Halle 10.2, zwischen hunderten Ständen
Der Indie Arena Booth ist traditionell der Ort, an dem sich das Stöbern lohnt. Zwischen hunderten Projekten blieben wir an einem Stand hängen, an dem vier Laptops nebeneinander standen und niemand mehr aufhören wollte. Das Spiel heißt Helcast, geschrieben mit einem L.
- Zu finden war es im Indie Arena Booth in Halle 10.2.
- Am Stand liefen mehrere Spielstationen parallel.
- Eine Demo ist auch über Steam geplant.
Ricpau Studios: Fünf Personen, ein Erstlingswerk
Hinter Helcast steckt Ricpau Studios, ein Team aus fünf Personen mit Sitz in Schweden. Bemerkenswert ist die Ausgangslage: Es handelt sich um das erste kommerzielle Spiel des Studios.
- Herausgegeben wird der Titel von HYPER REAL, einem 2023 gegründeten Indie-Label aus Tokio, gemeinsam mit 2P Games.
- Der Early Access startet im ersten Quartal 2027 auf Steam, angekündigt wurde er am 19. August 2026.
- Eine deutsche Sprachfassung ist vorgesehen.
Dass ein Erstlingswerk aus einem Fünf-Personen-Team einen internationalen Publisher findet, ist keine Selbstverständlichkeit. Nach einer Runde am Stand wird nachvollziehbar, warum.
Nordische Mythologie aus ungewohnter Richtung
Der Rahmen ist vertrautes Terrain, die Perspektive nicht. Odin erklärt der Unterwelt den Krieg, woraufhin die ehrlosen Toten aus Helheim ausbrechen.
- Gespielt wird Modgunn, die Wächterin zwischen Leben und Tod.
- Der Weg führt vom Totenreich bis vor die Tore Asgards.
Statt der üblichen Heldenreise auf Seiten der Asen steht damit eine Figur im Mittelpunkt, die zwischen den Fronten vermittelt.
Das Kampfsystem: Deckbuilder trifft Physik
Der eigentliche Kern ist die Verbindung mehrerer Ideen, die selten zusammen auftreten. Offiziell beschreibt sich Helcast als rundenbasierter Merge-Puzzle-Roguelite mit Deckbuilding. Die Kämpfe werden nicht über Zahlenvergleiche entschieden, sondern über Physik.
- Waffen werden entweder direkt in den Stapel fallen gelassen oder als aufgeladener Bogenwurf auf das Feld geschickt.
- Masse, Geschwindigkeit, Kollisionen und Abpraller bestimmen die Wirkung.
- Treffen gleiche Waffen aufeinander, verschmelzen sie zu größeren, und gut gesetzte Merges lösen Multi-Hit-Kombos aus.
- Erschwerend bewegen sich die Plattformen, auf denen alles landet.
- Hilfsmittel wie Oath Ring und Pulse Stone erlauben das Umpositionieren.
In der Praxis erinnert das an Billard, nur mit Äxten. Ein gut gesetzter Wurf räumt über Bande das halbe Feld leer, ein schlecht gesetzter verpufft. Das Verschmelzen gleicher Waffen belohnt vorausschauendes Planen, ohne den Ablauf zu verlangsamen.
Klassen, Zauber und Totems
Über dem Kampfsystem liegt die übliche Roguelite-Struktur mit wechselnden Belohnungen nach jedem Abschnitt. Die Ausrichtung bestimmen dabei die Klassen.
- Die Jägerin arbeitet mit Brand-, Frost- und Lebensraub-Effekten.
- Die Schildmaid sammelt über Merge-Kombos Rüstung an.
- Zauber und Totems, etwa das Eagle Totem, verfeinern das jeweilige Build.
Zum Start des Early Access sind fünf Klassen vorgesehen: die beiden genannten plus drei weitere. Da jeder Durchlauf andere Belohnungen anbietet, unterscheiden sich die Runs deutlich voneinander. Der Early Access soll vier Reiche und den ersten Bosskampf umfassen, die Vollversion Modgunns Feldzug bis zur Konfrontation mit Odin weiterführen.
Unser Eindruck
Helcast gehört zu den Spielen, bei denen die zentrale Mechanik sofort klickt. Das Werfen und Verschmelzen ist nach zwei Minuten verstanden und trägt trotzdem weit, weil die Physik ständig neue Situationen erzeugt. Dazu kommt eine düstere, stilsicher gezeichnete Optik.
Einschränkend gilt: Was wir gespielt haben, war eine Messedemo, und der Early Access startet erst Anfang 2027. Wie gut die Balance über einen kompletten Durchlauf trägt und ob das Merge-System auf Dauer genug Varianz bietet, lässt sich heute nicht beurteilen. Für die Wunschliste reicht der Eindruck aber allemal.