Die Lage auf dem Deal-Markt
Wer heute einen Gaming-PC kaufen will, hat ein Problem: Es gibt schlicht keine gut bepreisten Angebote mehr. Das ist die ernüchternde Bilanz eines PCGamer-Autors, der seit zwei Jahren jede Woche systematisch nach Hardware-Deals sucht. Seine Erkenntnis ist eindeutig: „Mir ist kein einziges gut bepreistes System mehr untergekommen“, schreibt er in seinem aktuellen Artikel. Die Preise sind dermaßen angestiegen, dass selbst Auslaufmodelle und Sonderaktionen keinen echten Rabatt mehr bieten. Der Markt hat sich von einem Schnäppchenparadies zu einer Wüste für Sparfüchse entwickelt.
Zwei Jahre der Ernüchterung
- Wöchentliche Suche seit August 2024, zweimal 52 Wochen lang hat der Journalist sämtliche Händler, Preisvergleiche und Rabattaktionen geprüft.
- Immer weniger Treffer, die Zahl brauchbarer Angebote sank kontinuierlich, bis zuletzt praktisch null.
- Nicht einmal Vorbestellungen, selbst bei neu aufgelegten Grafikkarten oder Komplettsystemen sind die UVPs ohne Abschlag.
- Der Autor spricht von „Depression“, nicht nur bei Intel-Systemen, sondern auch bei AMD-Builds, die früher als Budget-Alternative galten.
- Kein einmaliger Ausreißer, die Beobachtung zieht sich über den gesamten Zeitraum, nicht nur eine einzelne Woche.
Auch AMD bietet keine Rettung
Lange Zeit galt AMD als Geheimtipp für preisbewusste Gamer. Die Ryzen-CPUs und Radeon-Grafikkarten waren oft deutlich günstiger als die Konkurrenz von Intel und Nvidia. Doch dieser Vorteil ist inzwischen weitgehend verpufft. Der PCGamer-Autor stellt mit Bedauern fest: „Selbst AMD-Builds sind deprimierend anzuschauen“, wenn man die aktuellen Preise sieht. Die einstige Preis-Leistungs-Empfehlung ist Geschichte, denn sowohl Prozessoren als auch Grafikkarten sind in den vergangenen zwei Jahren massiv gestiegen. Wer also auf AMD gesetzt hat, um zu sparen, wird heute Genauso zur Kasse gebeten wie Käufer von Intel- und Nvidia-Produkten.
Die Gründe für die Teuerung
- Anhaltende Lieferkettenprobleme, die Produktion von Halbleitern ist immer noch nicht auf dem Vor-Corona-Niveau.
- Hohe Energiekosten, die Herstellung von Chips ist extrem energieintensiv, die gestiegenen Strompreise schlagen auf den Endpreis durch.
- Wenige echte Konkurrenzangebote, die drei großen Hersteller halten ihre Preise stabil, Rabattschlachten finden nicht mehr statt.
- Geringe Stückzahlen bei Sondermodellen, Custom-Designs der Board-Partner sind oft schnell ausverkauft, wer nicht sofort zuschlägt, zahlt später höhere Preise.
- Der Gebrauchtmarkt zieht nach, auch B-Ware und nicht mehr aktuelle Generationen werden über ihrem früheren Straßenpreis gehandelt.
Upgrade-Planung wird zum Geduldsspiel
Diese Entwicklung trifft nicht nur Neukäufer, sondern auch alle, die ihren bestehenden Rechner aufrüsten wollen. Wer sich auf eine neue Grafikkarte oder einen neuen Prozessor gefreut hat, muss entweder tief in die Tasche greifen oder auf unbestimmte Zeit warten. Der PCGamer-Autor rät dazu, keine spontanen Käufe zu tätigen, sondern gezielt auf Angebote zu warten, doch genau diese Geduld wird angesichts der dürftigen Deal-Lage auf eine harte Probe gestellt. Auch der Verkauf eines alten Systems bringt nicht mehr den erhofften Erlös, da die Preise für Gebrauchtware ebenfalls gefallen sind. Eine Aufrüstung wird damit zum Luxus, den sich viele Gamer nicht mehr leisten können oder wollen.
Ein Blick zurück auf bessere Zeiten
- Vor fünf Jahren, 2021 gab es noch regelmäßig Aktionen mit UVP minus 20 Prozent oder mehr.
- Die Mining-Welle, 2017 und 2021 trieb sie zwar die Grafikkartenpreise hoch, dafür waren CPUs und Mainboards oft auf echte Angebote zu haben.
- AMD als Geheimtipp, bis 2023 fand man Kombi-Deals aus Ryzen und Radeon zu Kampfpreisen, vor allem in Online-Shops.
- Der Retro-Gaming-Spirit, In den 90ern und 2000ern gab es einen regen Second-Hand-Markt, auf dem man Occasion-Rechner für kleines Geld aufrüsten konnte, heute ist selbst das kaum noch möglich.
- Kein Zurück, Die Zeiten, in denen ein Gaming-PC nicht viel teurer war als eine Konsole, sind endgültig vorbei.
Branchenkontext: Was das für Spieler bedeutet
Diese Entwicklung ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Trends, der die gesamte Branche betrifft. Konsolen sind ebenfalls teurer geworden, PCs aber überproportional, allein die Grafikkarte kann heute mehr kosten als eine komplette PlayStation oder Xbox. Für viele Spieler stellt sich die Frage, ob sich ein PC-Upgrade überhaupt noch lohnt oder ob nicht doch die Konsole die günstigere Alternative ist. Auch die Streaming-Dienste für Spiele könnten als Alternative an Bedeutung gewinnen, aber dort fehlen viele der Exklusivtitel und die Notwendigkeit einer guten Internetverbindung besteht weiterhin. Der PC bleibt zwar das flexibelste System für Gamer, aber der Preis dafür steigt rasant, und es ist keine Besserung in Sicht.
Ein trauriger Trend, der sich verfestigt
Die Beobachtung des PCGamer-Autors ist erschreckend eindeutig: Nach zwei Jahren wöchentlicher Suche gibt es nicht ein einziges gut bepreistes System. Das ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine strukturelle Marktveränderung. Selbst AMD, Hoffnungsträger der Sparfüchse, bietet keine Alternative mehr. Während die Hardwarehersteller Rekordgewinne melden, bleibt der Verbraucher auf der Strecke. Einziger Trost: Wer bereits einen funktionierenden Gaming-PC besitzt und nicht auf die neuesten Grafikkarten angewiesen ist, kann noch eine Weile weiterspielen, aber ein Upgrade wird so schnell nicht wieder bezahlbar sein. Die Ära der Schnäppchen-Jäger ist vorerst beendet.