. Gründer James Ohlen verließ nach 20 Jahren BioWare, wo er unter anderem Knights of the Old Republic (2003) und Dragon Age: Origins (2009) mitentwickelt hatte. Sein neues Studio gehört zu Wizards of the Coast, dem Spieleverlag von Hasbro.
- Aktuelles Projekt: Exodus, ein Sci-Fi‑RPG mit Matthew McConaughey als Synchronsprecher. Erscheinungstermin noch offen.
- Das Team ist deutlich kleiner als Larians Belegschaft. Ohlen selbst spricht von „einem Bruchteil der Ressourcen“.
- Die Anfrage von Hasbro-CEO Cox kam mitten in der Entwicklung von Exodus. Ohlen lehnte ab, weil er weder die Zeit noch das Personal für ein zweites Mammutprojekt hatte.
Branchenintern gilt Ohlen als einer der erfahrensten RPG‑Designer. Doch gegen Larians institutionelles Wissen, das über ein Jahrzehnt Engine-Arbeit und das kollaborative Chaos von 400 Entwicklern reicht, sieht er keine Chance.
Warum ein Sequel unmöglich scheint
- Baldur’s Gate 3 verkaufte über 20 Millionen Exemplare und gewann zahlreiche Game‑of‑the‑Year‑Preise.
- Larian nutzte seine eigene Engine, Ohlen zufolge würde ein Nachfolger „mindestens ein halbes Jahrzehnt Horror“ bedeuten.
- Selbst eine Lizenz der Larian‑Engine könnte die Magie nicht ersetzen: Swen Vincke bleibe „der Meister des Baus solcher Dinge“.
Ohlen betonte, dass die institutionelle Erfahrung und das Team bei Larian einmalig sind. „Es ist wirklich schwer, ihn von diesem Thron zu stoßen.“
Eine schier unerreichbare Latte
Ohlen sagte wörtlich: „Having to compete against Baldur’s Gate 3? That would be insanity.“ Er arbeite bereits hart an Archetypes eigenem Projekt Exodus. Ein weiteres Mammutprojekt sei unmöglich.
Er fragte Cox, ob Larian seine Engine lizenzieren könne. Selbst wenn das möglich gewesen wäre, fehlte die „Special Sauce“, das besondere Etwas, das nur das Larian‑Team besitzt.
Larians nächster Schritt
Larian selbst hatte bereits verkündet, dass man Baldur’s Gate 4 nicht entwickeln werde. Stattdessen arbeitet das Studio an einem neuen Divinity-Titel. Der Erfolg von BG3 setzt das Team laut eigenen Aussagen „unter mehr Druck“, zu liefern.
Hasbros Problem und die Suche nach einem Studio
Seit Larians Absage sucht Hasbro aktiv nach einem externen Entwickler für Baldur’s Gate 4. Bisher bekannt: Ohlens Archetype sagte ab. Auch andere namhafte RPG‑Studios wie Obsidian Entertainment ( The Outer Worlds, Pentiment ) äußerten sich öffentlich nicht zu einer Anfrage.
- Die D&D‑Lizenz ist für Hasbro ein Milliardengeschäft. Ein Sequel müsste nicht nur kritisch, sondern auch kommerziell an BG3 anknüpfen.
- Branchenvergleiche zeigen die Risiken: Mass Effect: Andromeda (2017) scheiterte an den Erwartungen nach der Originaltrilogie. Fallout 4 (2015) verkaufte sich gut, aber die Fan-Community spaltete sich.
- Ohlens Absage ist ein weiteres Signal: Ohne Larian bleibt nur ein Hochrisiko-Projekt, das selbst für Veteranen wie ihn abschreckend wirkt.
Was bleibt?
Hasbro und Wizards of the Coast suchen weiter nach einem Studio für Baldur’s Gate 4. Ohlens Absage zeigt, dass die Messlatte astronomisch hoch liegt. Ein Sequel ohne Larian? Für viele Fans kaum vorstellbar, und offenbar auch für alte Hasen wie Ohlen.