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Fargo Staffel 4: Auch die schwächste Staffel bleibt ein brillanter Neo-Western-Krimi
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Fargo Staffel 4: Auch die schwächste Staffel bleibt ein brillanter Neo-Western-Krimi

Eine Analyse, warum die oft gescholtene vierte Staffel von Noah Hawleys Krimiserie dennoch als fesselndes TV-Ereignis überzeugt.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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Einordnung: Warum Staffel 4 dennoch glänzt

Fargo Staffel 4, inszeniert von Noah Hawley, gilt in der Fangemeinde als die schwächste der Serie. Polygon.com bezeichnet sie dennoch als „fast perfekt” und „brillant von Anfang bis Ende”. Die Handlung spielt in den 1950er-Jahren in Kansas City und dreht sich um zwei verfeindete Verbrecherorganisationen, italienische und schwarze Gangster, die ihre Macht neu ausbalancieren. Der Neo-Western-Ton bleibt erhalten, die Coen-Brüder-Ästhetik wird in jeder Einstellung zitiert.

Die Einschätzung, dass Staffel 4 unter den Vorgängern rangiert, hat weniger mit handwerklicher Schwäche zu tun. Es ist die Erwartungshaltung, die nach drei Meisterwerken der ersten Staffeln enorm hoch liegt. Hawley selbst sagte in Interviews, dass er bewusst neue erzählerische Risiken eingehen wollte, statt die Erfolgsformel zu wiederholen.

Was die Kritik an Staffel 4 bemängelt

  • Unübersichtliche Handlungsstränge: Mehrere rivalisierende Familien und fast ein Dutzend Hauptfiguren machen den Einstieg schwierig.
  • Fehlender Fokus: Im Vergleich zum engen persönlichen Drama der Staffeln 1 bis 3 wirkt die vierte Staffel episodischer und unruhiger.
  • Historische Absicht: Der Versuch, die Rassenthematik der 1950er-Jahre in einen Gangsterplot zu integrieren, überfordert die Narration an manchen Stellen.
  • Charakterzeichnung: Einige Figuren bleiben blass, besonders die Schurken, die im Vergleich zu Lorne Malvo oder V.M. Varga weniger ikonisch sind.

Trotz dieser Einwände schafft es Hawley, alle Fäden in den letzten zwei Folgen zu einem grandiosen Finale zusammenzuführen. Die Leistung von Chris Rock als Gangsterboss Loy Cannon wird von der Kritik oft zu Unrecht unterschätzt.

Der Blick auf die Serie als Ganzes

Fargo basiert lose auf dem gleichnamigen Film von Joel und Ethan Coen aus dem Jahr 1996. Die Serie hat jedoch nie die Filmhandlung adaptiert, sondern nutzt nur die Grundidee: scheinbar brave Menschen, die in absurde Gewaltexzesse geraten. Jede Staffel erzählt eine in sich geschlossene Geschichte mit neuen Figuren und Zeitebenen, von den 1920ern bis in die 2010er.

Die ersten drei Staffeln mit Schauspielern wie Billy Bob Thornton, Kirsten Dunst und Ewan McGregor gelten als Referenz für ambitioniertes Serienkino. Staffel 4, die 2020 während der Pandemie ausgestrahlt wurde, litt zusätzlich unter erschwerten Produktionsbedingungen und einem veränderten Sehverhalten des Publikums.

Studio-Historie: Noah Hawleys Handschrift

Bevor Fargo startete, schuf Hawley die Science-Fiction-Serie The Unusuals (2009) und arbeitete an Bones als Autor. Seinen Durchbruch feierte er mit der Fargo-Adaption, die ihm mehrere Emmys einbrachte. Anschließend entwickelte er die Comicverfilmung Legion (2017-2019), die für ihre surrealen Bilder gelobt wurde.

Hawley agiert bei Fargo als Showrunner, Autor und Regisseur mehrerer Episoden. Sein journalistisches Talent zeigt sich in jeder Staffel, aber in Staffel 4 besonders in der feinen Beobachtung sozialer Ungleichheit. Fachleute sehen in ihm einen der wenigen Serienmacher, die künstlerische Ambition mit Massentauglichkeit verbinden.

Vergleich mit anderen Staffeln: Wo die Stärken liegen

  • Staffel 1 (2014) war ein düsteres Spiel mit Moral und Zufall, getragen von Billy Bob Thorntons unvergesslichem Killer.
  • Staffel 2 (2015) versetzte die Action ins Minnesota von 1979 und schuf mit Patrick Wilson und Kirsten Dunst ein skurriles Duo.
  • Staffel 3 (2017) drehte sich um zwei ungleiche Brüder, gespielt von Ewan McGregor, und einen mysteriösen Obergangster.
  • Staffel 4 (2020) erforscht die Wurzeln des organisierten Verbrechens und stellt die Frage, ob Identität nur aus Herkunft besteht.

Wer auf der Suche nach klassischem Fargo-Ton ist, wird in Staffel 4 enttäuscht. Wer jedoch nach einem komplexen, ruhigen Gangsterdrama sucht, findet hier eine dichte Erzählung mit starken Bildern.

Die vierte Staffel von Fargo erschien zu einem Zeitpunkt, als Streamingdienste wie Netflix und HBO mit anderen hochbudgetierten Kriminalserien konkurrierten. Serien wie The Penguin (2024) oder True Detective zeigten ähnlich düstere Milieus. Fargo hebt sich durch seine filmische Inszenierung ab, die oft an klassische Western erinnert.

Ein besonderes Detail: Die vierte Staffel wurde mit 4K-Kameras gedreht und nutzt eine außergewöhnlich sorgfältige Lichtregie, die in vielen TV-Kritiken als innovativ gelobt wurde. Historisch betrachtet markiert Staffel 4 auch den letzten Auftritt von Chris Rock in einer ernsten Serienrolle.

Fazit mit Beobachtung

Staffel 4 von Fargo ist kein Fehltritt, sondern eine bewusste Verbeugung vor dem Genre des Gangster-Epos. Sie ist düsterer und unwohler als ihre Vorgänger, aber genau darin liegt ihre Qualität. Wer sich auf die Erzählmechanik einlässt, wird mit einem der klügsten Krimidramen des Jahrzehnts belohnt. Am Ende steht eine Serie, die sich konsequent weigert, es dem Publikum leicht zu machen. Genau das macht sie so sehenswert.

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