EndeNews Logo EndeNews
Geld satt, Hässlichkeit pur: 15 Konsolen, die beweisen, dass Design keine Frage vom Budget ist
News

Geld satt, Hässlichkeit pur: 15 Konsolen, die beweisen, dass Design keine Frage vom Budget ist

Millionenschwere Technik unter hässlichem Plastik: Eine Abrechnung mit den denkwürdigsten Konsolen-Designs der Geschichte.

D
Dennis Adam
TEILEN: Twitter Reddit

Als die Rechenpower aufs Auge schlug

Jede Konsolengeneration verspricht atemberaubende Grafik, flüssige Bildraten und fotorealistische Welten. Doch das Gehäuse selbst bleibt oft eine Beleidigung für den Wohnzimmerschrank. Millionen-Budgets fließen in Prozessoren und Kühllösungen, während der letzte Platz im Design-Briefing an die Optik vergeben wird. Die Liste der Kandidaten, die diesen Test grandios versemmelt haben, ist lang. 15 besonders krasse Fälle verdienen eine eigene Galerie der Schrecken.

Form follows Funktion: Das klingt besser als es aussieht

  • Der Nintendo Virtual Boy (1995): Ein auf einem Stativ thronender roter Klotz, der aussah wie ein kaputtes Teleskop und Kopfschmerzen als Generationenerfahrung etablierte.
  • Die Panasonic Jungle (2010): Ein Schwarz-Weiß-Gerät mit dicker Bauchung, das selbst auf Pressebildern den Charme eines Kaufhauspreisauszeichners verströmte.
  • Die Xbox One (2013): Ein beiger VHS-Rekorder mit abgesetztem Lüftungsschlitz, der in jedem Hi-Fi-Rack als Fremdkörper auffiel. Intern hieß sie sogar mal “Durango”, optisch schrie sie nach Heimkino-Hifi.
  • Die PlayStation 3 (erste Revision, 2006): Ein überdimensionales glänzend-schwarzes Piano, das nach zwei Minuten Fingerabdrücke wie ein Kriminalfall trug.

Als die Couch-Ecke zum Abstellraum wurde

Technikerklärungen helfen da wenig. So manche Konsole gebärdete sich wie ein Industriegerät im Wohnzimmer. Der Commodore 64 war zwar ein Computer, aber auch als Spielmaschine beliebt, und sein Blechgehäuse sah aus wie eine Schreibmaschine von der Militärverwaltung. Der Atari Jaguar (1993) versuchte die Zukunft zu markieren und ähnelte doch nur einer schwarzen Wegwerfschale für Convenience Food. Manche Hersteller trennten sich eben nicht von Blechgehäuse oder Beige-Trauma, als die Konkurrenz längst auf glatten Formen und Pastelltönen unterwegs war.

Wenn das Design aus der Schrotflinte kommt

Man fragt sich bis heute: Hatte da niemand vor dem Launch gefragt, ob man das Teil freiwillig unters Fernsehen stellt? Offenbar nicht. Bei der Nintendo 64 wirkte das Gehäuse wie aus versehentlich vergrößerten Hüllen eines Game-Boy-Color-Knopfes zusammengesetzt. Die Drei-Zinken-Gabel mit mittigem Gürtel zu den Pads war eine Einladung an Staub, Kabel und Chaos. Der Sega Saturn (1994) war als silbriger Betonkantenbrocken solide gefertigt, aber jede Seite glänzte wie das Armaturenbrett eines Mittelklassewagens aus den 90ern. Das Ergebnis erinnert eher an eine unfertige Ingenieursstudie als an ein Prunkstück.

Eine Chronik des Desinteresses

  • Die PC Engine/Turbografx (1987) in Weiß mit knalligem Aufdruck: Fürs Kinderzimmer okay, für den Erwachsenenhaushalt fragwürdig.
  • Der Atari 5200 (1982) mit seinem beige-braunen Kasten und den Gummitasten: Die Fernbedienung saß fest, aber die Optik war eine Kopie eines Taschenrechners mit Zahnrädern.
  • Die Sega Mega-CD (1991) als untergebauter zweiter Block unter der Mega Drive: Das Ganze sah aus wie ein überhängendes Hochbett aus Plastik.
  • Die Nintendo GameCube (2001): Ein lilafarbener Würfel mit Tragegriff, der eher wie eine türkische Lunchbox aussah, denn wie eine Spielkonsole.

Wieso so viele Fehlgriffe? Eine Antwort liegt im Inneren

Die Hardware diktiert die Form: Laufwerke, Kühlrippen, Anschluss-Portale. Die CD-ROM-Ära zwang breite, flache Gehäuse auf, die man leicht unterschätzte. Als Blu-ray-Laufwerke und starke GPUs kamen, wuchsen die Kästen wie Kaugummi an der Schuhsohle. Kein Hersteller traute sich zunächst, die Komponenten unkonventionell zu stapeln oder extern zu platzieren. Radikale Design-Experimemente scheiterten, etwa beim Nokia N-Gage (2003), das zwar ein Handheld war, aber dessen Heads-on-Back-Optik die wenigen guten Spiele nicht rettete.

Was bleibt? Eine Sammlung von Ausstellungsstücken

Manche dieser Designs erreichten posthum Kultstatus. Der Virtual Boy ist heute ein Kuriosum für Sammler, die die rote Verbindung lieben. Die Xbox One-Röhre aus der ersten Revision wird von Retro-Fans als Zeuge einer Übergangszeit gesucht, in der Microsoft noch nicht wusste, wofür die Konsole stehen sollte. Die Lehre daraus: Ein Gehäuse kann die finanzielle Stärke einer Firma nicht ersetzen. Es kann sie nur unter einem Berg aus mattglänzendem Plastik begraben. Und genau das haben diese 15 Kisten gemein: Sie halten die Erinnerung wach, dass Geschmack nicht in Entwicklungsetats gekauft werden kann.

VERWANDTE ARTIKEL