Neun Chancen auf Gold
Die Fallout-Serie von Amazon hat sich neun Emmy-Nominierungen gesichert. Ein starkes Ergebnis für eine Videospiel-Adaption, die erst 2024 startete. Die Nominierungen konzentrieren sich auf technische und handwerkliche Bereiche.
- Outstanding Stunt Coordination
- Outstanding Hairstyling
- Outstanding Makeup
- Outstanding Costumes
- Diverse weitere Technical Awards
Die Zeremonie findet im September 2026 statt. Die Konkurrenz in diesen Kategorien ist hart, Serien wie Shōgun und The Crown dominieren ebenfalls die Handwerks-Nominierungen.
Der Elefant im Raum: Keine Schauspieler-Nominierung
Auffällig ist die Lücke in den Kategorien für Darsteller. Insbesondere Walton Goggins, der den Ghul The Ghoul spielt, ging leer aus. Das Meme „Outstanding Goggins“ (eine Wortspiel-Referenz auf die Kategorie „Outstanding Lead Actor“) macht die Runde. Die Fans hadern, denn Goggins’ Performance war ein zentraler Grund für den Erfolg der Serie.
Die Academy of Television Arts & Sciences entscheidet über die Nominierungen. In diesem Jahr wurden 16 Schauspieler in den Hauptkategorien nominiert, keiner aus Fallout. Vergleichbare Genre-Serien wie The Last of Us schafften 2023 immerhin eine Nominierung für Pedro Pascal.
Die Macher hinter der Serie
Produziert wird Fallout von Kilter Films, dem Studio von Jonathan Nolan und Lisa Joy. Das Duo schuf zuvor Westworld (HBO), eine Serie, die ebenfalls für aufwendige Produktion und komplexe Narrative bekannt war, aber erst in der zweiten Staffel Schauspieler-Nominierungen erhielt.
Die Verantwortung für die Serienumsetzung lag bei Geneva Robertson-Dworet und Graham Wagner, die als Showrunner fungierten. Robertson-Dworet schrieb zuvor am Captain Marvel-Drehbuch. Nolan selbst führte bei der Pilotfolge Regie und blieb als Executive Producer an Bord. Die Serie wurde mit einem Budget von rund 150 Millionen US-Dollar produziert, eine Summe, die auch für Amazon-Verhältnisse im oberen Segment liegt. Zum Vergleich: The Rings of Power kostete etwa 465 Millionen für die erste Staffel.
Fallout im Branchenkontext
Videospiel-Adaptionen haben in den letzten Jahren einen Imagewandel durchgemacht. The Last of Us (HBO) gewann 2023 acht Emmys, darunter mehrere für technische Kategorien, aber auch eine Hauptdarsteller-Nominierung. Arcane (Netflix) gewann 2022 einen Emmy für herausragende Animationsleistung. Fallout reiht sich nun in diese Liste ein, allerdings ohne Schauspieler-Nominierung.
Die Fallout-Spielereihe selbst wurde von Interplay gegründet (erster Titel 1997), später von Bethesda Game Studios übernommen. Fallout 3 (2008) verkaufte über 5 Millionen Einheiten, Fallout 4 (2015) knackte 12 Millionen. Die Serie spielt zeitlich nach den Ereignissen von Fallout: New Vegas (2010) und übernimmt viele visuelle Elemente aus Fallout 76 (2018), aber auch Original-Kreaturen wie den Todeskrallen. Die Produktion in New York und Utah nutzte praktische Sets für die Vault, die in den Spielen ikonisch ist.
Warum die Serie trotzdem glänzt
Die neun Nominierungen zeigen, dass die Produktion handwerklich auf höchstem Niveau arbeitet. Stunts, Make-up und Kostüme sind für die postapokalyptische Welt von Fallout essenziell. Die Serie schaffte es, die düstere Ästhetik der Spiele, von Fallout 3 bis Fallout: New Vegas, detailgetreu auf den Bildschirm zu bringen. Dass die Schauspielkunst nicht gewürdigt wurde, ist schade, aber kein Desaster.
Der Stuntkoordinator Joel Marsh (zuvor John Wick: Kapitel 3) choreografierte die Kämpfe mit praktischen Effekten. Das Make-up-Team unter Michael Mekash (bekannt für American Horror Story) schuf die Ghul-Prothesen für Goggins, eine tägliche Arbeit von vier Stunden. Die Kostümbildnerin Amy Westcott entwarf über 500 Outfits, darunter exakte Nachbildungen des Fallout-Schutzanzugs aus den Spielen.
Fazit für die Gaming-Community
Für Fans der Spielereihe sind die Nominierungen ein weiterer Beweis, dass Fallout als Franchise auch im Fernsehen funktioniert. Die technischen Auszeichnungen sind verdient, aber der fehlende Schauspieler-Award bleibt ein kleiner Wermutstropfen.
Die Verleihung der Emmys findet im September 2026 statt. Ob Fallout dann tatsächlich einen Preis abräumt, bleibt spannend, zumindest einen Witz über „Outstanding Goggins“ wird es in den sozialen Medien aber garantiert geben. Die Serie hat bereits eine zweite Staffel bestellt, ein gutes Zeichen für die Zukunft der Adaptionen von Bethesda-Spielen.