Am gelben Cabrio-Taxi vorbei zum Controller
Am SEGA-Stand in Köln steht ein gelbes Cabrio-Taxi als Blickfang. Dahinter warten Monitore, auf denen sich eines der ungewöhnlichsten Comebacks der letzten Jahre anfassen lässt. Wir haben Crazy Taxi: World Tour selbst gefahren.
- Die Demo läuft bereits mit deutscher Benutzeroberfläche.
- Crazy Dash, Crazy Drift und Crazy Stop sind unverändert als Kernmanöver eingeblendet.
- Eine Minikarte und Auftragsmarker ersetzen die reine Zielpfeil-Führung des Originals.
Der erste Eindruck fällt eindeutig aus: Das Fahrgefühl sitzt sofort. Der Wagen bricht auf Knopfdruck aus, der Boost schiebt spürbar an, und die Fahrgäste kommentieren jede Vollbremsung. Neu ist die Umgebung drumherum. Statt eines abgeschlossenen Streckenabschnitts liegt eine zusammenhängende Stadt vor der Motorhaube, inklusive Nebenjobs, die sich unterwegs annehmen lassen.
Der Timer bleibt, das Game Over verschwindet
Ein verbreitetes Missverständnis lässt sich nach der Anspielrunde ausräumen: Die tickende Uhr ist nicht abgeschafft. Wer einen Fahrgast aufnimmt, startet weiterhin einen klassischen Arcade-Lauf samt Countdown.
- Läuft die Zeit ab, folgt kein Bildschirmtod mehr.
- Stattdessen geht die Fahrt nahtlos in der offenen Welt weiter.
Der Druck bleibt also erhalten, die Strafe für einen verpatzten Auftrag fällt aber deutlich milder aus als 1999.
Von der Spielhalle 1999 zum großen Reboot
Um einzuordnen, warum dieser Auftritt zählt, lohnt der Rückblick. SEGA brachte Crazy Taxi im Februar 1999 in die Spielhallen. Das Konzept war denkbar schlicht: Ein Taxifahrer, eine tickende Uhr, Kundschaft mit Eile. Ampeln, Gegenverkehr und Fußgänger dienten als Dekoration, und je waghalsiger die Fahrweise, desto höher das Trinkgeld.
- Der Dreamcast-Port erschien am 24. Januar 2000 und machte den Soundtrack mit The Offspring und Bad Religion bekannt.
- Es folgten Crazy Taxi 2 (2001, Dreamcast) und Crazy Taxi 3: High Roller (2002, Xbox).
- World Tour ist damit der erste große Serienteil seit 2002.
Im Dezember 2023 kündigte SEGA bei den Game Awards eine Wiederbelebung gleich mehrerer Marken an, darunter Shinobi, Golden Axe, Streets of Rage, Jet Set Radio und eben Crazy Taxi. Statt eines Remasters entsteht hier ein vollwertiger Reboot auf Basis der Unreal Engine. Verantwortlich ist Kenji Kanno, Schöpfer der Reihe und Director des Arcade-Originals, der das Projekt als Produzent begleitet.
Nicht nur Kalifornien: Deutschland ist die zweite Stadt
Die offene Welt startet an der US-Westküste mit einer von San Francisco inspirierten Karte. Sie ist allerdings nur der Anfang.
- Insgesamt sind fünf Städte vorgesehen.
- Als zweite Karte hat SEGA während der Messe Deutschland bestätigt, inklusive Kopfsteinpflaster, Autobahn und einem zerstörbaren Weihnachtsmarkt.
- Die übrigen drei Städte sind bislang nicht benannt.
Opening Night Live: Der Mehrspieler-Modus in Bewegung
Bei der Opening Night Live am 25. August zeigte SEGA den Multiplayer erstmals als Gameplay. Angekündigt war der Modus bereits im Juli, neu war also das bewegte Bild, nicht die Existenz.
- Im Pickup Race treten bis zu sechs Fahrer an. Ziel ist, innerhalb eines Zeitlimits möglichst viele Fahrgäste abzuliefern und dabei das meiste Crazy Money zu verdienen.
- Cops 'N' Cabbies stellt zwei Teams zu je drei Spielern gegenüber, eines fährt Taxi, das andere Polizei.
- Beide Modi lassen sich als Ranked Match oder als Custom Match mit eigenen Regeln spielen.
- Crossplay ist vorgesehen.
Damit verschiebt sich die Ausrichtung der Reihe spürbar. Wo früher die eigene Bestzeit das Maß aller Dinge war, entsteht nun direkte Konkurrenz um begrenzte Aufträge. Der Trailer lief passend zur Serientradition zu Bad Religions „Ten in 2010" und bestätigte die Rückkehr bekannter Fahrer wie Gena, B.D. Joe und Gus.
Closed Network Test: Anmeldung endet am 31. August
Für Interessierte drängt die Zeit. Der Closed Network Test läuft vom 11. bis 13. September, die Registrierung schließt jedoch schon am 31. August. Eine Teilnahme ist auch nach Anmeldung nicht garantiert.
- Enthalten sind zwei Modi, zwei Karten, sechs Fahrzeuge mit Tuning-Optionen und vier spielbare Charaktere.
- Der Test läuft ausschließlich auf PlayStation 5, Xbox Series X|S, Xbox on PC und Steam.
- Eine Version für Nintendo Switch 2 ist im Test nicht enthalten.
Der Verkaufsstart ist für 2027 angesetzt. Dann sollen PlayStation 5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch 2 und PC bedient werden, auf Microsoft-Seite inklusive Xbox Play Anywhere.
Unser Fazit von der Messe
Crazy Taxi: World Tour fühlt sich nach kurzer Anspielzeit vertraut an, wirkt technisch aber deutlich gewachsen. Die offene Stadt nimmt dem Ablauf etwas von der Kompaktheit des Originals, der Mehrspieler-Modus gibt ihm im Gegenzug einen Grund zur Rückkehr. Ob die Balance zwischen freier Erkundung und dem Zeitdruck der Vorlage aufgeht, lässt sich an einer Messestation allerdings nicht abschließend beurteilen. Der Netzwerktest im September dürfte darauf die ehrlichere Antwort geben.