Digitales Teilen wird Pflicht
Die Ankündigung, dass Sony die Produktion physischer Discs einstellt, verändert den Umgang mit Spielbibliotheken. Wer künftig Spiele mit Familie und Freunden teilen will, muss sich mit den digitalen Systemen der Plattformen auskennen.
GameSpot hat im Rahmen der Cheap Week alle aktuellen Lösungen verglichen. Das Ergebnis: Die Unterschiede sind gewaltig, und manche Funktionen heißen zwar „Familie“, haben aber nichts mit geteilten Spielen zu tun.
Steam: Der Gewinner unter den PC-Launchern
Valve hat mit Steam Families das beste System auf dem Markt gebaut. Bis zu sechs Personen gehören zu einer Familie, jedes Mitglied behält eigene Spielstände, Erfolge und einen eigenen Account. Die Spiele aller Mitglieder landen in einer gemeinsamen Bibliothek.
- Bis zu sechs Personen pro Familie
- Eigene Speicherstände und Erfolge für jedes Mitglied
- Gemeinsame Familienbibliothek mit allen Spielen
- Nicht an eine einzelne Maschine gebunden
Es gibt Einschränkungen: Zwei Personen können dasselbe Spiel nur gleichzeitig spielen, wenn die Familie mehrere Kopien besitzt. Entwickler können ihre Titel außerdem vom Family Sharing ausnehmen. Mit Remote Play Together lässt sich trotzdem eine lokale Multiplayer-Sitzung starten, ohne dass alle das Spiel kaufen müssen.
Xbox Series X|S: Zwei Konsolen, ein Konto
Die Home Xbox-Funktion ist die effizienteste Lösung für Paare und kleine Haushalte. Wer eine Xbox als Heimkonsole festlegt, erlaubt allen Nutzern dieser Konsole Zugriff auf die eigenen digitalen Spiele und auf Game-Pass-Inhalte. Der kaufende Account kann sich parallel auf einer anderen Xbox anmelden und dort seine Bibliothek nutzen.
- Genau eine Home-Xbox pro Account
- Keine Fristen, keine Familien-Gruppen nötig
- Game-Pass-Inhalte werden auf der Heimkonsole geteilt
- Käufe von In-Game-Items nicht inbegriffen
Der große Nachteil: Das System ist auf zwei Personen ausgelegt, nicht auf eine große Familie. PC Game Pass folgt dieser Logik nicht, er bleibt fest an das zahlende Microsoft-Konto gebunden.
PlayStation 5: Teilen nur für eine Konsole
Sony setzt auf Konsolenfreigabe und Offline-Spiel, aber nur für eine PS5 gleichzeitig. Wer auf dieser Konsole spielt, hat Zugriff auf die Spiele des primären Accounts, auch offline. Familien mit mehreren PS5-Konsolen kommen damit nicht weit.
- Freigabe auf eine einzige PS5 begrenzt
- Andere Profile können Spiele des Hauptaccounts nutzen
- PS-Plus-Vorteile teilweise geteilt
Share Play erlaubt es einem Freund, virtuell den Controller zu übernehmen oder als zweiter Spieler beizutreten, ohne das Spiel zu besitzen. Allerdings brauchen beide Teilnehmer ein PS-Plus-Abo, und die Funktion eignet sich für einzelne Sitzungen statt dauerhaftes Teilen.
Nintendo Switch 2: Virtuelle Spielkarten mit Ablaufdatum
Nintendo hat mit Virtual Game Cards ein komplexes System eingeführt, das an den physischen Karten-Tausch erinnert. Ein Account kann zwei Konsolen koppeln und Spiele zwischen ihnen hin- und herladen. Andere Nutzer derselben Konsole können die geladenen Spiele spielen.
- Zwei Konsolen pro Account koppelbar
- Bis zu drei Spiele gleichzeitig verleihbar
- Leihfrist von maximal 14 Tagen
- Der Verleiher kann das Spiel während der Leihe nicht selbst spielen
GameShare ergänzt das System für kompatible Spiele. Damit lassen sich unterstützte Titel auf andere Switch-2-Konsolen und teilweise auf Original-Switches übertragen, was lokale Multiplayer-Runden erleichtert. Die Einschränkungen sind aber spürbar: keine dauerhafte Übertragung, keine gemeinsame Bibliothek, nur kompatible Spiele.
Epic, EA, Ubisoft, GOG: Die Launcher-Frage
Die PC-Launcher abseits von Steam haben fast alle dasselbe Problem: Familienverwaltung wird mit Spieleteilen verwechselt. Epic bietet überhaupt keine Bibliotheksfreigabe, und das Teilen von Account-Zugangsdaten ist ausdrücklich verboten. Immerhin gibt es regelmäßig kostenlose Spiele.
- Epic: Keine Sharing-Funktionen, Account-Teilen verboten
- EA-App: Familienkonten für Kindersicherung, aber keine gemeinsamen Spiele
- Ubisoft Connect: Share Play wurde Mitte 2025 abgeschaltet, Sessions waren auf 60 Minuten begrenzt
- GOG: DRM-freie Spiele flexibel installierbar, aber keine offizielle Freigabe
GOGs DRM-freie Bibliothek ist praktisch für Haushalte mit mehreren eigenen Rechnern. Offiziell erlaubt das aber nicht, Spiele an andere Personen weiterzugeben. EA Play und EA Play Pro bleiben ebenso an das zahlende Konto gebunden wie der PC Game Pass bei Microsoft.
Sony beendet die Disc-Produktion, Microsoft setzt voll auf digitalen Vertrieb, und Nintendo führt mit Switch 2 erstmals ein richtiges Leihsystem ein. Damit ist das Teilen von Spielen kein Randthema mehr, sondern ein wichtiger Faktor beim Kauf einer Konsole.
Die Angebote lassen sich nach Haushaltsgröße sortieren: Steam erlaubt sechs Personen, Xbox funktioniert am besten für zwei, Sony nur für eine Konsole. Nintendo liegt mit drei verleihbaren Spielkarten und 14 Tagen dazwischen. Epic, EA und Ubisoft haben in dieser Frage weiterhin nichts zu melden.