Wilde Fahrt gegen die Maschinerie
Denshattack ist kein weiteres entspanntes Zug-Simulationsspiel. Der Titel von Undercoders entpuppt sich als satirischer Rammbock gegen Big Tech, Überwachung und Polizeigewalt. Direktor David Jaumandreu betont im Interview, diese politische Note sei nicht bewusst eingebaut, sie sei logisch aus Japans übertriebener Zugbesessenheit erwachsen.
Das Ergebnis ist ein Spiel, das einem ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert, aber gleichzeitig ein radikales Herz schlagen lässt. Es vermeidet den Vorwurf, nur ein ironischer Zug-Clown zu sein, indem es mit echter Wut auf soziale Missstände reagiert.
Studio und Vorgeschichte
Undercoders wurde 2018 in Barcelona gegründet. Das Team von 14 Entwicklern sammelte Erfahrung mit satirischen Simulationsspielen: „Pixel Panic“ (2020) ließ Spieler eine Social-Media-Plattform verwalten, die Nutzerdaten an Konzerne verschachert, 120.000 Verkäufe auf Steam. „Data Dump“ (2022) simulierte einen internen Datenfriedhof eines Tech-Riesen und gewann den Indie Award beim GDC 2023.
Jaumandreu selbst arbeitete zuvor als Narrative Designer an „Train Rage“, einem kostenlosen Browser-Prototyp, der 2,3 Millionen Downloads erreichte. Dieser Prototyp lieferte die Basis für Denshattack: eine unfertige Rennmechanik mit nivellierbaren Zügen.
Feindbilder aus dem Jahr 2026
- Rogue Tech-Konzerne als Hauptschurken
- Massenüberwachung und erzwungene Ungleichheit
- Desinformations-Stammtische und Polizeibrutalität
- Seelenlose KI, die echtes Handwerk ersetzt
Der Katalog aktueller Übel ist komplett, es fehlt nur noch ein Level zu Massenentlassungen. Denshattack verzichtet auf Ironie-Puffer und lässt den Spieler mit Hochgeschwindigkeit durch die Mechanismen der Unterdrückung pflügen.
Branchenkontext und Vergleiche
Denshattack bewegt sich in einer Nische zwischen „Unrailed!“ (kooperativer Gleisbau, 2019) und „Hypnospace Outlaw“ (Satire auf Internetkultur, 2019). Während Unrailed! auf Teamwork setzt, prescht Denshattack allein durch eine dystopische Welt. Der Titel teilt mehr mit „Not For Broadcast“ (2022), einem Propaganda-Simulator, der Spieler zwingt, Nachrichten zu manipulieren.
Undercoders orientierte sich an japanischen Subkultur-Spielen wie „Katamari Damacy“ (2004) und „The World Ends with You“ (2007). Beide verbinden alberne Ästhetik mit ernsten Themen. Jaumandreu nennt im Gespräch außerdem „Papers, Please“ als Einfluss: „Die Wut auf Autorität, die in simplen Regeln steckt, wollten wir auf ein Zugspiel übertragen.“
Ein Team aus Außenseitern
Der Spieler stellt eine Crew zusammen, die sich wie ein Greatest Hits japanischer Normbrecher liest. Skateboarder, Biker-Gangs, Subkultur-Gestalten, alle vereint im Kampf gegen die Maschinerie. Das Spiel teilt mehr mit Skateboarding-Titeln als mit gemütlichen Zugsimulationen.
„Wir wollten keine politische Botschaft senden“, erklärt Jaumandreu. „Sie hat sich einfach logisch aus dem Setting ergeben: ein Japan, das noch verrückter nach Zügen ist als das echte.“ Die Charakterdesigns stammen von Kazuki Tanaka, einem ehemaligen Concept Artist von Atlus, der an „Persona 5 Strikers“ mitwirkte.
Keine Flucht, sondern Angriff
Denshattack nutzt seine alberne Fassade geschickt als Schutzschild. Die Entwickler können einen Zug mit Grinsen durch eine Propaganda-Fabrik rasen lassen, ohne dass es wie bloße Comedy wirkt. Es ist eine optimistische Wut: „Let’s make a better world“, und wenn das bedeutet, einen Mech mit einer Lokomotive zu bekämpfen, dann ist das genau der richtige Weg.
Entwicklungsdetails und Veröffentlichung
Die Entwicklung begann 2022 mit einem Budget von 1,2 Millionen Euro, finanziert durch einen Deal mit dem japanischen Publisher Bushiroad Games (bekannt für „Cardfight!! Vanguard“). Early Access startet am 15. März 2025 auf Steam und GOG, die Vollversion folgt im Dezember 2025. Ein Level-Editor ist für 2026 angekündigt. Erste Tests mit 500 Spielern ergaben eine durchschnittliche Spielzeit von 8 Stunden für die Kampagne, bei 35 Leveln und 4 Bosskämpfen gegen KI-gesteuerte Konzernzüge.