Schwere Zeiten für PC-Bauer
Die nächste Preisschock-Welle rollt auf den PC-Markt zu: Laut Brancheninformationen sind die Kosten für Komponenten, die in Mainboards verbaut werden, um bis zu 50 Prozent gestiegen. Hersteller von Hauptplatinen werden diese Kosten nicht schlucken können, sondern die Mehrpreise an Händler und Verbraucher weiterreichen. Ein Ende der Verteuerung ist nicht in Sicht, denn die Angebotsengpässe bei Rohstoffen und Halbleitern halten an.
Was genau wird teurer?
- Mehrlagen-Leiterplatten (PCBs): Die Basisträger der Boards bestehen aus Glasfaser und Kupfer, der Preis des Industriemetalls hat sich in den letzten Monaten drastisch erhöht.
- Kondensatoren und Spannungswandler (MOSFETs): Für stabile Stromversorgung von CPU und RAM werden hochwertige Bauteile benötigt, deren Fertigung zunehmend Energie und seltene Erden verbraucht.
- Onboard-Chips für Netzwerk und Audio: Auch kleine Chips wie LAN-Controller oder Codecs sind von den gestiegenen Wafer- und Testkosten betroffen.
- Chipsätze von AMD und Intel: Die für jede Plattform nötigen Chipsätze werden bei Foundries wie TSMC produziert, deren Auftragsbuch voll ist und deren Preise steigen.
Ein Markt unter Spannung
Die aktuelle Entwicklung fügt sich in eine Reihe von Preisanstiegen ein, die PC-Enthusiasten bereits von Grafikkarten kennen. Während GPUs schon seit Mitte des Jahrzehnts auf einem hohen Preisniveau pendeln und RAM-Preise in Wellen schwanken, galten Mainboards lange als relativ stabile Kostenposition. Das ändert sich nun: Ein Mittelklasse-Board für AM5- oder LGA-1851-Sockel kostete im Jahr 2025 schon um die 200 Euro. Mit den neuen Zuschlägen könnten deutlich über 300 Euro fällig werden, ohne dass die Ausstattung besser geworden wäre.
Die Hersteller in der Zwickmühle
ASUS, MSI, Gigabyte und Biostar stehen vor einem Dilemma: Sie können die Preise nicht unbegrenzt erhöhen, weil Kunden sonst auf Gebrauchtwaren oder alternative Plattformen ausweichen. Gleichzeitig schrumpfen ihre Margen, wenn sie die Mehrkosten selbst tragen. Einige Hersteller setzen auf vereinfachte Designs, die weniger teure Bauteile nutzen. Andere versuchen, Preissenkungen bei anderen Komponenten zu verhandeln. Diese Strategien wirken sich aber erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten aus, da laufende Lieferverträge bestehen.
Was bedeutet das für Spieler?
- System-Budget ausweiten: Wer einen neuen PC plant, muss für das Board deutlich mehr einplanen als früher.
- Leistungsnahe Plattformen wählen: Ältere Chipsätze wie AM4 oder Intel B660 basierte Boards werden noch günstiger, wenn die Nachfrage sinkt.
- Upgrade-Zyklen verlängern: Statt alle zwei Jahre zu wechseln, lohnt sich ein längerer Zeitraum zwischen den Umbauten.
- Gebrauchtmarkt beobachten: Viele Verkäufer entrümpeln nach dem Umstieg auf DDR5 vorhandene DDR4-Boards zu fairen Preisen.
Alternativen zur Preisfalle
Wer jetzt ein neues Mainboard benötigt, sollte nicht in Panik verfallen, sondern gezielt nach Sonderangeboten Ausschau halten. Online-Händler verkaufen oft Restbestände von vorherigen Generationen mit Rabatt, weil sie ihre Lager leeren müssen. Auch Discounter wie Mindfactory oder Computeruniverse haben regelmäßig Angebote, die die Preiserhöhung vorübergehend kompensieren. Dazu kommt: Der Gebrauchtmarkt ist gut gefüllt mit Boards, die keine sichtbaren Gebrauchsspuren haben und dennoch 30 bis 40 Prozent unter dem Neupreis notieren.
Ein weiterer Punkt ist die Energieeffizienz: Neuere Mainboards bieten oft bessere Spannungsregler, aber ältere Modelle mit solidem VRM-Design können für viele CPUs weiterhin ausreichen. Ein Ryzen 7 5800X3D oder ein Core i5-13500 finden auch auf einem B550- oder B760-Board ein stabiles Zuhause. Der Verzicht auf PCIe 5.0 oder Wi-Fi 7 schmerzt nur in wenigen Fällen, spart aber bares Geld.
Zeit für einen Strategiewechsel
Die Komponentenkrise hat nicht nur Mainboards erfasst, sondern zeigt grundsätzlich die Verletzlichkeit einer Industrie, die von einigen wenigen Zulieferern abhängig ist. PC-Gamer sind bereits die höchsten Strom- und Grafikpreise gewohnt, nun kommen größere Rechnungen beim Board dazu. Statt auf das neueste High-End-Modell zu setzen, rücken solide Mittelklasse-Boards für 150 bis 180 Euro in den Fokus der Vernunft. Diese bieten all das, was für 1440p oder WQHD-Gaming erforderlich ist, und überleben mehrere CPU-Generationen.
Die Produktionskapazitäten für die betroffenen Bauteile auszuweiten, dauert mindestens zwei Jahre. Eine schnelle Entspannung ist daher nicht zu erwarten. Der kluge Einkäufer kauft jetzt ein neues Board, wenn er eines braucht, und kauft dann bewusst eine Stufe unter der Top-End-Klasse. Das Federn lässt die Branche spüren: Die Preise für alle PC-Komponenten steigen in diesem Herbst so stark wie nie zuvor seit dem RAM-Desaster von 2018. Die Entscheidung, was man wirklich benötigt, wird bei diesem Preisdruck zur Frage des Geldbeutels.