Microsofts Sparkurs trifft nächstes Opfer
Laut einem Bericht von Kotaku steht ein weiteres Xbox-Studio vor dem Aus. Microsoft will das Team angeblich verkaufen und ein bereits in Entwicklung befindliches Projekt komplett einstellen.
Betroffen ist Arkane Lyon, das französische Studio hinter Dishonored 2 (2016), Deathloop (2021) sowie dem angekündigten Marvel-Spiel Blade. Das Studio beschäftigt rund 150 Mitarbeiter.
Studio-Historie: Arkane Lyon
Arkane Lyon wurde 2009 als zweiter Standort von Arkane Studios gegründet, parallel zum Hauptsitz in Austin, Texas. Das Team arbeitete zunächst an der PS3-Portierung des ersten Dishonored (2012), einem Spiel, das von Arkane Austin entwickelt wurde und bei Metacritic eine Wertung von 91 erreichte.
Erstes eigenständiges Projekt war Dishonored 2 (2016), das trotz eines Metacritic-Scores von 86 nur rund 1,5 Millionen Einheiten in den ersten drei Monaten verkaufte, deutlich weniger als Microsoft erhofft hatte. Es folgte der Standalone-DLC Dishonored: Death of the Outsider (2017), der bei Kritikern gut ankam, aber kommerziell noch schwächer abschnitt.
Mit Deathloop (2021) gelang dem Studio ein kritischer Erfolg (Metacritic 88) und eine Auszeichnung als „Best Game Direction“ bei den Game Awards. Bis 2022 verzeichnete der Titel fünf Millionen Spieler, blieb aber hinter den internen Verkaufszielen von Microsoft zurück.
Die Gerüchteküche brodelt schon länger
- In den letzten Monaten mehrten sich Berichte über drastische Sparmaßnahmen bei Xbox.
- Bereits im Mai 2024 schloss Microsoft Tango Gameworks (70 Mitarbeiter) und Arkane Austin (95 Mitarbeiter), trotz guter Kritiken für Hi-Fi Rush bzw. Prey.
- Nun scheint auch Arkane Lyon auf der Streichliste zu stehen.
Das wäre ein herber Schlag für Fans des immersiven Stealth-Genres. Dishonored gilt bis heute als Meilenstein, Blade wurde 2023 mit einem vielversprechenden Teaser angekündigt.
Was wird aus Blade?
Der Bericht spricht von einem kompletten Projektstopp. Blade wurde im Dezember 2023 bei den Game Awards angekündigt, seither gab es keine neuen Details mehr. Das Projekt befand sich nach Angaben von Brancheninsidern in der frühen Pre-Production-Phase.
Microsoft selbst hat sich zu den Gerüchten bisher nicht geäußert. Eine offizielle Bestätigung steht aus. Sollte der Verkauf gelingen, könnte der Titel unter neuem Namen weiterleben, das wäre allerdings abhängig von den Lizenzrechten für Marvel.
Branchenkontext: Xbox-Konsolidierung
Microsofts Sparkurs folgt der Übernahme von Activision Blizzard für 69 Milliarden US-Dollar im Oktober 2023. Bereits im Januar 2024 kündigte das Unternehmen eine Reduzierung der Spieleabteilung um 1.900 Stellen an. Im März 2024 wurde das Studio The Coalition (Gears of War) umstrukturiert.
Vergleichbare Schließungen gab es zuletzt bei Sony (Japan Studio 2021, 400 Mitarbeiter entlassen) und bei Embracer Group (Schließung von Free Radical Design 2023, 80 Mitarbeiter). Der Trend zur Konsolidierung trifft vor allem mittelgroße Studios mit experimentellen Titeln.
Ein weiteres Kapitel im Xbox-Sparprogramm
Die Strategie von Microsoft wird immer klarer: man konzentriert sich auf große Serien wie Call of Duty, Halo oder Forza. Kleinere, experimentelle Studios haben es schwer. Arkane Lyon, das zuletzt mit Deathloop einen kreativen Höhepunkt lieferte, aber keine Blockbuster-Verkäufe erzielte, passt nicht mehr in dieses Muster. Das Team arbeitet seit über zwei Jahren an Blade, ohne dass das Projekt jemals öffentlich gezeigt wurde, ein Indiz für interne Spannungen. Nun droht dem Studio dasselbe Schicksal wie seinen Schwesterstudios.