Moores Gesetz lebt, aber als Zombie
IBM hat im Dezember 2023 einen Chip-Fertigungsknoten unter einem Nanometer vorgestellt, konkret einen Transistor mit 0,84 Nanometer Gate-Länge. Das ist die kleinste jemals gezeigte Struktur. IBM Research ist kein Neuling: 2015 präsentierte man einen 7nm-Testchip, 2017 folgte 5nm mit Silicium-Germanium-Kanälen, 2021 ein 2nm-Design mit 333 Millionen Transistoren pro Quadratmillimeter. Der neue Knoten baut auf Nanosheet-Technologie und extrem ultravioletten Belichtungen auf. Die PCGamer-Redaktion kommentiert den Schritt trocken: „Moore‘s Law might not be dead, but it is kinda zombified.“ Ein treffendes Bild für die Gemengelage aus technischem Fortschritt und explodierenden Kosten.
Was bedeutet sub-1 nm für Gamer?
Kleinere Strukturen versprechen theoretisch mehr Leistung und weniger Stromverbrauch. Die Realität: Aktuelle High-End-Grafikkarten von AMD und Nvidia laufen bereits auf 4-nm-Knoten (TSMC N4 bzw. 4N). Die AMD Radeon RX 7900 XTX setzt auf einen hybriden 5nm/6nm-Knoten (GCD/MCD), die Nvidia RTX 4090 auf TSMCs 4N-Prozess (eigentlich ein verbesserter 5nm). Die Transistordichte liegt dort bei etwa 150 Millionen pro Quadratmillimeter. Ein sub-1-nm-Chip könnte theoretisch über 500 MTr/mm² packen, ob die Kühlung mithält, ist offen. Der Originalautor der Schlagzeile bringt es auf den Punkt: „I can barely afford AMD and Nvidia‘s current 4 nm chips, so I‘m not sure what to make of IBM‘s new sub-1 nm technology.“ Die UVP der RTX 4090 lag bei 1599 Euro, real eher 1800 Euro. Zum Vergleich: Die RTX 2080 Ti startete 2018 bei 1249 Euro (12nm-Knoten). Die Preisschere öffnet sich schneller als die Transistorgrenzen.
Die Kostenfalle
Nvidias RTX-4000-Serie (Ada Lovelace) und AMDs RDNA-3-Karten trieben die Einstiegshürden in neue Höhen. Mit jeder neuen Fertigungsgeneration steigen die Entwicklungskosten massiv. Laut IBS kostet das Design eines 7nm-Knotens rund 300 Millionen Dollar, 5nm 540 Millionen, 3nm über 680 Millionen. Für sub-1-nm sind Milliarden nötig, nur wenige Player wie TSMC oder Samsung können das stemmen. IBMs Technologie ist ein reiner Laborprototyp. Selbst TSMCs 2nm-Chips werden erst 2025/26 in Massenproduktion gehen. Bis bezahlbare Spiele-Hardware mit sub-1-nm-Chips in den Regalen steht, vergehen viele Jahre, wenn es überhaupt dazu kommt. Für Retro-Gamer und Normal-Sterbliche bleibt die Lage absurd: Schon die aktuelle 4-nm-Ware ist ein Luxusgut. Ein Zombie-Moore verspricht Fortschritt, aber die Preise entwickeln sich wie ein untoter Albtraum.
Kein Grund zur Panik, aber auch nicht zur Freude
Die Ankündigung ist spannend für Physiker und Chip-Designer. Für den durchschnittlichen Gamer ändert sich kurzfristig genau nichts. Die PlayStation 5 und Xbox Series X nutzen 7nm-APUs (Oberon und Scarlett). Viele Spiele erscheinen noch für PlayStation 4 auf 28nm. Selbst eine RTX 3080 (8nm Samsung) liefert für 1440p ausreichend Leistung. Ein sub-1-nm-Chip wäre für Raytracing in 8K relevant, das bleibt Nische. Wer heute einen Rechner baut, plant besser mit den existierenden 4-nm- oder 5-nm-Komponenten. IBMs Technologie ist für den Heimgebrauch irrelevant. Das einzig Tröstliche: Selbst wenn Moore‘s Law nur noch dahinvegiert, reichen aktuelle Chips für die meisten Spiele aus. Ältere Titel laufen auf jeder Möhre.
IBMs Schritt unter die 1-Nanometer-Grenze ist ein technisches Husarenstück. Für unsere Geldbeutel bleibt es ein ferner Zombie-Traum.