GUNTOUCHABLES: Wenn Bullet-Hell auf den Wahnsinn trifft – Ein chaotischer Ritt mit Ecken und Kanten
In GUNTOUCHABLES verschmelzen hektische Shoot-'em-up-Mechaniken mit einer Prise schwarzem Humor und knallharten Bosskämpfen. Ein Indie-Titel, der süchtig macht, aber an seiner eigenen Ambition zu ersticken droht.
Das Jahr 2025 hat uns bereits einige Indie-Perlen beschert, doch nur wenige haben mich so zwiegespalten zurückgelassen wie GUNTOUCHABLES. Das Spiel wirft uns in eine dystopische Welt, in der Kugeln die einzige Währung sind und das Überleben an einem seidenen Faden hängt. Auf den ersten Blick wirkt der Titel wie ein klassischer Twin-Stick-Shooter, doch wer tiefer gräbt, findet ein mechanisches Monster, das sowohl fasziniert als auch regelmäßig für wütende Ausraster vor dem Monitor sorgt.
Die Ästhetik des Chaos
Was sofort ins Auge sticht, ist der Grafikstil. Die Entwickler haben sich für eine handgezeichnete Optik entschieden, die irgendwo zwischen einem düsteren Comic und einem Fiebertraum angesiedelt ist. Die Animationen sind flüssig, die Partikeleffekte bei Explosionen sind ein wahres Fest für die Augen. Wenn man durch eine Horde von Gegnern pflügt, während der Soundtrack – eine treibende Mischung aus Industrial-Techno und Synthwave – die Ohren zum Klingeln bringt, dann entfaltet GUNTOUCHABLES eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.
Das Gunplay fühlt sich dabei absolut „snappy“ an. Jede Waffe hat ein ordentliches Gewicht, das Feedback beim Abfeuern ist direkt und befriedigend. Hier merkt man, dass die Entwickler viel Zeit in das „Game Feel“ investiert haben. Es macht einfach Spaß, sich durch die Level zu bewegen und die Gegner in ihre Einzelteile zu zerlegen.
Wenn der Schwierigkeitsgrad zum Feind wird
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und im Fall von GUNTOUCHABLES ist dieser Schatten ein massiver Schwierigkeitsgrad, der oft eher unfair als fordernd wirkt. Während die ersten Level noch gut zu meistern sind, ziehen die Bosskämpfe das Tempo so drastisch an, dass man sich fragt, ob das Balancing-Team jemals selbst gegen diese Bosse angetreten ist.
Nehmen wir beispielsweise den „Cyber-Wächter“ im dritten Akt. Das Muster der Projektile ist so komplex und die Hitboxen der Gegner so unvorhersehbar, dass man oft das Gefühl hat, man stirbt nicht wegen eines eigenen Fehlers, sondern weil das Spiel einen in eine ausweglose Situation manövriert hat. Das führt zu einer „Trial-and-Error“-Mentalität, die nach dem zehnten Versuch eher frustriert als motiviert. Ein bisschen mehr „Fairness“ bei den Angriffsmustern hätte dem Spiel gutgetan.
Ein repetitives Grundgerüst
Ein weiteres Problem ist die Abwechslung bei den Standard-Gegnern. Während die Bosse visuell und spielerisch einzigartig sind, fühlen sich die normalen Gegnerwellen nach zwei Stunden Spielzeit schon etwas ausgelutscht an. Man schießt immer wieder auf dieselben drei Typen von Drohnen und Mutanten, die sich nur durch ihre Farbe oder ihre Lebensenergie unterscheiden. Hier hätte ich mir mehr Kreativität gewünscht, um den Flow des Spiels über die gesamte Spieldauer von etwa acht Stunden aufrechtzuerhalten.
Auch die Steuerung ist ein zweischneidiges Schwert. Auf dem Controller spielt sich GUNTOUCHABLES zwar intuitiv, aber die Belegung der Spezialfähigkeiten auf die Schultertasten fühlt sich in hektischen Momenten – und hektisch ist es in diesem Spiel immer – oft unpräzise an. Wer mit Maus und Tastatur spielt, hat zwar eine bessere Zielgenauigkeit, muss sich aber durch ein Tasten-Layout kämpfen, das sich anfühlt, als hätte man versucht, ein Klavierkonzert auf einer Schreibmaschine zu spielen.
Fazit: Ein Rohdiamant mit Ecken
Ist GUNTOUCHABLES ein schlechtes Spiel? Absolut nicht. Es ist ein leidenschaftliches Projekt, das in seinen besten Momenten zeigt, wie viel Potenzial im Indie-Sektor steckt. Die Atmosphäre ist dicht, die Action ist intensiv und der Stil ist absolut eigenständig.
Doch wer sich für diesen Titel entscheidet, sollte ein dickes Fell mitbringen. Wer Frustresistenz besitzt und sich gerne in komplexe Mechaniken hineinbeißt, wird hier seine Freude haben. Alle anderen könnten nach den ersten zwei Bossen entnervt den Controller in die Ecke werfen. GUNTOUCHABLES ist ein Spiel für Puristen, die Herausforderungen suchen – auch wenn diese Herausforderungen manchmal ein wenig zu sehr am Rande der Fairness balancieren.
Für Fans des Genres ist es definitiv einen Blick wert, aber man sollte nicht erwarten, dass man hier ein entspanntes Feierabendspiel bekommt. Hier wird geschwitzt, geflucht und am Ende – hoffentlich – triumphiert. Ein solider Indie-Titel, der mit ein paar Patches und einem feineren Balancing noch deutlich besser hätte sein können.
+ PRO
- +Extrem präzises und befriedigendes Gunplay
- +Einzigartiger, handgezeichneter Grafikstil mit hohem Wiedererkennungswert
- +Soundtrack, der den Puls in die Höhe treibt
- CONTRA
- -Teilweise frustrierende Schwierigkeitsspitzen bei Bosskämpfen
- -Mangelnde Abwechslung bei den Standard-Gegnertypen
- -Die Steuerung mit Maus und Tastatur wirkt in hektischen Momenten überladen
FAZIT
Ein präziser, stylisch gezeichneter Bullet-Hell-Shooter mit befriedigendem Gunplay, der an Schwierigkeitsspitzen und mangelnder Gegnervielfalt leidet.
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