Neue Hoffnung für Klassiker
Die Embracer Group beginnt offiziell mit der Vergabe externer Lizenzen für Marken wie Deus Ex, Saints Row, TimeSplitters und Thief. Nach einer Phase der massiven Unternehmensaufspaltung in Konzerne wie Asmodee, Coffee Stain & Friends und Middle-earth Enterprises sucht Embracer nun Wege, ungenutzte Marken in der Bilanz zu monetarisieren.
Diese Marken verbrachten Jahre in der Warteschleife:
- Deus Ex: Stillstand seit dem Release von Deus Ex: Mankind Divided im Jahr 2016.
- TimeSplitters: Keine neue Veröffentlichung seit TimeSplitters: Future Perfect (2005).
- Thief: Die Serie liegt seit dem Reboot von 2014 brach.
Externe Studios am Ruder
Die Lizenzierung öffnet den Zugriff für unabhängige Entwickler, die keine eigene IP besitzen oder Nischenprojekte finanzieren wollen. Embracer fungiert hierbei als Lizenzgeber, während das wirtschaftliche Risiko für Produktion und Marketing bei den externen Partnern liegt.
Dieses Modell folgt dem Vorbild erfolgreicher Kooperationen anderer Publisher:
- Der schwedische Publisher Dotemu belebte mit Streets of Rage 4 (2020) Lizenzen von SEGA wieder.
- Nightdive Studios spezialisierte sich auf Remaster alter Klassiker wie System Shock, anstatt neue interne Teams aufzubauen.
- Fans erwarten durch externe Partner oft eine höhere Werktreue als bei internen Großprojekten unter hohem Zeitdruck.
Hintergründe der Entscheidung
Embracer verzeichnete nach einer aggressiven Akquisitionsstrategie zwischen 2020 und 2022 erhebliche Schuldenlasten. Die Schließung zahlreicher interner Studios, darunter Eidos Montréal, führte dazu, dass Projekte wie ein geplantes Deus Ex-Spiel gestoppt wurden.
Die Bilanzkorrektur erzwingt nun diesen Strategiewechsel:
- Reduzierung der "Carrying Costs" für brachliegende Markenrechte.
- Generierung von Lizenzgebühren statt hoher Entwicklungsinvestitionen.
- Konzentration der verbliebenen eigenen Teams auf die Kernmarken Tomb Raider und Der Herr der Ringe.
Ein Blick zurück
Die Marke TimeSplitters entstand einst bei Free Radical Design, gegründet von ehemaligen GoldenEye 007-Entwicklern bei Rare. Das Studio wurde 2009 von Crytek übernommen und später als Crytek UK integriert, bevor die Rechte schließlich bei Deep Silver und später Embracer landeten.
Die Historie der betroffenen Marken zeigt die Schwierigkeiten bei der internen Verwaltung:
- Deus Ex wurde durch das Studio Ion Storm (unter Warren Spector) berühmt, bevor Eidos Montréal das Franchise mit Human Revolution (2011) neu ausrichtete.
- Thief war das Aushängeschild von Looking Glass Studios, deren technisches Design (wie die Sound-Propagierung in Thief: The Dark Project) heutige Schleichspiele prägt.
- Die Saints Row-Serie, einst als Grand Theft Auto-Klon gestartet, verlor mit dem 2022er Reboot finanziell an Boden, was zur Schließung von Volition führte.
Branchenkontext und Vergleichswerte
Die Vergabe von Lizenzen an externe Häuser existiert seit Jahrzehnten, gewinnt aber durch die Konsolidierung der großen Publisher an Bedeutung. Publisher wie Electronic Arts lizenzierten früher Marken für Handheld-Umsetzungen an spezialisierte Studios, heute bilden diese Partnerschaften das Rückgrat für Indie-orientierte Fortsetzungen.
Vergleichbare Lizenzierungsbeispiele:
- Konami überließ die Silent Hill-Reihe externen Teams wie Bloober Team oder No Code, um die Serie ohne eigene Kapazitäten zurückzubringen.
- Ubisoft vergab Lizenzen für Mario + Rabbids an Nintendo, was eine wirtschaftliche Absicherung für Nischenkonzepte darstellt.
Die Entscheidung von Embracer markiert den Übergang von einem klassischen Publisher hin zu einem IP-Holding-Unternehmen. Die Verhandlungen mit Partnern entscheiden nun darüber, ob ein TimeSplitters-Titel lediglich eine Portierung oder eine inhaltliche Neuausrichtung erfährt. Während Investoren auf stabile Einnahmen durch die Lizenzgebühren setzen, bleibt für Fans die Frage, ob die ursprüngliche Design-Philosophie der Titel in fremden Händen Bestand hat. Der Erfolg hängt von der Qualität der externen Entwickler ab, die den Zugriff auf diese Marken erhalten.