Zwischen Klingenwirbel und Frustgrenze: Ein blutiger Tanz auf dem schmalen Grat
Ninja Gaiden: Ragebound versucht das Erbe der legendären Action-Reihe in ein modernes Indie-Gewand zu hüllen. Ob der Titel dabei den Geist der Vorbilder atmet oder nur an seiner eigenen Ambition scheitert, erfahrt ihr hier.
Wenn man den Namen „Ninja Gaiden“ hört, schwingt sofort eine gewisse Erwartungshaltung mit: Schnelligkeit, Präzision, ein Schwierigkeitsgrad, der an den Rand des Wahnsinns führt, und eine Ästhetik, die keine Gefangenen macht. Mit Ninja Gaiden: Ragebound wagt ein kleines Indie-Studio den Versuch, dieses Erbe in das Jahr 2025 zu retten. Nach gut 15 Stunden mit dem Controller in der Hand kann ich sagen: Es ist ein wilder Ritt, der mich sowohl jubeln als auch fluchen ließ.
Das Herzstück von Ragebound ist zweifellos das Kampfsystem. Wer hier mit bloßem Button-Mashing ankommt, wird in den ersten fünf Minuten gnadenlos zerlegt. Das Spiel verlangt ein Verständnis für Rhythmus, Ausweichmanöver und das Timing von Paraden. Wenn man jedoch den Fluss der Kämpfe einmal verinnerlicht hat, fühlt es sich fantastisch an. Die Animationen sind butterweich, und wenn man einen Gegner mit einer perfekt getimten Kombo in die Luft befördert, um ihn dort mit einem „Izuna Drop“ zu beenden, stellt sich dieses befriedigende Gefühl ein, das wir an diesem Genre so lieben.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten – und der fällt in Ragebound leider oft auf die Kamera. In den meist sehr beengten Level-Designs der ersten Spielstunden verliert man in hitzigen Gefechten viel zu oft die Übersicht. Wenn man in einer Ecke eingekesselt wird und die Kamera plötzlich gegen die Wand zoomt, während man von drei Gegnern gleichzeitig attackiert wird, ist der Frust vorprogrammiert. Das ist kein „Skill-Issue“, wie es in manchen Foren gerne genannt wird, sondern schlichtes technisches Design-Versagen, das den Spielfluss empfindlich stört.
Auch bei den Checkpoints zeigt sich das Spiel von seiner sturen Seite. Während ich die Herausforderung liebe, ist es im Jahr 2025 nicht mehr zeitgemäß, den Spieler nach einem Boss-Tod durch eine dreiminütige Laufstrecke voller Standardgegner zu schicken, nur um den Boss erneut zu versuchen. Das streckt die Spielzeit künstlich und sorgt für unnötige Leerläufe, die den Adrenalinpegel eher senken als fördern.
Die Geschichte von Ragebound ist schnell erzählt: Ein gefallener Ninja sucht Rache, ein dunkler Clan steht im Weg, fertig. Mehr braucht man eigentlich nicht, um ein Actionspiel zu rechtfertigen, aber die Präsentation ist hier leider sehr generisch. Die Dialoge wirken wie aus einem B-Movie der 90er Jahre zusammengestückelt und die Charaktere bleiben so blass wie die Klingen, die sie führen. Hier hätte man sich etwas mehr Mühe geben können, um dem Spieler einen Grund zu geben, sich emotional in die Welt zu investieren.
Technisch gesehen ist Ragebound jedoch eine Überraschung. Trotz des Indie-Budgets läuft das Spiel auf meiner Test-Konsole stabil mit 60 FPS, was bei einem Spiel, das auf Millisekunden-Timing setzt, absolut essenziell ist. Der Soundtrack verdient ein besonderes Lob: Treibende Industrial-Beats gepaart mit traditionellen japanischen Instrumenten untermalen das Gemetzel perfekt und peitschen einen durch die anspruchsvollsten Passagen.
Fazit: Ninja Gaiden: Ragebound ist kein perfektes Spiel. Es ist ein rauer, manchmal unfairer und erzählerisch schwacher Titel, der aber genau das liefert, was Fans des Genres suchen: ein knallhartes, belohnendes Kampfsystem, das einen fordert. Wer über die Kamera-Probleme und das frustrierende Checkpoint-System hinwegsehen kann, findet hier eines der forderndsten Action-Erlebnisse des Jahres. Es ist kein Meisterwerk, aber ein leidenschaftlicher Liebesbrief an eine Ära, in der Spiele noch keine Angst davor hatten, ihre Spieler zu quälen. Wer sich der Herausforderung stellen will, sollte zugreifen – aber haltet ein zweites Gamepad zur Sicherheit bereit, falls das erste gegen die Wand fliegt.
+ PRO
- +Herausragendes, präzises Kampfsystem mit hoher Lernkurve
- +Visuell beeindruckende, flüssige Animationen bei den Finishern
- +Soundtrack, der den Adrenalinspiegel konstant hochhält
- CONTRA
- -Teilweise unfaire Checkpoint-Platzierungen bei Bosskämpfen
- -Kameraführung in engen Korridoren führt oft zum Bildschirmtod
- -Story bleibt blass und dient nur als Vorwand für die Metzelei
FAZIT
Eine präzise 2D-Ninja-Gaiden-Hommage mit herausragendem Kampfsystem, die an unfairen Checkpoints und blasser Story leidet.
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