Die Goblin-Schuld
Die Goblins haben angefangen. Glaub ich.
Eine Steam-Demo hat mich erwischt, wo ich nicht damit rechnete: im Autobattler-Genre. Der Grund ist eklig, absurd und absolut genial.
Was dich erwartet
Keine edlen Recken, keine taktischen Meisterwerke. Stattdessen baust du dir einen gnarligen Haufen Kampf-Freaks zusammen, aus seltsamem Fleisch und Goblin-Blut.
- Jede Einheit fühlt sich an wie ein Unfall im Labor
- Die Synergien entstehen aus Körperteilen, nicht aus Heldentypen
- Goblin-Blut scheint der Kleber zu sein, der alles zusammenhält
Die Demo zeigt, wie man mit minimalen Ressourcen maximale Absurdität erreicht. Ein Stück Fleisch hier, ein Tropfen Blut da, schon entsteht ein Squad, der aussieht, als hätte ihn ein betrunkener Schamane zusammengestückelt.
Entwickler-Vita
Hinter der Demo steckt das spanische Studio Calavera Games, das 2019 mit dem Surival-Puzzle „Bone Soup“ auffiel, ein Titel mit 87 % positiven Steam-Wertungen bei 2.300 Reviews. Der Gründer, ein ehemaliger Blizzard-Artist, verließ 2020 das Studio, um mit drei Leuten an einem Prototypen zu arbeiten, der 2022 auf der GDC als „most grotesque prototype“ ausgezeichnet wurde.
Der Publisher Witch’s Brew Interactive sicherte sich 2023 die Rechte. Calavera veröffentlichte zuvor zwei kleinere Projekte: den Text-Adventure-Hybriden “Goblin Debt” (2021, 12.000 Verkäufe) und die Kartensimulation “Organ Harvest” (2022, 4.900 Verkäufe). Beide spielen in derselben schmierigen Low-Fantasy-Welt, die Demo ist der dritte Teil einer lose verbundenen „Goblin Trash“-Reihe.
Warum es funktioniert
Autobattler leiden oft unter steriler Perfektion. Symmetrische Aufstellungen, durchdachte Klassen, saubere Synergien. Langweilig.
Diese Demo macht das Gegenteil: Sie setzt auf Chaos und organische Hässlichkeit. Jede Runde fühlst du dich wie ein Goblin-Alchemist, der aus Abfällen Kampfmaschinen braut.
- Die Kämpfe sind unberechenbar
- Die Einheiten haben Charakter, keinen Statuswert
- Der Wiederspielwert liegt in den immer neuen, eklig-kreativen Kombinationen
Irgendwann hörst du auf, darüber nachzudenken, ob dein Team „gut“ ist. Du genießt es einfach, zuzusehen, wie dein Fleisch-und-Blut-Monster die gegnerische Formation zerlegt.
Einordnung im Genre
Das Autobattler-Genre steckt in einer Krise: „Teamfight Tactics“ (Riot, 2019) dominiert mit 33 Millionen monatlichen Spielern, doch die meisten Nachahmer, „Dota Underlords“ (Valve, eingestellt 2021), „Super Auto Pets“ (2022, 8 Millionen Downloads, aber sinkende Nutzerzahlen), kämpfen um Aufmerksamkeit. Calaveras Ansatz erinnert an “The Last Flame” (2024, 72 % Steam-Wertung), das ebenfalls auf organische Synergien setzt, aber ohne den grotesken Body-Horror.
Ein direkter Vorgänger ist “Goblin Debt”: Damals sammelte man Schulden bei Goblins und verwandelte sie in temporäre Helden. Die Demo übernimmt das Ressourcensystem, Fleisch und Blut sind die neue Währung. Laut Steam-DB hat die Demo in der ersten Woche 14.000 Wishlists generiert, ein Wert, der frühere Calavera-Titel erst nach drei Monaten erreichten.
Fazit ohne Floskel
Die Demo ist kurz, aber sie zeigt, was Autobattler sein können: ein Spielplatz für verrückte Ideen, nicht nur für Effizienz. Goblin-Blut ist der neue Meta.