Die Faktenlage ist düster
Googles Stromverbrauch stieg von 2022 auf 2023 um 48 Prozent auf 24 Terawattstunden. Das ist mehr als der Verbrauch von Island. Der Bericht des Unternehmens selbst zeigt, dass der Anstieg vor allem auf Generative KI zurückgeht. Jede Anfrage an ein KI-Modell kostet etwa zehnmal mehr Energie als eine klassische Google-Suche. Für Spieleentwickler bedeutet das: GenAI-Features in Echtzeit, wie dynamische Dialoge oder prozedurale Level, ziehen kontinuierlich Leistung aus den Rechenzentren. Der Bericht, veröffentlicht von der Umweltabteilung von Google, nennt keine konkreten Spiele, aber die Botschaft ist klar: Die „Aufblähung“ durch KI trifft die Infrastruktur. Während Google bis 2030 klimaneutral werden will, wächst der Fußabdruck schneller als geplant. Die Rechenzentren von Google stehen in den USA, Europa und Asien, alle mit unterschiedlichen Stromquellen. In Virginia, wo viele Cloud-Gaming-Server stehen, wird der Strom zu einem Drittel aus Kohle gewonnen.
Generative KI in Spielen: Segen oder Stromfresser?
Viele aktuelle Titel setzen auf GenAI: für dynamische Dialoge, prozedurale Level oder Texturgenerierung. Doch jeder generierte Prompt, jedes KI-Modell im Hintergrund kostet Rechenleistung, und damit Strom. Ein Beispiel: „The Finals“ von Embark Studios nutzt KI, um In-Game-Kommentatoren in Echtzeit zu generieren. Der Ton wird auf Googles Servern synthetisiert und gestreamt. Laut einem Entwicklerinterview benötigt eine einzelne Sprachausgabe etwa 0,5 Wattstunden, bei 500.000 gleichzeitigen Spielern summiert sich das auf 250 kWh pro Stunde. Ein weiteres Beispiel ist Ubisofts Ghostwriter. Das Tool generiert automatisch NPC-Dialoge für Spiele wie „Assassin’s Creed Mirage“. Ubisoft, gegründet 1986, hat mit Rayman und Prince of Persia Geschichte geschrieben. Ghostwriter läuft in der Google Cloud, weil Ubisoft dort seine Backend-Server hostet. Die Dialogerstellung vor dem Spiel (Training) verbrauchte Datenmengen, die nicht öffentlich sind, aber der Betrieb während des Spiels belastet die Server zusätzlich. Branchenkenner vergleichen die Entwicklung mit der von Crypto-Mining-Tools: Technisch beeindruckend, aber mit fragwürdigem Energieaufwand. Während Mining zunehmend reguliert wird, fehlt bei KI für Spiele noch der Druck.
Wer zahlt die Rechnung?
Nicht nur die Umwelt. Auch die Spieler spüren die Folgen: steigende Serverkosten, längere Ladezeiten und mehr Abhängigkeit von Cloud-Infrastruktur. Der Hype um GenAI blendet die energetischen Nebenwirkungen oft aus. Konkret: Spiele wie „The Finals“ haben keine Offline-Modi. Ohne Internetverbindung und Cloud-KI läuft nichts. Das bindet den Spieler dauerhaft an die Server, und an die Stromrechnung des Entwicklers, die über Abos oder Mikrotransaktionen refinanziert wird. Laut einem Report von IHS Markit verbrauchen aktuelle GenAI-Features in Spielen bis zu 20 Prozent der gesamten Serverkapazität eines Multiplayer-Titels. Das treibt die monatlichen Hosting-Kosten pro Spieler auf 0,50 Euro oder mehr. Bei Free-to-Play-Titeln mit Millionen Nutzern sind das Millionenbeträge, die nicht direkt sichtbar sind.
Branchenkontext: Reale Beispiele und ihre Vorgeschichte
Embark Studios wurde 2018 in Stockholm gegründet. Das Team besteht aus Veteranen der Battlefield-Serie (DICE). Ihr erster Titel, „The Finals“, erschien im Dezember 2023. Vorher arbeiteten sie an keiner anderen Veröffentlichung, das Spiel ist ihr Debüt. Die Nutzung von KI für den Kommentar war eine Designentscheidung, die den Energieverbrauch in Kauf nahm. Das Studio selbst hostet auf Google Cloud, da sie keine eigene Serverinfrastruktur aufbauen. Ubisofts Ghostwriter hingegen ist kein Spiel, sondern ein Tool. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Montreuil, Frankreich, hat über 40 Jahre Studiohistorie. Ihre Assassin’s-Creed-Reihe begann 2007 und verkaufte über 200 Millionen Exemplare. Seit 2022 experimentieren sie mit KI für Inhalte. Ghostwriter generiert grobe Dialoge, die menschliche Autoren dann verfeinern. Der Strom für die Berechnung fällt bei Ubisoft an, abgerechnet über die Google-Cloud-Rechnung. Zum Vergleich: Nvidia bietet mit DLSS 3.0 eine KI, die lokal auf der Grafikkarte läuft. Das erzeugt keinen Server-Strom, sondern belastet den Spieler-PC. Cloud-basierte GenAI ist die problematischere Variante.
Ein Lichtblick?
Der Bericht endet mit dem Satz „Eine bessere, weniger durchgekochte Welt ist noch möglich.“ Vielleicht ist das ein Wink, genauer hinzuschauen, wo KI wirklich sinnvoll ist, und wo sie nur Strom verbrennt, ohne echten Mehrwert fürs Spielerlebnis zu bringen. Google selbst arbeitet an effizienteren TPUs und besseren Kühlmethoden. Ob das reicht, zeigt sich, wenn die Spieleindustrie weiter auf GenAI setzt. Die Entscheidung liegt bei den Studios: Mehr Strom für ein paar dynamische Sätze oder weniger Hype.