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Bungie vermietet Teile seines Hauptquartiers: Der digitale Wandel nach den Massenentlassungen
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Bungie vermietet Teile seines Hauptquartiers: Der digitale Wandel nach den Massenentlassungen

Bungie bestätigt die Untervermietung von über 210.000 Quadratfuß Bürofläche in Bellevue, Washington, und setzt auf ein „digital first“-Modell.

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Dennis Adam
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Platz statt Pomp: Bungie schrumpft sich zurecht

Der Entwickler Bungie hat bestätigt, dass er 210.984 Quadratfuß seines riesigen Hauptsitzes in Bellevue, Washington, untervermieten will. Das entspricht fast der Hälfte der gesamten Bürofläche, die das Studio nach dem Umzug in den Neubau im Jahr 2021 bezogen hatte. Als Begründung nennt das Unternehmen einen konsequenten Fokus auf ein „digital first“-Modell, bei dem Remote-Arbeit und flexible Bürozeiten den Alltag bestimmen. Der Schritt folgt auf eine Reihe von Massenentlassungen, die das Studio im Laufe des vergangenen Jahres erschütterten und die Belegschaft drastisch reduzierten.

Die Ankündigung ist kein plötzlicher Einfall, sondern das Ergebnis einer längeren Neuausrichtung. Schon im Herbst 2024 hatte Bungie mehrere Wellen von Stellenabbau verkraften müssen, nachdem Umsatzprognosen für Destiny 2 und das damals in Entwicklung befindliche Marathon-Reboot verfehlt wurden. Der Verkauf oder die Untervermietung von Büroflächen ist in der Tech- und Games-Branche mittlerweile ein übliches Mittel, um Fixkosten zu senken. Konkret bedeutet das für Bungie: weniger Quadratmeter, weniger Nebenkosten, aber auch ein klares Signal an die verbliebene Belegschaft, dass die Ära der riesigen Campus-Präsenz vorbei ist.

Die Fakten zur Untervermietung im Überblick

  • Fläche: 210.984 Quadratfuß, das entspricht rund 19.600 Quadratmetern
  • Standort: Der Bungie-Hauptsitz in Bellevue, Washington, ein Gebäudekomplex mit mehreren Etagen und moderner Ausstattung
  • Grund: Fokus auf ein „digital first“-Arbeitsmodell, weniger Präsenzpflicht für die meisten Teams
  • Zeitrahmen: Die Untervermietung soll schrittweise erfolgen, ein genaues Datum für den Auszug wurde nicht genannt
  • Bisherige Nutzung: Der Bereich umfasste unter anderem Aufnahmestudios, Entwicklungsbüros und Besprechungsräume für große Projektgruppen

Bungie betonte in der offiziellen Stellungnahme, dass die verbleibenden Flächen weiterhin für zentrale Funktionen wie Motion Capture, Sound-Design und strategische Meetings genutzt werden. Wer die Flächen anmietet, ist noch nicht bekannt. Interessant ist, dass Bungie ausdrücklich von einem „Vermieter-Modell“ spricht und nicht von einem vollständigen Verkauf des Geländes. Das lässt Spielraum, falls sich die Arbeitsweise des Studios in Zukunft wieder ändert.

Vom Halo-Studio zum Destiny-Konzern: Eine wechselvolle Geschichte

Bungie wurde 1991 gegründet und feierte erste Erfolge mit der Marathon-Trilogie für klassische Apple-Rechner. Richtig berühmt wurde das Studio jedoch mit Halo: Combat Evolved im Jahr 2001, das den Ego-Shooter auf Konsolen neu definierte und der ursprünglichen Xbox zum Durchbruch verhalf. Nach der Trennung von Microsoft im Jahr 2007 entwickelte Bungie das Multiplayer-Universum Destiny, das 2014 erschien und bis heute mit regelmäßigen Erweiterungen wie „The Final Shape“ (2024) weitergeführt wird. Der Wechsel vom Publisher Microsoft zu Activision und später zu Sony Interactive Entertainment (Übernahme abgeschlossen 2022) brachte dem Studio nicht nur Kapital, sondern auch zunehmenden Druck auf Rendite und Termintreue.

Die heutige Situation ist das Ergebnis einer Expansion, die in der Boom-Phase der Live-Service-Spiele begann. 2021 zog Bungie in ein hochmodernes Hauptquartier mit Platz für über 800 Mitarbeiter. Kaum vier Jahre später klaffen dort Leerstände. Das erinnert an andere Branchengrößen wie CD Projekt Red oder Rockstar Games, die nach pandemiebedingtem Wachstum ebenfalls ihre Büroflächen reduzierten. Doch Bungie sitzt in einer besonderen Zwickmühle: Der Ruhm von Halo und Destiny verpflichtet, während die jüngsten Entlassungen und das lange angekündigte Marathon-Reboot (ein Extraction-Shooter, geplant für 2025) zeigen, dass nicht alles nach Plan läuft.

