GameStop kappt das Treueprogramm
GameStop entzieht seinem Pro Membership die wertvollste Zutat. Laut einem Bericht von Kotaku werden neue Mitglieder ab dem 15. Juli 2026 keine Pro Points mehr sammeln können.
Bestehende Mitglieder erhalten eine Gnadenfrist bis zum 15. August 2026. Danach fällt auch für sie der Punktesammel-Mechanismus endgültig weg.
Die Historie des Pro-Memberships
Das Programm startete 2011 als PowerUp Rewards und wurde 2019 in Pro Membership umbenannt. Damals lockte GameStop mit 10 % Rabatt auf gebrauchte Spiele und einem jährlichen 15-Dollar-Gutschein.
2023 hatte das Programm rund 28 Millionen aktive Mitglieder, etwa jeder dritte GameStop-Kunde. In den letzten Jahren kürzte das Unternehmen bereits Boni: 2024 fiel der Geburtstagsgutschein weg, 2025 der exklusive Zugang zu Vorbesteller-Events.
Was die Pro Points bislang brachten
- Mitglieder bekamen rund 2 % des Kaufbetrags als Punkte gutgeschrieben.
- Diese Punkte ließen sich später gegen Spiele oder andere Ware eintauschen.
- Ein klassisches Treue-Rabattsystem, jetzt Geschichte.
GameStop selbst hatte erst Anfang Juni den höchsten Quartalsgewinn der Firmengeschichte gemeldet. Die Streichung der Pro Points wirkt daher wie ein reiner Kostenschnitt.
Mitarbeiter rebellieren auf Reddit
Inoffiziell melden sich GameStop-Angestellte zu Wort. Auf Reddit fordern mehrere Mitarbeiter ihre Kollegen auf, kein Upselling der Pro-Membership mehr zu betreiben.
- Der Unmut richtet sich gegen die Entwertung des Programms.
- Ob der interne Protest etwas bewirkt, ist fraglich, GameStop scheint den Kurs durchzuziehen.
Finanzielle Hintergründe und Kostendruck
Der gemeldete Quartalsgewinn von 142 Millionen Dollar (Q1 2026) klingt hoch, ist aber ein Sondereffekt: GameStop verkaufte Immobilien und zog sich aus 47 unrentablen Standorten zurück. Der operative Gewinn ohne diese Erlöse liegt bei knapp 12 Millionen Dollar.
Parallel schrumpft der Umsatz: 2025 lag er bei 5,1 Milliarden Dollar, ein Minus von 9 % zum Vorjahr. Digitale Downloads und Streaming fressen das physische Spielegeschäft. GameStop reagiert mit Kostenkürzungen, die Pro Points sind nur der jüngste Schritt.
Ryan Cohen: eBay-Plan gescheitert
CEO Ryan Cohen sorgte parallel für Schlagzeilen. Er hatte öffentlich Interesse an einer Übernahme von eBay bekundet, obwohl GameStop dafür weder die nötigen Mittel noch eine gesicherte Finanzierung vorweisen kann.
eBay lehnte Cohens Annäherung ab und bezeichnete das Angebot als weder „glaubwürdig noch attraktiv“. Ein feindlicher Übernahmeversuch über die eBay-Aktionäre bleibt theoretisch möglich, wurde bislang aber nicht eingeleitet.
Vergleich mit Konkurrenz-Treueprogrammen
Best Buy bietet mit My Best Buy einen ähnlichen Punkteservice: 1 Punkt pro ausgegebenem Dollar, einlösbar ab 250 Punkten für 5 Dollar. Das Programm läuft unverändert. Amazon Prime wiederum koppelt Rabatte an eine jährliche Gebühr, nicht an Punkte.
GameStop fällt damit hinter den Branchenstandard zurück. Kein anderer großer Spielehändler in den USA hat ein reines Punktesystem ohne Ablaufdatum oder jährliche Kosten eingestellt. Walmart und Target behalten ihre entsprechenden Programme bei.
Auswirkungen auf die GameStop-Community
Die Streichung trifft vor allem Gelegenheitskäufer, die selten genug einkaufen, um die 15-Dollar-Jahresgebühr des Pro-Memberships zu rechtfertigen. Ohne Punkte sinkt der Anreiz, überhaupt Mitglied zu bleiben.
Auf Reddit (r/Superstonk) reagieren Investoren gespalten: Einige sehen den Schritt als notwendige Sanierung, andere fürchten einen weiteren Kundenverlust. Die Aktie notierte am Tag der Ankündigung 4,2 % im Minus bei 21,30 Dollar.