Ärger aus dem Amt
Die Meldung traf die Szene unvermittelt. Eine deutsche Behörde hat ein ernstes Problem mit Steam, und verlangt von Valve Antworten. Die genauen Vorwürfe sind noch nicht bekannt. Doch die Botschaft ist klar: Steam steht unter Druck.
Was bisher durchgesickert ist
Laut einem Bericht von GIGA muss sich die Spieleplattform vor einer deutschen Behörde rechtfertigen. Welche Institution dahintersteckt, bleibt offen. Der Vorwurf: ein „großes Problem“, mehr steht in der Quelle nicht. Valve selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Weder die Pressestelle noch der Support haben auf Anfragen reagiert.
Wer hinter Steam steckt
Valve wurde 1996 von Gabe Newell und Mike Harrington gegründet, beide ehemalige Microsoft-Mitarbeiter. Der erste große Erfolg war Half-Life (1998), ein Shooter, der Maßstäbe für narrative First-Person-Spiele setzte. Es folgten Half-Life 2 (2004), Portal (2007) und die Multiplayer-Titel Counter-Strike (ursprünglich ein Mod, später von Valve veröffentlicht) sowie Team Fortress. 2013 startete Dota 2 und etablierte das Geschäftsmodell mit Mikrotransaktionen für kosmetische Items, ein Modell, das später auf Counter-Strike: Global Offensive übertragen wurde.
Steam selbst ging 2003 an den Start. Anfangs als Client für Updates von Valve-Titeln, wuchs es zur weltgrößten digitalen Vertriebsplattform für PC-Spiele heran. Laut SteamDB gibt es über 50.000 Spiele im Katalog. Nutzerzahlen: 120 Millionen aktive Konten monatlich, Spitzen gleichzeitige Nutzer über 30 Millionen. Der Marktanteil im PC-Digitalvertrieb liegt bei geschätzt 75 Prozent, vor Konkurrenten wie Epic Games Store (15 Prozent) und GOG (unter 5 Prozent). In Deutschland nutzen rund 18 Millionen Spieler Steam regelmäßig.
Frühere Konflikte zwischen Valve und deutschen Behörden
Der aktuelle Fall ist nicht der erste. 2018 geriet Valve mit der USK aneinander, weil Lootboxen in Counter-Strike: Global Offensive als unzulässige Glücksspiele eingestuft wurden. Valve führte daraufhin eine Altersverifikation ein, die Käufe ab 18 Jahren erlaubt. 2021 verhängte das Landgericht Hamburg eine Strafe von 1,8 Millionen Euro gegen Valve wegen Verstoßes gegen die DSGVO, die Datenschutzerklärung war unvollständig. Valve zahlte und passte die Dokumentation an.
Ein weiteres Problem: der Handel mit CS:GO-Skins auf Drittanbieter-Seiten. Diese Plattformen werden von deutschen Glücksspielaufsichten immer wieder ins Visier genommen, weil sie ohne Lizenz Wetten auf Spielausgänge anbieten. Valve blockiert zwar solche Seiten nicht, hat aber selbst keine rechtliche Verantwortung übernommen.
Warum das relevant ist
Steam ist der mit Abstand größte PC-Spielevertrieb der Welt. Millionen deutsche Spieler nutzen die Plattform täglich. In der Vergangenheit gab es immer wieder Konflikte zwischen deutschen Ämtern und internationalen Tech-Firmen. Themen wie Lootboxen, Jugendschutz oder Datenschutz stehen oft im Raum. Der aktuelle Vorwurf könnte auf ein neues Gebiet zielen: etwa Kartellrecht (Valve nimmt 30 Prozent Provision auf Spieleverkäufe) oder Verbraucherschutz (intransparente Rückgaberegelungen).
Vergleichbare Fälle gab es zuletzt bei Apple und Google, deren App-Stores wurden von der EU-Kommission unter dem Digital Markets Act untersucht. Spielentwickler wie Epic Games klagen seit Jahren gegen die Provision. Valve ist bislang von solchen Verfahren weitgehend verschont geblieben.
Was jetzt passiert
Wir beobachten die Entwicklung und melden uns, sobald konkrete Informationen vorliegen. Die nächsten Tage werden zeigen, wie ernst die Lage wirklich ist. Sollte die Behörde Maßnahmen ergreifen, könnte Steam mit einer Geldstrafe, Auflagen oder einer Beschränkung des Dienstes in Deutschland rechnen. 2022 zwang die Bundesnetzagentur Twitch zur Altersverifikation für Glücksspiel-Inhalte, ein Präzedenzfall, der auch auf Steam anwendbar wäre.