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Duel of Meloch im Test: Wenn zwei Brettspiel-Ikonen kollidieren
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Duel of Meloch im Test: Wenn zwei Brettspiel-Ikonen kollidieren

Scythe trifft auf Expeditions in einem kühnen Strategiespiel-Experiment, das erfahrene Taktiker fordert, aber Einsteigern kaum Halt bietet. Unsere Eindrücke.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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Zwei Giganten, ein Tisch

Duel of Meloch ist ein Hybrid, der die bekannten Mechanismen zweier renommierter Brettspiele zu einer neuen Einheit verschraubt. Wir haben das Spiel bereits ausprobieren können und waren von der schieren Menge an ineinandergreifenden Regeln beeindruckt. Das Resultat ist ein taktisches Kopfzerbrechen, das sich an ein Publikum richtet, das mit beiden Vorlagen bestens vertraut ist.

  • Scythe liefert die Grundlage für Gebietskontrolle und Ressourcenwirtschaft.
  • Expeditions steuert das Kartendeck-System und die heldenbasierte Erkundung bei.
  • Die Kombination erzeugt eine ungeheure Dichte an Entscheidungsoptionen pro Zug.
  • Das Regelwerk verlangt von Spielern, mehrere strategische Ebenen gleichzeitig zu überwachen.

Einsteiger aufgepasst: Hier hilft nur Lernbereitschaft

Die ersten Partien fühlen sich weniger nach einem Einstieg an, sondern nach einer Prüfung. Schon die Grundzüge setzen voraus, dass man die Eigenheiten beider Systeme verinnerlicht hat. Wer Scythe nur vom Hörensagen kennt, dürfte nach der Lektüre des Regelhefts ziemlich ratlos zurückbleiben. Die Spielhilfen klären zwar die Regelfragen, aber die Feinheiten der Interaktion zwischen den beiden Systemen muss man sich selbst erschließen.

  • Für Neulinge fehlt ein brauchbares Tutorial oder ein konkretes Einführungsszenario.
  • Erfahrene Taktiker werden die tiefe Komplexität zu schätzen wissen.
  • Die Partielänge ist mit drei bis vier Stunden nicht gerade einsteigerfreundlich.
  • Wer bereit ist, zwei Abende zu opfern, wird mit einem ungewöhnlichen Erlebnis belohnt.

Die Vorlagen: Meisterwerke mit eigenem Anspruch

Scythe erschien 2016 und etablierte sich schnell als ein Meilenstein im Bereich der alternativen Geschichtsschreibung und Ressourcenverwaltung. Das Spiel von Stonemaier Games kombiniert Worker Placement mit Eroberungszügen in einer düsteren, osteuropäischen Zwanzigerjahre-Fantasie. Expeditions, ebenfalls von Stonemaier Games, spielt rund 70 Jahre nach den Ereignissen von Scythe und führt ein Kartenmechanik-System mit Heldinnen und Helden ein, das den Fokus stärker auf individuelle Fähigkeiten legt.

  • Scythe wurde mit dutzenden Preisen ausgezeichnet und gilt als eines der meistgespielten Strategiespiele seiner Generation.
  • Expeditions setzt auf ein dynamischeres Aktionssystem und weniger auf statische Gebietskontrollen.
  • Beide Titel haben eine treue Fangemeinde, die nun durch Duel of Meloch gleichermaßen angesprochen wird.
  • Der Entwickler des neuen Hybrids ist ein kleines Indie-Studio, das bisher nur unauffällige Kartenspiele veröffentlicht hat.

Ein Experiment mit Mut zur Lücke

Das Prinzip von Duel of Meloch ist einfach beschrieben: Die Kern-Mechaniken Scythes werden auf den Aktions- und Bewegungsteil von Expeditions übertragen. Dadurch entstehen taktische Situationen, die in keinem der Einzelspiele möglich wären. Gegnerische Gebiete zu überrennen erfordert nun die richtige Kartenhand, während die Produktion von Rohstoffen nicht mehr nur auf festen Feldern passiert, sondern durch ausgespielte Charakterkarten modifiziert wird. Diese Verschränkung führt zu erstaunlich kreativen, aber auch sehr fordernden Spielzügen.

