Künstlerischer Anspruch, harte Landung
Das Entwicklerstudio ZA/UM, bekannt für das gefeierte Disco Elysium, hat 32 Mitarbeiter entlassen.
Grund dafür ist die „enttäuschende kommerzielle Performance“ des zuletzt veröffentlichten Rollenspiels. In einer Mitteilung an die Belegschaft heißt es: „Unsere künstlerischen Standards bleiben unverändert. Wir werden weitermachen“ („We will persist“).
Die turbulente Geschichte des Studios
ZA/UM wurde 2016 in Estland gegründet. Die Gründer Robert Kurvitz, Aleksander Rostov und Kaur Kender kamen aus der Literaturszene, nicht aus der Spieleindustrie. Ihr Debüt Disco Elysium entstand über vier Jahre mit einem kleinen Team und fast ohne Budget. Der Überraschungserfolg 2019 brachte zahlreiche Auszeichnungen und Millionenverkäufe.
Nach dem Erfolg kam es zu internen Konflikten. 2022 wurde Kurvitz aus dem Unternehmen gedrängt, Rostov folgte. Beide verklagten ZA/UM auf Rückgabe ihrer Anteile. Der chinesische Publisher NetEase hatte zuvor eine Beteiligung erworben und drängte auf profitablere Projekte. Die Entlassungen sind der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung.
Das jüngste RPG, kein kommerzieller Hit
- Das genaue Spiel wird im Statement nicht namentlich genannt.
- Es handelte sich um das erste größere Projekt seit dem Überraschungserfolg Disco Elysium.
- Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück, trotz hoher Kritikerwertungen.
ZA/UM hatte sich mit seinem Debüt 2019 einen Ruf für literarische Tiefe und unkonventionelle Mechaniken erarbeitet. Der Nachfolger oder das Spin-Off konnte daran kommerziell nicht anknüpfen.
Keine Abstriche bei der Vision
Das Studio betont, dass die Entlassungen nicht mit einer Verwässerung der kreativen Ausrichtung einhergehen.
- „Unsere künstlerischen Standards bleiben unverändert“, dieser Satz steht im Zentrum der internen Kommunikation.
- Die verbleibende Mannschaft soll weiterhin an ambitionierten, erzählerisch dichten Projekten arbeiten.
Für viele Fans der Marke ist das ein Hoffnungsschimmer: ZA/UM will nicht auf sicherere, massentauglichere Formate umschwenken.
Branchenkontext: Der schwierige Markt für narrative Rollenspiele
Disco Elysium verkaufte sich bis 2022 über eine Million Mal und gilt als kommerzieller Erfolg. Doch ähnlich ambitionierte Projekte wie Torment: Tides of Numenera (2017) oder Pillars of Eternity II: Deadfire (2018) floppten trotz guter Kritiken. Das Problem: Hohe Produktionskosten für textlastige Spiele treffen auf eine begrenzte Zielgruppe.
ZA/UM stand mit dem neuen Titel vor der gleichen Herausforderung. Die Entwicklungskosten waren gestiegen, die Erwartungen der Investoren hoch. Als die Verkaufszahlen hinter den Prognosen blieben, folgte der Personalabbau. Das Muster wiederholt sich bei mehreren Indie-Studios, die nach einem Hit expandierten und dann schrumpfen mussten.
Schrumpfkur ohne Stilbruch
- 32 Entlassungen bedeuten einen deutlichen Personalabbau bei einem Studio, das zuvor auf rund 100 Mitarbeiter geschätzt wurde.
- Die Produktionskapazitäten werden sinken, aber die Ausrichtung bleibt erhalten.
Ob das wirtschaftlich tragfähig ist, wird sich zeigen. ZA/UM setzt weiter auf hohe Kunst, und hofft, dass das Publikum dafür auch in Zukunft zahlt.
Was bleibt: Ein geschrumpftes Team mit ungewisser Zukunft
Die verbliebenen 68 Mitarbeiter arbeiten an nicht näher genannten Projekten. Gerüchte über ein Disco Elysium 2 wurden nie offiziell bestätigt. Der Rechtsstreit mit den Gründern ist noch nicht abgeschlossen. Sollte ZA/UM die Klage verlieren, könnte das Studio seine wertvollsten Assets einbüßen.
Das letzte veröffentlichte Spiel, ein noch unbetiteltes Rollenspiel, erzielte auf Metacritic einen Wert von 86, aber laut Analysten weniger als 200.000 Verkäufe in den ersten sechs Monaten. Zum Vergleich: Disco Elysium erreichte im selben Zeitraum über eine Million.