Sony dreht der Disc den Hahn zu
Während PlayStation offenbar denkt, dass physische Datenträger ausgedient haben, sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Die Rede von einem "much-discussed physical-media pivot" macht die Runde, und genau dieser Schwenk wirft Fragen auf.
Sony argumentiert, dass die Nachfrage nach Blu-rays und DVDs im Spielebereich massiv eingebrochen sei. Digitalvertrieb und Abo-Dienste wie PlayStation Plus stehen im Fokus, die Disc wird zur Nische erklärt.
Sony setzte 1994 mit der ersten PlayStation auf CD-ROM, ein Bruch mit Nintendos Cartridge-Modell. Diese Entscheidung senkte Produktionskosten und vergrößerte Speicherkapazität. 2023 lag der digitale Anteil am Spieleumsatz bei 67% (Sony-Geschäftsbericht FY2023). Die PS5 Digital Edition ohne Laufwerk macht mittlerweile rund 30% des PS5-Absatzes aus. Microsofts Xbox Series S hat ebenfalls kein Laufwerk, Nintendo hält an Cartridges fest.
Gen Z kauft CDs, und zwar massiv
Doch parallel dazu verzeichnen Musik-CDs in den USA einen überraschenden Zuwachs. Ein Plus von 16 Prozent, angetrieben durch die junge Generation Z.
- Gen Z entdeckt physische Tonträger als Kultobjekt und Sammlerstück.
- Plattenläden melden steigende Nachfrage, limitierte Editionen sind oft binnen Stunden vergriffen.
- Der Trend widerspricht der These, dass "niemand mehr Discs will".
Laut RIAA-Jahresbericht 2023 stiegen die CD-Einnahmen in den USA auf 537 Millionen Dollar. Gen Z sorgt für 45% dieser Käufe. Künstler wie Taylor Swift oder Olivia Rodrigo bringen CDs mit exklusiven Inhalten wie Postern oder Autogrammkarten heraus. Der Trend erinnert an das Vinyl-Revival, das seit 2006 jährlich zulegt, 2023 um 10% auf 1,4 Milliarden Dollar.
Ein Widerspruch, den Sony erklären müsste
Natürlich sind Spiele-Discs und Musik-CDs nicht identisch. Aber das Nutzerverhalten zeigt: Physische Medien sind nicht tot, sie wechseln nur das Medium und die Zielgruppe.
- PlayStation setzt auf Downloads und Streaming, und spart sich Druck- und Logistikkosten.
- Die Musikindustrie dagegen profitiert von einem Retro-Kult, den auch Vinyl längst erlebt hat.
Ein technischer Unterschied: Spiele-Discs auf PS4 und PS5 sind oft reine Installationsmedien, selbst nach Einlegen der Disc müssen Updates geladen werden. Musik-CDs sind abspielfertig. Dennoch: Limited Run Games verkauft seit 2015 physische Editionen von Digitaltiteln und hat über 6 Millionen Einheiten abgesetzt. Das zeigt eine Nische, aber keine Massennachfrage.
Was bleibt, ist ein Glaubenskrieg
Sony hat sich klar positioniert: reine Digital-Zukunft, die Disc wird zum Auslaufmodell erklärt. Doch wenn Gen Z mit 16 Prozent Plus für CDs sorgt, stellt sich die Frage: Ist die Spielebranche zu voreilig?
Vielleicht braucht es einfach das richtige Produkt, eine Special-Edition auf Disc, die man anfassen, ins Regal stellen und weitergeben kann. Die junge Generation zeigt, dass sie dafür bereit ist. Nur ob PlayStation darauf hört, bleibt abzuwarten.
2023 lagen die CD-Einnahmen in den USA bei 537 Millionen Dollar, das ist mehr als doppelt so viel wie der Tiefststand von 2015 (229 Millionen Dollar). Ein Trend, der Sonys Digital-Only-Strategie zumindest für den Musikmarkt in Frage stellt.