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Exodus angespielt: Wie Mass Effect, doch Entscheidungen hallen Jahrzehnte nach
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Exodus angespielt: Wie Mass Effect, doch Entscheidungen hallen Jahrzehnte nach

Unser Hands-on zu Exodus erklärt, wie das Sci-Fi-Rollenspiel Mass-Effect-Gefühl mit Zeitdilatation und langfristigen Konsequenzen verbindet.

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Tommes Parzl
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Ersteindruck: Mass Effect ist die Messlatte

Exodus setzt beim Anspielen sofort auf vertrautes Terrain: ein heldenhaftes Crew-Gefühl, dialoglastige Begegnungen und eine Bedrohung, die das Universum ins Wanken bringt. Der Vergleich zu Mass Effect liegt buchstäblich auf der Hand, denn schon die Kameraführung und die Gesprächsrad-Optik wirken wie eine liebevolle Hommage. Allerdings wäre es unfair, Exodus als bloßen Abklatsch abzutun, denn die Grundmechanik basiert auf einer cleveren Erweiterung der Formel.

Die eigentliche Sensation zeigt sich nicht in Schusswechseln oder Erkundung, sondern in der Zeitwahrnehmung. Während Raumschiffe zwischen Sternensystemen reisen, vergehen für die Besatzung nur Wochen, für den Rest der Galaxie aber Jahre oder Jahrzehnte. Daraus entsteht ein roter Faden für die ganze Handlung.

Was wir im Hands-on erlebt haben

  • Begleiter mit eigener Agenda, die auf frühere Entscheidungen reagieren
  • Eine Auswahl an Dialogen, die teils erst viel später aufgelöst werden
  • Schießereien mit taktischem Fokus, angelehnt an klassische Third-Person-Shooter
  • Interaktion mit einer Raumstation, die im Verlauf der Reise altert
  • Ein System von Langzeit-Effekten, das im Standard-RPG so nicht existiert

Die Anspiel-Session dauerte rund zwei Stunden und präsentierte eine frühe Mission mit einem dichten Erzählkern. Im Gegensatz zu vielen Genrevertretern, die schnelle Konsequenzen bevorzugen, zwingt Exodus den Spieler, mit Ungewissheit zu leben. Einmal getroffene Entscheidungen lassen sich nicht per Schnellladen zurücknehmen, sondern entfalten sich über die Spieldauer von 20 bis 30 Stunden.

Zeitdilatation: Das Herzstück des Spiels

Die Reise mit Überlichtgeschwindigkeit spaltet die Erlebniswelt in zwei Ebenen: die persönliche Zeit des Helden und die weltliche Entwicklung der Nebenfiguren. Wenn man einen Auftrag annimmt, der im Nachbarsternsystem binnen eines Erdjahres erledigt sein muss, kann man alternativ einen Umweg nehmen, der drei Jahre kostet. Das führt zu Konflikten zwischen Effizienz, Moral und Selbstinteresse.

Noch spannender wird es, wenn man eine Fraktion unterstützt, während man woanders einen Gegner trägt. Die Entwickler sprechen von einer Simulation der politischen Folgen, die bis zum Spielende relevant bleiben. In unserem Test führte eine scheinbar harmlose Entscheidung dazu, dass ein Händlerbund zwanzig Jahre später die Kontrolle über einen wichtigen Handelsweg übernahm.

Begleiter als Zeitzeugen

  • Charaktere altern sichtbar, wenn man sie über Jahrzehnte begleitet
  • Einige Begleiter können sterben und fehlen in späteren Episoden komplett
  • Kinder von Begleitern übernehmen gelegentlich deren Rolle
  • Die Loyalität hängt von vergangenen Ereignissen ab, die man selbst ausgelöst hat

Die Crew ist nicht nur eine Ansammlung von Kampfhilfen, sondern ein lebendiges Ökosystem. Ein junger Techniker, der zu Beginn arrogant wirkt, kann im späteren Verlauf zu einem weisen Mentor werden, wenn man ihm bestimmte Aufgaben überlässt. Das erzeugt eine emotionale Bindung, die in derart konzentrierter Form selten ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass man nicht alle Begleiter gleichzeitig auf Missionen schicken kann. Jede Entscheidung, wen man mitnimmt, beeinflusst die verfügbaren Optionen bei späteren Ereignissen. Ob das alles gewollt oder ungesteuert wirkt, können wir nach der Anspielphase noch nicht abschließend beurteilen.

