Ein Abo ohne Kaufrecht
Der Crunchyroll Store hat seine Konditionen für zahlende Mitglieder grundlegend verändert. Trotz einer monatlichen Gebühr von 10 Dollar ist der Zugriff auf den Shop stark limitiert und von klassischen E-Commerce-Vorteilen entkoppelt.
Hinter der Plattform steht Sony Pictures Entertainment, das Crunchyroll im Jahr 2021 für 1,175 Milliarden Dollar von AT&T erwarb. Diese Übernahme konsolidierte den Markt für Anime-Streaming massiv, da Sony bereits die Plattform Funimation kontrollierte. Die Zusammenführung beider Dienste unter der Marke Crunchyroll war ein langwieriger Prozess, der die globale Dominanz des Unternehmens zementierte.
Was Abonnenten nun erwartet
Die neuen Regeln schaffen klare Trennlinien zwischen dem reinen Streaming-Dienst und dem physischen Warenangebot. Das bisherige Versprechen einer Mehrwert-Mitgliedschaft wird damit hinfällig.
- Ein aktives Abonnement für 10 Dollar erlaubt es Nutzern lediglich, den Store zu „durchstöbern“.
- Die Berechtigung, Artikel tatsächlich zu erwerben, ist an dieses Abonnement nicht mehr gekoppelt.
- Bisherige Mitgliedsvorteile wie exklusive Rabatte auf Merchandise fallen ersatzlos weg.
Das Geschäftsmodell von Crunchyroll stützte sich bisher auf die Synergie zwischen exklusiven Inhalten wie Demon Slayer oder Jujutsu Kaisen und dem Verkauf von Figuren sowie Sammelkarten. Während Funimation früher eigene physische Releases (Blu-rays/DVDs) in den USA vertrieb, hat Crunchyroll unter der Führung von Sony den Fokus verstärkt auf die digitale Distribution und den Direktverkauf über den Store verlagert. Die aktuelle Änderung entwertet den „Fan-Status“, den Abonnenten durch ihre monatliche Zahlung bisher genossen haben.
Die Konsequenzen für Fans
Wer im Crunchyroll Store einkaufen möchte, stößt nun auf eine ungewöhnliche Hürde. Die Bezahlung der monatlichen Gebühr sichert keinen exklusiven Zugang zu Waren oder Preisnachlässen mehr.
Frühere Aktionen boten Abonnenten oft einen Rabatt von 10 bis 15 Prozent auf Vorbestellungen von limitierten Figuren. Solche Modelle sind bei Konkurrenten wie AmiAmi oder Right Stuf Anime (das mittlerweile in den Crunchyroll Store integriert wurde) üblich. Die Einstellung dieser Vorteile bedeutet für den Kunden effektiv eine Preiserhöhung. Die Integration von Right Stuf Anime in den Crunchyroll Store im Jahr 2023 war bereits von Beschwerden über gestiegene Versandkosten und schlechteren Kundenservice begleitet.
Status Quo der Webseite
Der Shop fungiert nun primär als Katalog-Plattform für allgemeine Besucher. Die Änderung der Konditionen ist bereits aktiv und betrifft alle Nutzer des Dienstes.
Die Plattform hat den Support für Rabattaktionen für Abonnenten eingestellt. Nutzer können zwar weiterhin das Sortiment einsehen, doch die Kaufabwicklung folgt nun neuen internen Richtlinien.
Die Strategie von Sony zielt darauf ab, den Streaming-Dienst und den E-Commerce-Zweig als eigenständige Geschäftsbereiche mit unterschiedlichen Gewinnmargen zu führen. Während der Streaming-Dienst durch die monatliche Gebühr stabile Einnahmen generiert, unterliegt der Store den Schwankungen des Einzelhandels. Analysten beobachten, dass Sony mit dieser Trennung die operativen Kosten für das Treueprogramm senken will. Die aktuelle Änderung der Konditionen reduziert den administrativen Aufwand zur Pflege von Rabatt-Coupons und Mitglieds-IDs bei der Kaufabwicklung. Für den Endverbraucher verbleibt nach dem Wegfall der Vergünstigungen lediglich der Status eines Gelegenheitskäufers, unabhängig von der Dauer des Streaming-Abonnements.