Disc-Aus bei PlayStation: Ex-Blizzard-Chef fordert digitales Vertrauensversprechen
BESCHREIBUNG: Die PlayStation verabschiedet sich von der Disc, ein ehemaliger Blizzard-Chef warnt vor Zukunftsängsten und verlangt klare Garantien für digitale Spielbibliotheken.
Disc-Aus bei Sony: Schluss mit physisch?
Sony bereitet offenbar das Ende der Disc-Ära vor. Aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass kommende PlayStation-Modelle kein Laufwerk mehr erhalten. Viele Spieler sehen ihre Sammlungen in Gefahr. Ein ehemaliger Blizzard-Chef meldet sich nun zu Wort, und seine Botschaft ist deutlich.
Der Mann hinter der Warnung
Mike Ybarra, von 2019 bis 2022 Präsident von Blizzard Entertainment, äußerte sich auf X zu den Disc-Plänen. Ybarra verbrachte 20 Jahre bei Microsoft und half beim Aufbau von Xbox Live. Er kennt die Dynamik digitaler Plattformen. Blizzard selbst trieb die Digitalisierung voran: Diablo startete 1996 mit Battle.net, World of Warcraft existiert nur noch als Download. Dass ausgerechnet ein ehemaliger Blizzard-Chef vor den Risiken warnt, zeigt die Widersprüche der Branche.
Die Angst um die eigene Bibliothek
„Wir können nicht in einer Welt der Angst leben, ob unsere Spiele in Zukunft noch funktionieren“, warnt Ybarra. Er bezieht sich auf die wachsende Verunsicherung in der Community.
- Games, die nur digital existieren, sind oft an Server und Lizenzkonten gebunden.
- Ein Server-Aus oder Shop-Schließung kann ganze Bibliotheken unspielbar machen.
- Physische Medien boten zumindest eine Grundsicherung, offline, ohne Zwang.
Der Ruf nach einer digitalen Absicherung wird lauter. Ybarra bringt es auf den Punkt: „Man braucht ein digitales Versprechen für die Konsumenten.“
Präzedenzfälle in der Vergangenheit
Der Fall The Crew von Ubisoft zeigte die Härte: Nach zehn Jahren wurde der Server im März 2024 abgeschaltet. Käufer können das Spiel nicht mehr starten, obwohl es früher auf Disc erschien, war eine Online-Authentifizierung nötig. Ähnlich erging es PT (Konami) und Scott Pilgrim vs. The World (neu veröffentlicht, aber nicht von Ubisoft wiederhergestellt). Selbst Sonys eigener PS3-Store war 2021 kurz vor der Schließung; Sony ruderte nach Protesten zurück. Solche Ereignisse untergraben das Vertrauen der Spieler.
Was bedeutet ein digitales Versprechen?
Gemeint ist eine verbindliche Zusage der Plattformbetreiber. Ein Versprechen, dass gekaufte Spiele dauerhaft spielbar bleiben, selbst wenn der Account gekündigt oder der Dienst eingestellt wird. Bisher gibt es so etwas bei Sony, Microsoft oder Nintendo nicht. Lizenzen können jederzeit entzogen werden, die Nutzungsbedingungen ändern sich per Update. Ein Vergleich: GOG.com bietet DRM-freie Spiele. Dort kann man Installer herunterladen und behalten. Konsolenhersteller verhindern das durch geschlossene Systeme.
Ein alter Kampf mit neuen Fronten
Der Diskurs ist nicht neu: Schon beim Start der digitalen Konsolen warnten Retro-Fans vor dem Verlust der Spielkultur. Jetzt bekommt die Debatte neue Nahrung.
- PlayStation entfernt Schritt für Schritt Disc-Kompatibilität.
- Der ehemalige Blizzard-Chef spricht vielen aus der Seele.
- Die Industrie muss nachbessern, bevor das Vertrauen ganz schwindet.
Denn eines ist klar: Wer heute 70 Euro für ein digitales Spiel bezahlt, will morgen noch darauf zugreifen können, ohne Angst, dass der Zugang plötzlich gesperrt ist.
Verkaufszahlen und wirtschaftlicher Druck
Die PS5 Digital Edition kostete 2020 399 Euro, 100 Euro weniger als die Disc-Version. Bis Mai 2024 verkaufte Sony über 59 Millionen PS5-Konsolen, Schätzungen zufolge entfielen 20 bis 30 Prozent auf die Digital Edition. Laut Sony-Geschäftsbericht 2023 wurden 71 Prozent aller Spiele digital verkauft. In Europa lag der Anteil bei 79 Prozent. Reine Digitalkonsolen senken Herstellungskosten und fördern den Shop-Bindungseffekt. Doch wenn Sony die Disc komplett streicht, entfällt die physische Alternative.
Ein Appell an die Verantwortung
Die Forderung nach einem digitalen Versprechen ist kein Technik-Problem. Es ist eine Frage des guten Willens. Sony und andere könnten mit einer Garantieerklärung die Gemüter beruhigen. Die EU-Kommission prüft derzeit eine Verbraucherschutzrichtlinie für digitale Güter.