  • Das Aktionssystem erinnert an ein Rondo, bei dem Spieler alle verfügbaren Aktionen einmal nutzen müssen.
  • Die Karteneffekte können zu endlosen Kettenreaktionen führen, was in einer gigantischen Punkteexplosion endet.
  • Eine Partie erfordert die volle Aufmerksamkeit aller Beteiligten, ein einzelnes Übersehen kann sämtliche Pläne zunichtemachen.
  • Das Spiel belohnt geradezu erbarmungslos, wer die versteckten Synergien zwischen den Kartentexten entdeckt.

Der Grat zwischen Genie und Überforderung

Es ist beeindruckend, wie stimmig die beiden grundverschiedenen Spielwelten miteinander verzahnt wurden. Wer einmal die Logik verinnerlicht hat, entdeckt eine Fülle an cleveren Kombinationsmöglichkeiten. Die rote Linie ist allerdings dünn: Bei jeder Partie muss eine Gruppe von Spielern annähernd gleich viel Erfahrung mitbringen, sonst wird das Spiel zum reinen Glücksspiel. Das eigene Können sticht dann nicht mehr durch, sondern die Fehler der Gegner werden ausgenutzt.

  • Für erfahrene Gruppen entfaltet sich eine taktische Tiefe, die ihresgleichen sucht.
  • Ein falsch gelegter Marker oder eine übersehene Kartenverstärkung können den Zug völlig zerstören.
  • Glück spielt eine untergeordnete Rolle, aber die kognitive Last ist enorm hoch.
  • Nach vier Stunden bleibt nur selten das Gefühl, alle Optionen ausgeschöpft zu haben.

Der Kontext: Warum solche Crossover entstehen

Strategische Brettspiele haben in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt, der immer mehr experimentelle Mischformen hervorbringt. Nicht selten greifen Entwickler auf etablierte Marken zurück, um eine neue Generation von Taktikern zu erreichen. Duel of Meloch steht in dieser Reihe mutiger Projekte, die versuchen, die Erwartungen an ein Strategiespiel neu zu definieren. Die ersten Reaktionen aus der Hardcore-Community zeigen Begeisterung, aber auch Bedenken wegen der unzugänglichen Regeln.

Im Vergleich zu anderen Hybriden setzt dieses Spiel auf die Reibung zweier ungleicher Systeme, anstatt sie zu vereinfachen. Das ist kommerziell riskant, denn die Zielgruppe bleibt zwangsläufig überschaubar. Falls sich das Konzept durchsetzt, könnte es jedoch eine Blaupause für weitere solche Kreuzungen bieten. Die Frage ist, ob Publisher und Spielerinnen gleichermaßen die Geduld für solche Experimente aufbringen.

Nach drei Partien bleibt Respekt

Nach mehreren Durchgängen mit unterschiedlichen Gruppen wächst der Respekt vor dem Design, auch wenn die ersten Partien von Frustration geprägt waren. Das Spiel verlangt absolute Hingabe und ein Verständnis für beide Vorlagen. Wer bereit ist, dieses Wagnis einzugehen, findet ein Strategiespiel, das keine Kompromisse eingeht. Duel of Meloch wird niemanden halbherzig interessieren: Man liebt es oder man flucht über den Tisch hinweg auf die Regeln.

Die wichtigste Erkenntnis lautet: Hier wird das Genre nicht verwässert, sondern extrem verdichtet. Das ist gleichzeitig die größte Stärke und die größte Schwäche des Spiels. Gruppen, die bereits stundenlang in Scythe oder Expeditions versunken sind, sollten Duel of Meloch unbedingt eine Chance geben. Alle anderen sollten wissen, dass der Einstieg einem Marathon gleicht, bei dem jeder Schritt zählt.

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