Miyazaki nimmt Stellung zu den Gerüchten
Hidetaka Miyazaki, der Schöpfer von Dark Souls und Elden Ring, hat sich in einem Interview mit The Guardian erstmals öffentlich zu den seit Jahren kursierenden Spekulationen über einen angeblichen Fuß-Fetisch geäußert. Der japanische Entwickler reagierte damit auf eine Frage zu den auffällig vielen Hand- und Fußdarstellungen in seinem kommenden Action-Rollenspiel The Duskbloods. „Es ist nicht etwas, dessen ich mir ständig bewusst bin, vielleicht kommt es unbewusst durch“, erklärte er. „Wenn man online schaut, gibt es das Gerücht, dass ich eine Vorliebe für Füße habe, aber ich weiß ehrlich nicht, woher das kommt.“ Direkt an die Fans gerichtet fügte er hinzu: „Ernsthaft, hört auf, es komisch zu machen.“
Die Beweislast ist erdrückend
Trotz seiner Verwunderung haben aufmerksame Spielerinnen und Spieler über Jahre hinweg eine Menge Belege gesammelt. Die Liste der barfüßigen Frauen in Miyazakis Werk ist lang und erstreckt sich über fast alle seine Titel:
- The Maiden in Black aus Demon’s Souls
- Priscilla, Gwynevere, Sister Friede und Maneater Mildred aus den Dark Souls-Spielen
- Malenia aus Elden Ring, deren „Füße“ allerdings aus Metallprothesen bestehen
- Selbst die Strände in Elden Ring unterscheiden technisch zwischen barfüßigen Charakteren und solchen mit Schuhen
Für viele Fans ist das Muster zu offensichtlich, um Zufall zu sein. Die wiederkehrenden Nahaufnahmen unbekleideter Füße in Zwischensequenzen und Charakterdarstellungen haben unzählige Memes und Forenthreads befeuert.
Miyazakis Erklärung: Menschliche Existenz statt Fetisch
Auf die Frage, was es mit den vielen schuhlosen Frauen auf sich habe, lieferte Miyazaki eine eher vage Antwort. „Ich habe das Gefühl, ich versuche, eine Seite der menschlichen Natur oder der menschlichen Existenz darzustellen, die schwer zu beschreiben ist“, erklärte er im Gespräch. Er betonte jedoch ausdrücklich, dass dies keine Tarantino-Situation sei. Anders als der Filmregisseur, der für seine wiederkehrenden Fußaufnahmen bekannt ist, habe er keine bewusste fetischistische Motivation. Experten der Spieleanalyse sehen in den Darstellungen oft Symbole für Verletzlichkeit oder Ursprünglichkeit, aber Miyazaki selbst lässt diese Deutungen nicht gelten.
Von Demon’s Souls bis Elden Ring: Eine Tradition
Die Fuß-Darstellungen sind keineswegs ein neues Phänomen. Schon in Demon’s Souls aus dem Jahr 2009 trug die rätselhafte Maiden in Black keine Schuhe. In Dark Souls (2011) liefen gleich mehrere Frauen barfuß durch die sterbende Welt Lordran, und Elden Ring setzte diese Tradition mit der Halbgöttin Malenia fort. Bemerkenswert ist: Miyazaki hat in Interviews nie konkrete Design-Dokumente oder Anweisungen an die Charakterkünstler erwähnt, die Barfüßigkeit vorschreiben. Das Muster scheint tatsächlich aus seinem persönlichen ästhetischen Empfinden zu entstehen, ohne dass er sich dessen vollständig bewusst ist.
Nicht der einzige Fuß-Fokus in der Branche
So auffällig die Häufung in FromSoftwares Spielen auch sein mag, andere Titel sind deutlich expliziter. In vielen japanischen Rollenspielen und Visual Novels sind Fuß- und Schuhaufnahmen ein festes Stilmittel, das teils stark sexualisiert wird. Miyazakis Arbeiten wirken im Vergleich fast zurückhaltend, weil die Füße meist nur beiläufig in Charakterporträts oder Rüstungsdesigns auftauchen. Die Diskussion zeigt jedoch, wie genau die Community auf Details achtet: Selbst Kleinigkeiten wie die fehlenden Schuhe einer Nebenfigur können über Jahre hinweg das Bild eines Entwicklers prägen.
FromSoftware: Vom Nischenstudio zum Branchenriesen
FromSoftware wurde 1986 in Tokio gegründet und machte sich zunächst mit der King’s Field-Reihe einen Namen. Der internationale Durchbruch gelang 2009 mit Demon’s Souls, das die Formel aus brutalem Schwierigkeitsgrad und fragmentierter Erzählweise etablierte. Unter Miyazakis Führung als Präsident seit 2014 entstanden Dark Souls, Bloodborne und schließlich Elden Ring, das sich über 20 Millionen Mal verkaufte. Das Studio ist bekannt für seine kryptischen Lore-Fragmente und die Bereitschaft, Spieler herauszufordern, statt sie zu bevormunden. Umso bemerkenswerter ist, dass ausgerechnet ein so zurückhaltender Entwickler wie Miyazaki nun im Zentrum einer solchen Debatte steht.
Warum die Diskussion die Fans nicht loslässt
Die Fuß-Frage ist mehr als ein peinliches Gerücht, sie berührt die grundsätzliche Wahrnehmung von Miyazakis Designphilosophie. Seine Spiele sind voller asymmetrischer Details, die bewusst Interpretationen zulassen. Dass ausgerechnet Füße zu einem Symbol seiner Arbeit geworden sind, zeigt, wie intensiv sich die Community mit jedem Pixel auseinandersetzt. Während andere Entwickler klar kommunizierte Charakterdesigns liefern, lässt Miyazaki bewusst Leerstellen. Diese Offenheit produziert zwangsläufig Spekulationen, und die Fuß-Debatte ist nur das absurdeste Beispiel einer langen Reihe von Fan-Theorien.
Kein Ende der Fuß-Debatte in Sicht
Miyazakis Dementi wird die Gerüchteküche kaum beruhigen. Zu präsent sind die Bilder der barfüßigen Kreaturen in seinen Welten, zu hartnäckig hat sich das Narrativ in den Köpfen der Spieler festgesetzt. Der Entwickler kann sich damit trösten, dass er in guter Gesellschaft ist: Viele berühmte Regisseure und Designer werden mit ähnlichen Vorlieben assoziiert, und selten verschwinden solche Mythen durch ein einziges Interview. Dass Miyazaki sein kommendes The Duskbloods trotzdem mit voller Überzeugung präsentiert, spricht für seine Gelassenheit. Am Ende zählt in seinen Spielen ohnehin der Kampf, nicht die Schuhwahl.