Neue Töne aus England
Cambridge Audio operiert seit 1968 von London aus und begann als Teil der Cambridge Consultants. Ein Meilenstein der frühen Firmenhistorie war der Vollverstärker P40, der 1968 als erstes Gerät mit einem Ringkerntransformator für den Konsumentenmarkt Aufmerksamkeit erregte.
Das Unternehmen befindet sich heute in privater Hand und ist einer der wenigen verbliebenen Akteure, die in Großbritannien entwickeln. Während die Fertigung wie bei den L/R S in Asien stattfindet, verbleibt die Abstimmung der Frequenzweichen und die Auswahl der Treiberkomponenten in der Zentrale.
Der Blick auf die Fakten
Mit 500 Euro positioniert sich das Set in einem hart umkämpften Segment für aktive Nahfeldmonitore. Die L/R S konkurrieren direkt mit etablierten Modellen wie der Audioengine A5+ oder der Klipsch The Fives.
Der Markt für Desktop-Audio hat sich in den letzten Jahren von reinen PC-Lautsprechern hin zu hochwertigen HiFi-Komponenten verlagert. Nutzer fordern heute Anschlüsse wie Bluetooth aptX und optische Digitaleingänge, anstatt sich auf analoge 3,5mm-Klinkenanschlüsse zu verlassen.
Was die L/R S leisten
Die technischen Spezifikationen der L/R S zielen auf eine neutrale Wiedergabe ab, was sie von typischen Gaming-Lautsprechern mit Bass-Anhebung unterscheidet. Sie nutzen einen 4-Zoll-Tiefmitteltöner aus beschichtetem Papier, der für eine kontrollierte Auslenkung bei hohen Pegeln konzipiert ist.
- Frequenzgang: 55 Hz bis 20 kHz
- Verstärkerleistung: 2 x 30 Watt RMS
- Anschlüsse: Cinch, Bluetooth 5.0, USB-DAC
- Gehäuse: MDF mit akustischer Bedämpfung
Die Integration eines internen USB-DAC (Digital-Analog-Wandler) umgeht die oft minderwertigen Onboard-Soundchips moderner Mainboards. Dies ermöglicht eine präzisere Signalverarbeitung direkt vom PC zur Endstufe.
Historie der Serie und Einordnung
Die L/R S ergänzen die bestehende SX-Serie, die für ihr Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt ist. Während die SX-50 und SX-60 passive Regallautsprecher für klassische Verstärker darstellen, adressieren die L/R S explizit die Anforderungen an aktive Systeme mit geringem Platzbedarf.
Frühere Versuche von Cambridge Audio, den Schreibtisch zu erobern, fanden unter anderem durch den kleinen Minx-Subwoofer-Satelliten-Verbund statt. Die aktuelle Ausrichtung auf ein klassisches Zwei-Wege-Regaldesign korrigiert den damaligen Fokus auf ultrakompakte, satellitengestützte Systeme.
Klangqualität am PC
In der Praxis zeigt sich eine klare Trennung der Frequenzen, die bei komplexen Soundtracks in Spielen oder Filmen wichtig ist. Die Hochtöner mit Seidenkalotte vermeiden die bei günstigen Systemen auftretende Schärfe im Bereich von 5 bis 8 kHz.
Die räumliche Abbildung profitiert von der angewinkelten Aufstellung auf dem Schreibtisch. Der Verzicht auf eine künstliche Klangverbreiterung per DSP führt zu einer realistischen Stereo-Bühne, die den Nutzer direkt in den Sweet Spot einbindet.
Technischer Kontext
Die Fertigung in China erfolgt unter strengen Qualitätsvorgaben, die Cambridge Audio durch eigene Mitarbeiter vor Ort kontrolliert. Dies ist ein Standardvorgang bei Herstellern wie KEF oder Bowers & Wilkins, die ihre Einstiegsserien ebenfalls in chinesischen Spezialfabriken fertigen lassen.
Das Gehäusevolumen der L/R S wurde für die Platzierung nahe an der Wand optimiert, was durch eine kontrollierte Bassreflexöffnung auf der Rückseite erreicht wird. Bei einem Abstand von 10 bis 20 Zentimetern zur Wand wird die untere Grenzfrequenz durch den Wandeffekt gestützt.
Die Stromversorgung erfolgt über ein internes Netzteil, das bei hohen Lautstärken weniger Verzerrungen verursacht als externe Schaltnetzteile. Die L/R S sind ab sofort über den Fachhandel und den Online-Direktvertrieb erhältlich.