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Zwischen Walhalla und Wahnsinn: Warum Jotunnslayer süchtig macht, aber Nerven kostet
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Zwischen Walhalla und Wahnsinn: Warum Jotunnslayer süchtig macht, aber Nerven kostet

Jotunnslayer: Hordes of Hel katapultiert uns in ein blutiges nordisches Setting, das das Genre der Bullet-Heaven-Spiele mit einer Prise Soulslike-Härte würzt. Ein intensiver Überlebenskampf, der trotz technischer Ecken und Kanten überzeugt.

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Dennis Adam
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SPIEL Jotunnslayer: Hordes of Hel
ENTWICKLER Games Farm
PUBLISHER Grindstone
RELEASE 20. März 2025
PLATTFORMEN: PC

Das Genre der „Bullet Heaven“-Spiele, populär gemacht durch den Überraschungshit Vampire Survivors, ist mittlerweile so überlaufen wie ein nordischer Met-Stand auf dem Wacken Open Air. Um hier noch aufzufallen, braucht es mehr als nur bunte Pixel und ein paar Erfahrungspunkte. Jotunnslayer: Hordes of Hel hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Lücke zu füllen – und dabei eine ordentliche Portion nordische Mythologie in den Mixer zu werfen. Nach etlichen Stunden in den eisigen Einöden von Helheim kann ich sagen: Es ist ein wilder Ritt, der mich gleichermaßen begeistert wie in den Wahnsinn getrieben hat.

Wenn die Axt auf Knochen trifft

Was Jotunnslayer sofort von der Konkurrenz abhebt, ist das „Gefühl“. Während viele Genre-Vertreter sich wie ein Klick-Simulator anfühlen, bei dem man nur passiv durch die Gegend läuft, verlangt Jotunnslayer echtes Geschick. Die Steuerung ist präzise, und das Treffer-Feedback ist schlichtweg exzellent. Wenn ich mit meinem Berserker durch eine Horde von Draugr pflüge, spüre ich förmlich das Gewicht der Waffe. Die Soundkulisse – das dumpfe Knacken von Knochen, das metallische Klirren von Schilden und der gutturale Soundtrack – erzeugt eine Dichte, die man in Indie-Produktionen dieser Art selten findet.

Das Spielprinzip ist bekannt: Wir bewegen uns durch prozedural generierte Arenen, sammeln Erfahrung, wählen Upgrades und versuchen, so lange wie möglich gegen immer stärkere Wellen von Gegnern zu überleben. Doch Jotunnslayer fügt dem eine taktische Ebene hinzu. Die „Runen-Synergien“ sind das Herzstück des Spiels. Anstatt nur stumpf den Schaden zu erhöhen, lassen sich Fähigkeiten kombinieren, die das Spielgefühl komplett verändern. Ein Build, der auf Frostschaden setzt, friert Gegner ein, während ein Blitz-Build ganze Bildschirme in ein digitales Gewitter verwandelt. Hier liegt die größte Stärke des Spiels: Die Lust am Experimentieren ist riesig.

Der Frustfaktor: Wenn die Technik patzt

Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Und bei Jotunnslayer fällt dieser Schatten leider oft auf die Performance. Sobald der Bildschirm mit hunderten Gegnern, Partikeleffekten und explodierenden Runen gefüllt ist, geht das Spiel in die Knie. Auf meinem Test-System (einem soliden Mittelklasse-PC) gab es bei den Bosskämpfen spürbare Frame-Drops. In einem Spiel, das auf präzises Ausweichen angewiesen ist, kann ein Ruckler von einer Millisekunde über Leben und Tod entscheiden. Das ist ärgerlich und wirkt in einem ansonsten so polierten Spiel wie ein unnötiger Stolperstein.

Auch die Menüführung ist ein zweischneidiges Schwert. Während die Übersicht über die freigeschalteten Fähigkeiten im Menü noch in Ordnung geht, ist das Interface während der laufenden Action zu überladen. In der Hitze des Gefechts die richtigen Upgrades auszuwählen, erfordert fast schon ein Studium der Icons. Hier hätte ich mir eine intuitivere, vielleicht minimalistischere Lösung gewünscht, die den Spieler nicht aus dem Flow reißt.

Ein Spiel für Masochisten?

Ein Punkt, den man nicht verschweigen darf: Jotunnslayer ist gnadenlos. Wer erwartet, dass er sich entspannt zurücklehnt und das Spiel sich von selbst spielt, wird enttäuscht sein. Die Bosse haben Phasen, die gelernt werden wollen, und die Gegner-KI ist aggressiver, als man es aus dem Genre gewohnt ist. Das führt zu einer steilen Lernkurve. Für mich persönlich war das ein Pluspunkt – das Erfolgserlebnis, wenn man nach dem zehnten Versuch endlich den „Hüter der Brücke“ legt, ist unbezahlbar. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Gelegenheitsspieler nach einer Stunde frustriert das Handtuch werfen.

Fazit: Ein Rohdiamant mit Ecken und Kanten

Jotunnslayer: Hordes of Hel ist kein perfektes Spiel. Es hat technische Macken, eine Lernkurve, die an eine Steilwand erinnert, und ein Interface, das noch etwas Feinschliff vertragen könnte. Aber: Es hat Seele. Es hat eine Atmosphäre, die mich gepackt hat, und ein Kampfsystem, das mich immer wieder zu „nur noch einer Runde“ verleitet hat.

Für Fans von Roguelites, die eine Herausforderung suchen und sich an der nordischen Ästhetik nicht sattsehen können, ist Jotunnslayer eine absolute Empfehlung. Es ist ein Spiel, das seine Fehler durch puren Spielspaß und eine befriedigende Progression wettmacht. Wenn die Entwickler in den kommenden Monaten noch an der Performance schrauben, könnte das hier ein echter Genre-Klassiker werden. Bis dahin bleibt es ein exzellenter, wenn auch manchmal etwas störrischer Begleiter für lange Abende vor dem Monitor. Wer bereit ist, sich in Helheim die Finger schmutzig zu machen, wird hier definitiv fündig.

7.8
/10
GUT

+ PRO

  • +Extrem befriedigendes Treffer-Feedback und wuchtige Soundkulisse.
  • +Tiefgreifendes Build-System mit hoher strategischer Varianz.
  • +Einzigartige nordische Atmosphäre, die sich wohltuend vom Standard abhebt.

- CONTRA

  • -Gelegentliche Performance-Einbrüche bei zu vielen Gegnern auf dem Bildschirm.
  • -Steile Lernkurve, die Gelegenheitsspieler frustrieren könnte.
  • -Die Menüführung wirkt in hitzigen Momenten etwas überladen.

FAZIT

Ein wuchtiges nordisches Bullet-Heaven mit tiefer Build-Varianz, dessen steile Lernkurve und Performance-Einbrüche manche Spieler abschrecken.

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