Der plötzliche Kahlschlag bei Epic
Im September 2023 kündigte Epic Games die Entlassung von 830 Mitarbeitern an, was etwa 16 Prozent der gesamten Belegschaft entsprach. Viele Angestellte erfuhren erst durch eine interne E-Mail von ihrem sofortigen Arbeitsplatzverlust.
Die Betroffenen berichten nun, dass die Kommunikation des Managements zuvor kaum auf die finanzielle Schieflage hindeutete. Trotz erfolgreicher Marken wie Fortnite kam die Nachricht für die Belegschaft völlig unerwartet.
Epic Games wurde 1991 von Tim Sweeney als Potomac Computer Systems gegründet und erlangte Bekanntheit durch den Shareware-Hit ZZT. Später definierte das Unternehmen mit Unreal und der gleichnamigen Engine die technische Basis für zahllose Spiele der Industrie.
Die Stimmung hinter den Kulissen
Ehemalige Angestellte beschreiben den Prozess als kalte Dusche. Signale für eine Krise waren für die breite Belegschaft kaum erkennbar.
- Viele Teams arbeiteten regulär an ihren Projekten.
- Interne Quartalszahlen wurden kaum mit der Belegschaft geteilt.
- Die Angst vor weiteren Sparmaßnahmen verbreitete sich nach der Ankündigung rasend schnell.
Das Unternehmen durchlief in den vergangenen Jahren eine massive Expansion, auch durch den Zukauf von Studios wie Psyonix (Entwickler von Rocket League) im Jahr 2019. Die Integration verlief in vielen Bereichen schleppend, was zu einer administrativen Überlastung führte. Interne Berichte deuten darauf hin, dass die Kosten für den Betrieb der Unreal Engine und die aggressiven Akquise-Strategien im Epic Games Store die Reserven schneller aufzehrten als geplant.
Unklares Bild der Firmensituation
Einige Entwickler äußerten sich gegenüber Medien wie PCGamer und betonen die mangelnde Vorwarnung. Die Erkenntnis über die sinkenden Umsätze war bei den meisten Mitarbeitern nur als vage Vermutung vorhanden.
- Das Management verwies auf zu hohe Kostenstrukturen.
- Die Abhängigkeit von Fortnite als primäre Einnahmequelle scheint problematisch.
- Investitionen in die Unreal Engine und den Epic Games Store belasteten das Budget massiv.
Die finanzielle Strategie stützte sich lange Zeit auf den Erfolg von Fortnite, das seit seinem Start 2017 Milliarden einbrachte. Der Übergang zum Metaverse-Konzept, bei dem Epic viel Kapital verbrannte, erwies sich bisher als kaum profitabel. Im Vergleich dazu erzielte Unreal Engine 5 zwar hohe Lizenzgebühren, doch die Entwicklungskosten für die Technologie überstiegen die direkten Einnahmen bei weitem.
Die Folgen für die Arbeitskultur
Das Vertrauen in die Führungsebene von Epic Games ist bei vielen ehemaligen Kräften beschädigt. Transparenz stand bei den Entscheidungen zur Personalkürzung nicht an erster Stelle.
Die Kündigungswelle betraf diverse Abteilungen im Unternehmen. Auch Bereiche, die für den Support der Unreal Engine zuständig waren, mussten Personal abgeben.
Der Abbau traf unter anderem Mediatonic, die Schöpfer von Fall Guys, das 2021 von Epic übernommen wurde. Auch das Team hinter Bandcamp, das ebenfalls zu Epic gehörte, wurde im Zuge der Umstrukturierungen stark reduziert oder verkauft. Die Branche beobachtet gespannt, wie sich der Kurs des Unternehmens unter Tim Sweeney weiterentwickelt, da Epic zuletzt wieder verstärkt auf externe Investitionen angewiesen war. Im Januar 2024 etwa investierte Disney 1,5 Milliarden Dollar in den Konzern, um eine gemeinsame Spiele- und Unterhaltungswelt auf Basis von Fortnite zu bauen.