Langfristige Entscheidungen: Jahrzehntelange Konsequenzen

Der Clou von Exodus zeigt sich in einer integrierten Zeitleiste, die alle relevanten Entscheidungen protokolliert. So kann man nachvollziehen, welche Ausweitung eine diplomatische Aktion nach sich zog. In einer Szene des Hands-on galt es, einen Flottenstützpunkt zu liefern oder zurückzuhalten. Die Entscheidung wirkte sich erst etwa acht Spielstunden später aus, als feindliche Schiffe einen anderen Angriff fuhren.

Das Prinzip der „verzögerten Bestrafung“ könnte für viele Spieler ernüchternd sein, denn die Entwickler verbieten das einfache Nachladen bei Konsequenzen. Stattdessen muss man mit einem Zustand leben, der eine alternative Durchspielung schlicht wertvoller macht. Das ist mutig, denn es erhöht den Wiederspielwert auf eine sehr natürliche Art.

Die Frage ist, ob das System in der finalen Fassung genügend Transparenz bietet. Unser Vorabstand zeigt keine Panels mit Prozentangaben, sondern nur vage Hinweise auf Zeitspannen. Das mag Absicht sein, um die Spannung zu bewahren, aber es birgt auch Frustpotenzial.

Einordnung in die Sci-Fi-Geschichte

Mass Effect 2 etablierte das Prinzip der loyalen Begleiter, die auf Entscheidungen reagieren, Exodus erweitert das um die Komponente der realen Zeitverschiebung. Auch Starfield spielte mit relativer Zeit bei Schnellreisen, blieb aber oberflächlich. Exodus wagt den nächsten Schritt, indem es die Zeit selbst zur Erzählerin macht.

Bemerkenswert ist die Konsequenz, mit der die Entwickler auf Episoden strukturierte Nebenquests setzen. Viele Nebenaufgaben haben eine eigene Zeitleiste, die man verpassen kann, wenn man zu lange zögert. Das erinnert an klassische Rollenspiele mit Tick-Systemen, etwa aus älteren PC-Titeln, aber hier wird es in eine moderne Science-Fiction-Welt gegossen.

Die Mischung aus bedrohlicher Atmosphäre und persönlicher Geschichte erinnert an die besten Stunden von Mass Effect 3, zeigt aber eine eigene Identität. Gerade die ruhigen Gespräche zwischen den Missionen tragen den emotionalen Kern der Story.

Was das für Spieler bedeutet

  • Wer Entscheidungen spannend findet, bekommt ein Paradies
  • Komplettisten müssen mehrere Durchläufe einplanen, weil nicht alle Optionen offen sind
  • Die Demoversion ließ uns mit einem Cliffhanger zurück, der Neugier weckt
  • Der Umfang könnte auf 40 bis 60 Stunden ausgelegt sein, je nach Reisetempo

Exodus verlangt Geduld und die Bereitschaft, sich auf ein ungewisses Abenteuer einzulassen. Technisch liefen die gezeigten Szenen flüssig, mit stimmungsvollem Licht und detailreichen Gesichtern. Die Soundkulisse unterstützte die Melancholie, die aus dem Zeitverlust entsteht.

Besonders lobenswert ist die Darstellung des Alterns: Charaktere bekommen graue Haare, Falten und veränderte Stimmen, sobald mehrere Jahre in der Welt vergehen. Das verstärkt das Gefühl, dass keine Handlung folgenlos bleibt.

Konkrete Beobachtungen aus der Anspielphase

Eine Kleinstadt auf einem Eisplaneten zeigte später verwilderte Gebäude, weil wir drei Jahre zuvor eine Forschungsstation nicht ausgebaut hatten. Die Welt fühlte sich lebendig an, denn sie veränderte sich unabhängig vom Spielerfortschritt. Ein Konkurrent übernahm eine Werft, weil wir diesen Auftrag ignoriert hatten, das wurde nur kommentiert, ohne großes Federlesen.

Diese Fallen sind gut integriert und erscheinen nicht wie schlichte Strafe. Sie wirken eher wie eine natürliche Folge der Handlungen, was das Rollenspielgefühl enorm boostet. Wir sind gespannt, ob das Entwicklerteam die Balance zwischen Überforderung und Motivation in der Vollversion halten kann.

Es bleibt festzuhalten, dass Exodus die Formel von Mass Effect nicht nur kopiert, sondern eine eigene Ebene ergänzt. Die beste Idee zeigt sich tatsächlich erst nach Jahrzehnten der Spielzeit, genau das letzte Drittel der Kampagne dürfte zum emotionalen Höhepunkt werden. Ein Termin steht noch nicht fest, aber ein Blick auf den offiziellen Trailer lohnt sich bereits jetzt.

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