Ein neuer Blick auf das Soulslike
CALX stammt aus der Feder des Indie-Studios Aetheric Games, einem fünfköpfigen Team aus Berlin. Das Kernteam besteht aus ehemaligen Mitarbeitern von Yager Development, die dort unter anderem an der Produktion von Spec Ops: The Line mitwirkten. Nach der Auflösung ihrer Abteilung entschieden sich die Entwickler für die Gründung eines eigenen Labels, um sich von fotorealistischen AAA-Projekten zu distanzieren.
Das Projekt folgt einer bewussten Abkehr vom Realismus-Wahn der Industrie. Während aktuelle Titel wie Elden Ring oder Lords of the Fallen eine dichte Detailfülle anstreben, reduziert CALX die visuelle Information auf geometrische Grundformen. Die Inspiration für diese Ästhetik ziehen die Entwickler aus der Architektur der 1970er Jahre und den filmischen Arbeiten von Syd Mead.
Was CALX spielerisch bietet
Das Kampfsystem von CALX nutzt ein modifiziertes Ausdauersystem, das den Spieler bei jedem Schlag zur Entscheidung zwischen Angriff und Verteidigung zwingt. Die Spielmechanik lehnt sich an das Prinzip von Sekiro: Shadows Die Twice an, wobei der Fokus stärker auf dem Parieren als auf dem Wegrollen liegt.
- Das Trefferfeedback wird durch auditive Signale statt durch komplexe Animationen übermittelt.
- Schaden wird ausschließlich über die Distanz zum Gegner und den Rhythmus der Eingaben berechnet.
- Die gegnerische KI nutzt ein System, das auf den Spielereingaben der letzten zwei Sekunden basiert.
- Bosse besitzen drei Phasen, die sich durch die Veränderung der Umgebungsfarben signalisieren.
Die Lernkurve ist steil, da der Spieler keine passive Heilung durch Items erhält. Stattdessen füllt sich ein Schutzschild durch erfolgreiche Paraden wieder auf. Dieses Design zwingt den Spieler in eine offensive Spielweise, obwohl das visuelle Design Ruhe vermittelt.
Warum der Stil überzeugt
Die visuelle Sprache folgt dem Prinzip des Minimalismus, um die Spielwelt als Navigationshilfe zu nutzen. In der Leere von CALX dienen Farbsättigung und Kontraststufen als Wegweiser für den Spieler.
- Blautöne kennzeichnen sichere Zonen mit Speicherpunkten.
- Rottöne indizieren Räume mit hohem Gegneraufkommen oder Bossarenen.
- Die Kamera fixiert sich auf den Charakter und vergrößert bei Bosskämpfen den Sichtradius.
Vergleiche zu Sable oder Journey drängen sich durch die Farbflächen auf, doch technisch verfolgt das Studio einen anderen Ansatz. Während jene Titel auf eine eher malerische, weiche Ästhetik setzen, nutzt CALX harte Kanten und ein striktes Raster. Das Spiel verzichtet auf Post-Processing-Effekte wie Bloom oder Motion Blur, um die Lesbarkeit der Animationen zu maximieren.
Technische Details und Branchenkontext
Aetheric Games entwickelt CALX in der Unreal Engine 5, verzichtet jedoch auf die Nutzung von Lumen oder Nanite. Diese Entscheidung traf das Team, um die Performance bei 60 FPS auf Konsolen wie der PlayStation 5 und der Xbox Series X zu garantieren. Die Assets bestehen aus weniger als 200.000 Polygonen pro Szene, was die Hardwareanforderungen für den PC auf ein Minimum reduziert.
Das Spiel besetzt eine Nische zwischen dem klassischen Soulslike und dem experimentellen Arthouse-Titel. Es konkurriert in der Indie-Szene direkt mit Projekten wie Hyper Light Drifter oder Death's Door. Die Entwicklung startete im Januar 2022 und wurde durch eine Förderung des Medienboard Berlin-Brandenburg in Höhe von 150.000 Euro unterstützt. Bisherige Test-Builds zeigen eine Spielzeit von etwa acht Stunden bei einem ersten Durchlauf durch die fünf Hauptsektoren der Welt. Der Release erfolgt im August 2024 für PC, PS5 und Xbox Series S/X.