Was die Untervermietung für Spieler und kommende Projekte bedeutet

  • Destiny 2 läuft weiterhin mit saisonalen Inhalten, die Server und Live-Teams bleiben unverändert aktiv
  • Das Marathon-Reboot befindet sich nach offiziellen Angaben in einem spielbaren Zustand, ein Release 2025 gilt als wahrscheinlich, ist aber nicht fix bestätigt
  • Durch die Einsparungen bei den Mietkosten sollen Budgets für Entwicklungsarbeit freigesetzt werden, nicht für neue Bürostandorte
  • Die „digital first“-Strategie bedeutet für viele Mitarbeiter mehr Flexibilität, aber auch weniger spontane Teamarbeit vor Ort

Spieler dürften von der Büro-Abmagerung unmittelbar wenig spüren, da die Server und Inhaltsupdates nicht an Quadratmeter gebunden sind. Langfristig könnte sich jedoch die Arbeitsweise ändern: Weniger Präsenz bedeutet häufig langsamere Entscheidungswege und weniger informellen Austausch, was bei einem komplexen Live-Spiel wie Destiny durchaus qualitätsrelevant sein kann. Andererseits haben viele Entwickler in den letzten Jahren gezeigt, dass hochwertige Spiele auch remote entstehen können, wie etwa Baldur’s Gate 3 von Larian Studios beweist, das größtenteils im Homeoffice entwickelt wurde.

Branchenkontext: Büroflächen als unternehmsches Druckmittel

Der Schritt von Bungie ist kein Einzelfall. In der Games-Branche haben zuvor bereits Activision Blizzard, Ubisoft und Epic Games Büroflächen verkleinert oder aufgegeben. Die Gründe ähneln sich: hohe Mieten in Ballungszentren, ein angespannter Arbeitsmarkt für Entwickler, die flexible Modelle bevorzugen, und ein wachsender Anteil an Outsource-Partnern, die global verteilt arbeiten. Ein weiterer Aspekt ist die Konsolidierung durch Großkonzerne wie Microsoft oder Sony, die redundant gewordene Standorte zusammenlegen.

  • Sony Interactive Entertainment hat Bungie im Juli 2022 für rund 3,6 Milliarden US-Dollar übernommen
  • Seit der Übernahme gab es mehrere Restrukturierungen, bei denen schätzungsweise 220 bis 300 Mitarbeiter entlassen wurden (Zahlen variieren je nach Quelle)
  • Bungie beschäftigt laut früheren Angaben noch rund 850 Personen, Tendenz sinkend
  • Die Untervermietung ist ein Teil der von Sony vorgegebenen Sparmaßnahmen, die auch andere Studios wie Naughty Dog und Insomniac Games betreffen

Der Schachzug enthält eine gewisse Ironie: Gerade Sony setzt bei seinen hauseigenen Studios auf starke Präsenz- und Teamkultur, wie die aufwendigen Motion-Capture-Arbeiten in Kalifornien zeigen. Bungie bricht nun bewusst mit dieser Tradition. Ob das langfristig zu mehr Kreativität oder zu mehr Isolation führt, wird sich an der Qualität kommender Veröffentlichungen messen lassen müssen.

Eine Frage des Vertrauens und der Kommunikation

Die Ankündigung erfolgte nur wenige Tage nach einem offiziellen Blogeintrag, in dem Bungie die nächste große Erweiterung für Destiny 2 ankündigte, „Codename: Frontiers“ (geplant für 2025). Viele Fans reagierten in Foren und sozialen Netzwerken verunsichert: Sie fragen sich, ob genug Personal für die versprochenen Inhalte übrig bleibt. Bungie versucht gegenzusteuern, indem es betont, dass die Untervermietung ausschließlich Büroflächen betrifft und keine Entwicklungsstandorte oder Serverkapazitäten. Transparenz ist gefragt, schließlich haben die Entlassungen das Vertrauen in die Studioleitung bereits erheblich beschädigt.

Das offizielle Statement enthält die bemerkenswerte Formulierung, man wolle „eine Umgebung schaffen, die sich an die Bedürfnisse der Teams anpasst, nicht umgekehrt“. Das klingt fortschrittlich, übersieht aber, dass die Entscheidung unter dem Druck von Sony gefallen sein dürfte, das als Mutterkonzern auf Rendite achtet. Wer schon länger im Geschäft ist, erinnert sich an die Zeit nach 2016, als Bungie sich von Activision löste und eigene Wege ging. Diesmal gibt es keinen unabhängigen Weg mehr, sondern nur Anpassung an die Vorgaben des Eigentümers.

Zahlen, Fakten und eine unbequeme Wahrheit

Die Untervermietung von 210.984 Quadratfuß ist mehr als nur eine finanzielle Kennzahl. Sie markiert das Ende einer Ära, in der Bungie als Vorzeige-Studio mit eigenem Campus auftrat und sich als kreative Heimat für hunderte Spezialisten verstand. Übrig bleibt ein schlankerer Betrieb, der sich auf das Wesentliche konzentrieren soll: die Entwicklung von Spielen. Das kann gelingen, wenn die verbleibenden Teams motiviert sind und klare Ziele bekommen. Es kann aber auch scheitern, wenn die ständigen Umstrukturierungen dazu führen, dass erfahrene Leute das Unternehmen verlassen. Bungie hat in seiner Geschichte schon mehrere Neuerfindungen geschafft, vom Mac-Entwickler zum Xbox-Hoffnungsträger zum Live-Service-Pionier. Der aktuelle Schritt ist weniger spektakulär, aber vielleicht der schwierigste, weil er ohne eine große neue Idee auskommen muss, sondern nur mit Rationalisierung. Ob Marathon oder die Zukunft von Destiny diese Lücke füllen können, wird sich zeigen müssen.

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