Eine neue Gefahr für eure SSDs
Die Schadsoftware GigaWiper nutzt eine Architektur, die auf der aggressiven Löschung von Dateisystem-Tabellen basiert. Sie zielt dabei direkt auf die MFT (Master File Table) unter Windows, um Datenstrukturen unbrauchbar zu machen.
Was GigaWiper anstellt
Die Malware agiert in zwei parallelen Threads, sobald sie Administratorrechte erlangt hat.
- Sie überschreibt Sektoren der Festplatte mit Zufallsdaten, um eine spätere Wiederherstellung mittels Datenrettungssoftware zu erschweren.
- Sie initiiert einen Screen-Capture-Prozess im Hintergrund, der komprimierte Videodaten an einen externen Server überträgt.
Die Akteure hinter der Software
Sicherheitsanalysten ordnen GigaWiper einer Gruppierung zu, die als Data-Scorcher-Syndikat bekannt ist. Diese Gruppe hat bereits in den letzten 18 Monaten mehrfach durch ähnliche, destruktive Projekte wie den DiskThrasher und den Registry-Cleaner-Pro 2.0 auf sich aufmerksam gemacht.
Solche Akteure nutzen oft dieselbe Code-Basis, die sie lediglich oberflächlich an ihre aktuelle Schadsoftware anpassen. Der DiskThrasher von 2023 funktionierte nach einem ähnlichen Prinzip, war jedoch noch nicht mit der Echtzeit-Überwachung des Desktops gekoppelt.
Branchenkontext und Vergleichswerte
Die Bedrohung durch sogenannte Wiper-Software hat seit dem Jahr 2022 eine neue statistische Spitze erreicht. Vergleiche zeigen, dass GigaWiper funktional eng mit WhisperGate verwandt ist, einer Malware, die vor allem im osteuropäischen Raum kritische Infrastrukturen angriff.
- WhisperGate: Nutzte ebenfalls eine Verschleierung, um sich als legitimes Update-Tool auszugeben.
- KillDisk: Ein historischer Vorläufer, der vor Jahren gezielt Industrieanlagen durch Löschbefehle in den Stillstand trieb.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass solche Werkzeuge nun verstärkt auf private Gaming-PCs zielen. Statt politischer Motive steht hier oft der Diebstahl von Nutzerdaten oder die reine Sabotage durch Erpressungsversuche im Vordergrund.
Vorsicht bei unbekannten Dateien
Die Verbreitung erfolgt meist über modifizierte Installationsdateien für Spiele-Mods oder Optimierungstools auf Drittanbieter-Portalen. Nutzer laden diese oft herunter, weil Versprechungen wie „15 FPS mehr durch Speicherbereinigung“ eine hohe Anziehungskraft ausüben.
Ein solches Tool modifiziert nach der Ausführung die Boot-Konfiguration des PCs. Wer das System nach dem Befall neu startet, sieht oft nur ein schwarzes Fenster oder die Fehlermeldung „Operating System not found“.
Die Technik hinter dem Angriff
Die Spionagefunktion von GigaWiper basiert auf einer leicht abgewandelten Form des Open-Source-Tools FFmpeg. Dieses wird missbraucht, um kontinuierlich Screenshots aufzunehmen und diese ohne Komprimierungspuffer in Echtzeit zu streamen.
Die Kombination aus Löschalgorithmus und Überwachung belastet den Arbeitsspeicher des Systems massiv. Dies führt zu einer spürbaren Verlangsamung der Hardware, die von ahnungslosen Nutzern oft als „Reinigungsvorgang“ missverstanden wird.
Sicherheit im digitalen Alltag
Backups auf externen Medien müssen physisch vom Rechner getrennt werden, da GigaWiper aktiv nach angeschlossenen Laufwerken sucht. Die Malware scannt Laufwerksbuchstaben von A: bis Z: und versucht, jeden verfügbaren Speicherplatz mit Null-Bytes zu überschreiben.
- Cloud-Backups sind gegen diese Software nur dann sicher, wenn sie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) erfordern.
- Netzwerklaufwerke sollten im Idealfall nur schreibgeschützt eingebunden sein, um eine Ausbreitung der Löschbefehle zu unterbinden.
Was ihr jetzt tun könnt
Verzichtet auf Software, die verspricht, die „Registry direkt zu optimieren“ oder den „RAM automatisch zu leeren“. Moderne Windows-Versionen verwalten den Arbeitsspeicher effizienter als jedes Drittanbieter-Tool dieser Kategorie.
Setzt bei der Systemwartung ausschließlich auf Windows Defender und das integrierte Speicheroptimierung-Tool von Microsoft. Die Ausführung von Programmen mit Administratorrechten bleibt das größte Sicherheitsrisiko, da sie eine systemweite Ausbreitung der Schadsoftware ermöglicht.