Amano zurück zu den Wurzeln
Yoshitaka Amano, Character-Designer der ersten sechs Final Fantasy-Teile (1987–1994), zeigte auf der Anime Expo 2026 einen Proof of Concept für ZAN. Der Kurzfilm adaptiert seine Manga-Reihe Deva Zan und besteht aus handgemalten Cels, ohne jeden digitalen Arbeitsschritt. Amano selbst stand auf der Bühne des Los Angeles Convention Centers, um das Projekt persönlich vorzustellen.
Der Clip entstand in Zusammenarbeit mit Studio 4°C, einem japanischen Animationsstudio, das für aufwändige Cel-Ästhetik bekannt ist. Studio 4°C produzierte Werke wie Tekkonkinkreet (2006), Mind Game (2004) und die Anime-Segmente von The Animatrix (2003). Deren Handschrift: traditionelle Animation mit hohem Detailgrad und oft psychedelischen Bildwelten, eine perfekte Passform für Amanos Stil. Studio 4°C beschäftigt rund 50 feste Angestellte, arbeitet aber häufig mit Freelance-Animatoren. Der Proof of Concept soll nach Angaben des Studios acht Monate gedauert haben, mit einem Team von 15 Zeichnern.
Was ist Deva Zan?
- Manga-Serie, die Amano 2013 startete, veröffentlicht im Magazin Monthly Comic Ryū
- Handlung: Ein Mädchen namens Zan wird in eine Parallelwelt aus japanischen Gottheiten und abstrakten Wesen gezogen
- Bisher drei Bände erschienen, der letzte 2019; eine geplante vierte Ausgabe blieb unveröffentlicht
Die Auflage der Bände war extrem begrenzt: Der erste Band erschien in einer Erstauflage von 3.000 Exemplaren, der zweite nur als Limited Edition über 1.200 Stück. Ein dritter Band kam exklusiv über Amanos Webseite, das Preisniveau lag bei 50 bis 80 US-Dollar pro Buch. In Japan sind diese Ausgaben inzwischen vergriffen; auf dem Sekundärmarkt werden Preise bis 400 Euro für ein komplettes Set aufgerufen. Eine breite Leserschaft erreichte Deva Zan nie, Amano selbst bezeichnet die Serie in Interviews als „Herzensprojekt“ ohne kommerziellen Druck.
Der Anime ZAN soll die erste filmische Adaption sein. Laut Amano (via 4Gamer.net) zeige der Clip die Eröffnungsszene des Manga-Bandes 1, exakt Frame für Frame aus den Panels abgeleitet, jedoch nicht als einfache Kopie, sondern als neu gezeichnete Bewegtbild-Version.
Handgezeichnet statt Pixelflut
Jeder Frame des Proof of Concept wurde auf Acetat-Cel mit Gouache-Farben gemalt, dann mit einer Rostrum-Kamera abgefilmt. Die Auflösung beträgt 2K (2048 × 1556 Pixel), für Kino-Auswertung zu niedrig, aber für eine Machbarkeitsstudie ausreichend. Die Kosten für eine einzelne Cel liegen bei etwa 30 Yen pro Stück (Rohmaterial), zuzüglich Zeichenlohn. Bei 24 Frames pro Sekunde und einer Laufzeit von geschätzt 4 Minuten 20 Sekunden entstanden rund 6.240 Einzelbilder. Die Produktionskosten dürften zwischen 8 und 12 Millionen Yen (rund 50.000 bis 75.000 Euro) gelegen haben, für einen reinen Proof of Concept ein hoher Betrag.
Zum Vergleich: Eine typische digitale Anime-Folge mit 20 Minuten Laufzeit kostet in Japan zwischen 20 und 30 Millionen Yen. Die Cel-Produktion wäre für eine komplette Serie finanziell kaum tragbar; Studio 4°C selbst nutzt seit 2012 keine reine Cel-Animation mehr. Der letzte cel-animierte Kinofilm des Studios war Genius Party (2007), ein Anthologie-Film mit mehreren Segmenten.
Studio und Produktion, Historie von Studio 4°C
Das Studio wurde 1986 von Eiko Tanaka und Kōji Morimoto gegründet, ursprünglich als Tochter von Madhouse. 1999 machte es sich selbstständig. Bekannt wurde es durch die Anime-Integration in The Matrix-Franchise, aber auch durch Steamboy (2004) und Batman: Gotham Knight (2008). Studio 4°C gilt als technisch versiert, aber finanziell oft angeschlagen. 2020 musste das Studio wegen der Pandemie Aufträge stornieren, erholte sich jedoch durch Auftragsarbeiten für ausländische Produktionen.
Amano arbeitete bereits in den 1990ern mit Studio 4°C: Er war Character-Designer für den Kurzfilm Tenshi no Tamago (1985, das war noch vor Studio 4°Cs Zeit, aber Amano und Morimoto trafen sich später). Tatsächlich steuerte Amano 2004 das Design für den Kurzfilm The Dream of the Fish im Kino-Atlas-Projekt bei. Die aktuelle Kooperation ist also eine Wiederbelebung einer alten Arbeitsbeziehung.
Branchenkontext, Cel-Animation als Nischenbewegung
Reine Cel-Animation ohne digitale Nachbearbeitung ist seit den frühen 2000ern fast ausgestorben. Der letzte große japanische Kinofilm, der komplett ohne digitales Ink & Paint auskam, war My Neighbors the Yamadas (1999, Studio Ghibli), und auch dort wurden aquarellierte Cels später digital zusammengesetzt. Die aufwändigste Cel-Produktion der letzten Jahre war The Tale of the Princess Kaguya (2013, Ghibli), die aber digitale Skizzen als Grundlage nutzte. ZAN wäre, falls realisiert, der erste rein cel-animierte Anime seit über 20 Jahren.
Vergleichbare westliche Projekte: Klaus (2019, Netflix) täuschte Cel-Ästhetik vor, war aber komplett digital. The Spine of Night (2021) verwendete Rotoskopie und digitale Farben. Echte handgemalte Langfilme sind selbst im unabhängigen Bereich extrem selten. ZAN würde in die Kategorie der „director‘s cut“-Kurzfilme fallen, wie The Lost Thing (2010) oder La Maison en Petits Cubes (2008), beide oscarprämiert, aber unter 15 Minuten.
Wann kommt ZAN?
Konkrete Termine gibt es nicht. Der Proof of Concept dient als Ankündigung und technische Demonstration. Studio 4°C sucht laut eigener Aussage nach einem internationalen Co-Produzenten für eine Serienumsetzung. Die Kosten für eine vollständige Serie, angenommen 6 Episoden à 22 Minuten, würden bei Rein-Cel-Produktion bei mindestens 300 Millionen Yen (ca. 1,9 Millionen Euro) liegen. Kein japanischer TV-Sender hat bisher Interesse bekundet.
Amano selbst auf der Bühne: „Ich will die Magie des Handgemachten zurückbringen.“ (Polygon, Juli 2026). Ob ZAN jemals erscheint, hängt von der Finanzierung ab, bislang gibt es nur den Clip und Amanos Leidenschaft.