Ein Edgerunners-Effekt für die ganze Branche
Cyberpunk: Edgerunners ist zurück im Gespräch, und das weckt alte Diskussionen. Welche Filme und Serien haben es wirklich geschafft, die Magie eines Spiels auf die Leinwand oder den Stream zu bringen? Kotaku hat genau diese Frage beantwortet und eine Liste der 17 besten Video Games Adaptionen veröffentlicht.
Die Zusammenstellung soll keinen Abschluss darstellen, sondern eine Einladung zur Debatte. Denn sobald eine gute Adaption wie Edgerunners neue Fans findet, tauchen die ewigen Fragen wieder auf: Was macht eine gelungene Umsetzung aus? Und warum scheitern so viele?
Von Pixel-Helden zu Serien-Stars
- Kotakus Liste deckt ein breites Spektrum ab, von frühen Zeichentrickfilmen bis zu modernen Streaming-Hits.
- Sie enthält sowohl Realfilme als auch Animationsserien, darunter japanische Produktionen und westliche Blockbuster.
- Cyberpunk: Edgerunners steht exemplarisch für den aktuellen Erfolgskurs: Die Serie fängt die düstere Atmosphäre des Spiels ein, ohne Sklave der Vorlage zu sein.
Erfolgsketten und Studio-Geschichten
Cyberpunk: Edgerunners wurde vom japanischen Studio Trigger animiert, das zuvor mit Kill la Kill (2013) und Promare (2019) bekannt wurde, beides keine Spieladaptionen. Trigger arbeitete erstmals mit CD Projekt Red zusammen, das 2020 Cyberpunk 2077 veröffentlichte. Die Serie entstand parallel zur Fertigstellung des Spiels.
Arcane (2021) entstand bei Riot Games und dem französischen Studio Fortiche, das zuvor Musikvideos für Riot produzierte, darunter Get Jinxed (2013) mit 200 Millionen YouTube-Aufrufen. Fortiche hatte keine Spieleerfahrung, aber einen visuellen Stil, der die League of Legends-Welt traf. Das Budget lag bei geschätzten 90 Millionen Dollar.
The Last of Us (2023) wurde von HBO und Naughty Dog produziert. Showrunner Craig Mazin hatte vorher die Miniserie Chernobyl (2019) geschrieben, die neun Emmys gewann. Die Serie kostete rund 100 Millionen Dollar und war die erste Live-Action-Adaption eines Naughty-Dog-Titels nach dem gescheiterten Uncharted-Filmversuch (der erst 2022 mit Tom Holland kam).
- Sonic the Hedgehog (2020) von Paramount und Sega basierte auf einem Redesign nach Fanprotesten, der erste Trailer zeigte einen Sonic mit menschlichen Zähnen, was zu einer millionenschweren Nachbesserung führte.
- Resident Evil (2002) startete eine Filmreihe mit Milla Jovovich, die über 1,2 Milliarden Dollar weltweit einspielte, aber von Kritikern meist verrissen wurde. Das fünfte Sequel Resident Evil: The Final Chapter (2016) kostete 40 Millionen Dollar und brachte 312 Millionen ein.
- Detective Pikachu (2019) war der erste Realfilm im Pokémon-Universum. Regisseur Rob Letterman hatte zuvor Goosebumps (2015) gedreht. Der Film spielte 433 Millionen Dollar bei einem Budget von 150 Millionen ein.
Was die Zahlen verraten
Die Top-Adaptionen auf Rotten Tomatoes zeigen klare Unterschiede: Arcane erreichte 100 % bei Kritikern und 96 % beim Publikum. Cyberpunk: Edgerunners bekam 98 % von Kritikern, 96 % vom Publikum. The Last of Us landete bei 96 % (Kritiker) und 89 % (Publikum). Zum Vergleich: Assassin's Creed (2016) mit Michael Fassbender erreichte 18 % bei Kritikern und 31 % beim Publikum, bei einem Budget von 125 Millionen Dollar und nur 240 Millionen Einspiel.
Netflix-Zahlen unterstreichen den Trend: Arcane verzeichnete in der ersten Woche 34 Millionen Views. Cyberpunk: Edgerunners erreichte 18 Millionen Views im ersten Monat. The Last of Us auf HBO knackte 32 Millionen Zuschauer in den ersten zwei Monaten, die höchste Quote für eine neue HBO-Serie seit Boardwalk Empire (2010).
Die älteren Beispiele aus der Kotaku-Liste haben geringere Zuschauerzahlen, aber ähnliche Muster: Castlevania (2017, Netflix) startete mit 8,8 Millionen Views in der ersten Woche. Die Serie lief vier Staffeln und war der erste große Anime-Erfolg für Netflix basierend auf einem Spiel, produziert von Frederator Studios (bekannt für Adventure Time). Street Fighter II: The Animated Movie (1994) wurde in Japan von Group TAC produziert und verkaufte sich über 500.000 Mal auf VHS in den USA, ein damaliger Rekord für Anime-Lizenzen.
Was die Liste lehrt
Eine gute Adaption respektiert das Ausgangsmaterial, aber sie traut sich auch, eigene Wege zu gehen. Die besten Beispiele aus Kotakus Auswahl zeigen, dass Charaktertiefe und Storytelling wichtiger sind als bloße Treue zum Gameplay. Filme und Serien, die nur die Handlung des Spiels nachspielen, landen selten in solchen Rankings.
Die gescheiterten Adaptionen bestätigen das Muster: Doom (2005) mit Dwayne Johnson kopierte nur die Ego-Shooter-Perspektive des Spiels. Der Film bekam 18 % bei Rotten Tomatoes und spielte 56 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von 60 Millionen. Prince of Persia: Der Sand der Zeit (2010) von Disney hatte 37 % Kritikerwertung und 336 Millionen Dollar Einspiel, obwohl Regisseur Mike Newell (Harry Potter und der Feuerkelch) und Produzent Jerry Bruckheimer beteiligt waren.
Kein Kanon, aber Diskussionsstoff
Ob man mit jedem Eintrag einverstanden ist, bleibt Geschmackssache. Gerade die Auswahl der 17 Titel wird Fans spalten, das gehört dazu. Fakt ist: Kotakus Liste bietet eine solide Grundlage, um über die gelungensten Brücken zwischen Spiel und Film zu sprechen. Und wer weiß, vielleicht entdeckt der eine oder andere Leser dabei einen alten Schatz neu.
Die Liste enthält keine Filme oder Serien von Nintendo außerhalb von Pokémon, trotz des Super-Mario-Films (2023), der 1,36 Milliarden Dollar einspielte. Kotaku begründete die Auswahl mit der künstlerischen Eigenständigkeit der 17 Titel, nicht mit kommerziellem Erfolg.