Der Kampf um den leeren Platz
Ein Gott ist gestürzt und hinterlässt eine klaffende Lücke im Pantheon. Demigod schickt den Spieler direkt in diesen Machtkampf gegen sieben weitere Mitstreiter.
Das Spiel von Gas Powered Games kombiniert Elemente aus der Echtzeitstrategie mit der direkten Steuerung eines Helden. Die Kamera schwebt über Karten, auf denen sich Armeen und mächtige Individuen gegenseitig zerfleischen.
Hinter dem Projekt steht Chris Taylor, der zuvor mit Total Annihilation (1997) und der Dungeon Siege-Reihe Maßstäbe für das Genre setzte. Gas Powered Games versuchte mit Demigod, den damals aufkommenden Mod-Trend von Defense of the Ancients (DotA) aus Warcraft III als eigenständiges Produkt zu kommerzialisieren.
Die Wahl der Waffe
Jeder Charakter besitzt eine eigene Spielweise, die über Sieg oder Niederlage entscheidet. Wer sich in die Arena wagt, muss die Stärken seines gewählten Halbgottes genau kennen.
- Regulus: Ein Scharfschütze, der Feinde aus großer Distanz unter Beschuss nimmt.
- Oak: Ein robuster Nahkämpfer, der viel Schaden einstecken kann.
- Unclean Beast: Setzt auf Vergiftungen und Zermürbungstaktik.
- Torchbearer: Spezialisiert auf magische Angriffe und Brandeffekte.
Die Halbgötter sind in zwei Klassen unterteilt: Generäle und Attentäter. Während Generäle wie Lord Erebus eigene Einheiten herbeirufen und das Schlachtfeld mikro-managen, fokussieren sich Attentäter wie Regulus auf den direkten Schaden gegen gegnerische Helden. Diese Trennung sollte ursprünglich eine taktische Tiefe erzeugen, die über das bloße Klicken hinausgeht.
Taktik auf dem Schlachtfeld
Der Erfolg hängt von der Kontrolle über strategische Punkte ab. Wer Flaggen erobert, sichert sich wichtige Ressourcen und Boni für die eigenen Truppen.
- Gold-Punkte erhöhen das Einkommen für Upgrades.
- Erfahrungspunkte lassen den Helden im Rang aufsteigen.
- Stärkere Einheiten werden durch den Ausbau der Zitadelle freigeschaltet.
Die KI-Gegner agieren dabei aggressiv und zwingen den Spieler zu ständiger Aufmerksamkeit. Wer seine Basis vernachlässigt, verliert schnell die Oberhand im Gefecht.
Das Spielprinzip orientiert sich an der DotA-Formel, verzichtet jedoch auf ein klassisches Item-Shop-System zugunsten eines globalen Upgrades der Zitadelle. Spieler müssen hier zwischen dem Ausbau der eigenen Verteidigung und der Stärkung der KI-gesteuerten Creeps abwägen. Die Karten sind auf den vertikalen Kampf ausgelegt, was den Druck auf die zentralen Kontrollpunkte erhöht.
Technische Hürden und Langlebigkeit
Zum Release im Jahr 2009 kämpfte Demigod mit erheblichen Problemen bei der Netzwerkstabilität. Viele Käufer beklagten Schwierigkeiten bei der Suche nach Online-Partien.
Der Publisher Stardock geriet massiv in die Kritik, da eine fehlerhafte Kopierschutz-Implementierung die Server bereits am ersten Tag überlastete. Dies führte zu einer Welle von Raubkopien, da die gecrackten Versionen den fehlerhaften Online-Login umgingen und damit oft besser liefen als die gekaufte Variante.
Innerhalb weniger Monate verlor das Spiel einen Großteil seiner aktiven Spielerbasis. Andere Titel wie League of Legends (veröffentlicht im Oktober 2009) und Heroes of Newerth übernahmen das Feld, indem sie auf ein Free-to-Play-Modell oder eine stabilere Infrastruktur setzten.
Das Balancing der einzelnen Charaktere blieb ein fortwährendes Problem in den Foren. Insbesondere die Kombination aus bestimmten Skill-Trees und den käuflichen Artefakten führte zu einer Dominanz einzelner Helden, die das Spielgefühl für Einsteiger erschwerten.
Die Entwicklung von Demigod wurde nach 2010 offiziell eingestellt, da Gas Powered Games den Fokus auf andere Projekte wie Supreme Commander 2 verlagerte. Das letzte offizielle Update für das Spiel erschien im Jahr 2010. Heute existiert kaum noch eine organisierte Online-Community, was den Titel auf die rein lokale Mehrspieler-Erfahrung oder Kämpfe gegen die KI reduziert.