Ein anderer Wind bei Intel
Intel hat seine Quartalszahlen für das erste Quartal 2024 vorgelegt. Der Tonfall unterscheidet sich massiv von der Krise vor zwölf Monaten, als der Chipkonzern einen Nettoverlust von 2,8 Milliarden Dollar meldete, der größte seit 2017. CEO Pat Gelsinger (im Originalartikel fälschlich als „Tan“ bezeichnet) sagte zur Veröffentlichung: „I'm confident that Intel is well positioned to help define the next era of computing.“ Ein Satz, den Analysten nach den Fertigungspannen der 7-nm- und 4-nm-Prozesse kaum mehr erwartet hatten.
Der Optimismus hat einen handfesten Grund: Intels Sparte Data Center & AI erzielte im ersten Quartal 2024 einen Umsatz von 4,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 5 Prozent im Jahresvergleich. Die Client-Computing-Sparte legte um 31 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar zu. Beide Bereiche hatten im Vorjahr zweistellige Einbußen verkraften müssen. Gelsinger stellte zudem eine vollständige Umstellung auf das Chiplet-Design mit der Architektur Arrow Lake für Desktop und Lunar Lake für Notebooks in Aussicht.
Was hinter dem Optimismus steckt
Der Bericht liefert keine expliziten Gewinnzahlen je Segment, aber der Trend ist deutlich. Die Fertigungssparte Intel Foundry Services (IFS) gewann im Februar 2024 einen Auftrag von ARM für Chipdesigns auf dem 18A-Prozess (1,8 nm). Das ist der erste namhafte externe Kunde seit der Gründung der Sparte im Jahr 2021. Branchenbeobachter hatten IFS nach dem Verlust von Qualcomm-Aufträgen bereits abgeschrieben.
- Die Server-Sparte profitiert von der neuen Granite Rapids-Generation, die im zweiten Halbjahr 2024 in Produktion geht.
- Die Stabilisierung der Client-Sparte hängt direkt mit den Core Ultra 100 (Meteor Lake) zusammen, die seit Dezember 2023 ausgeliefert werden.
- Intels Gaudi 3 AI-Beschleuniger, vorgestellt im April 2024, soll gegen Nvidias H100 konkurrieren, erste Benchmarks zeigen Lücken, aber der Preis liegt 30 Prozent niedriger.
Ein weiterer Faktor: Intel hat die Fertigungsprobleme des 7-nm-Knotens (Intel 4) weitgehend gelöst. Der 20A-Prozess (2 nm) für Arrow Lake läuft in den Fabriken in Oregon und Irland bereits in der Pilotphase. Der Umstieg von FinFET auf RibbonFET-Transistoren ist für 2025 geplant.
Bedeutung für die Gaming-Welt
PC-Spieler profitieren direkt von Intels Comeback. Der Wettbewerb mit AMD zwingt beide Seiten zu schnelleren Chips und günstigeren Preisen. AMD hatte mit den Ryzen 7 7800X3D und Ryzen 9 7950X3D die Führung in Spielen übernommen, der 7800X3D kostet aktuell rund 380 Euro und liegt in Gaming-Benchmarks 8 Prozent vor Intels Core i9-14900K bei 620 Euro.
Intel konterte mit den Core Ultra 5 125H und Ultra 7 155H für Notebooks, die in mobilen Plattformen eine gute Effizienz zeigen. Für Desktop-Gamer fehlt allerdings noch ein direkter Konkurrent zu den X3D-Chips. Die nächste Generation Arrow Lake-S (voraussichtlich Oktober 2024) soll erstmals einen L3-Cache mit 64 MB bieten, bisher waren es maximal 36 MB bei Raptor Lake. Das könnte die Latenz in CPU-lastigen Titeln wie Counter-Strike 2 oder Factorio senken.
- Intels Panther Lake (2025) wird laut Roadmap auf das 18A-Fertigungsverfahren setzen und eine neue Mikroarchitektur mitbringen.
- AMD hingegen plant für 2024 nur ein Refresh der Zen-4-Architektur (Ryzen 9000), kein echtes Redesign.
- Die Preise für Mainboards der LGA 1851-Plattform (Arrow Lake) sollen laut Gerüchten auf dem Niveau von LGA 1700 bleiben.
Die Vorgeschichte: Wie Intel in die Krise rutschte
Intels Absturz begann 2020 mit der verpatzten Umstellung auf den 10-nm-Prozess (Ice Lake). Die Verzögerungen kosteten den Konzern Marktanteile an AMD, das mit Zen 3 (Ryzen 5000) im November 2020 die Performance-Krone übernahm. 2021 verlor Intel den Auftrag von Apple für Mac-Chips an ARM. 2022 folgte der Raptor-Lake-Start mit massiven Stabilitätsproblemen unter Last, Spiele wie The Last of Us Part I stürzten auf manchen Core i9-13900K ab. Im ersten Quartal 2023 schrieb Intel erstmals seit 1986 rote Zahlen.
Gelsingers Strategie setzt auf IDM 2.0: Intel baut eigene Chips und fertigt gleichzeitig für Dritte. Die Übernahme von Tower Semiconductor scheiterte 2023 an chinesischen Regulierungsbehörden. Der Bau der Fabrik in Magdeburg, Deutschland, stockt wegen Subventionsstreitigkeiten, die EU-Kommission genehmigte erst im Februar 2024 die geplanten 10 Milliarden Euro. Ohne diesen Standort bleibt Intels Foundry-Geschäft stark auf die USA und Israel konzentriert.
Ein weiteres Risiko: Die Gewinnmarge der Foundry-Sparte liegt bei minus 30 Prozent. Erst ab 2026 rechnet Intel mit schwarzen Zahlen in diesem Segment, wenn die 18A-Fertigung ausgelastet ist. Solange subventionieren die margenstarken Client- und Server-Sparten die Fabriken.
Intel redet wieder wie ein Gewinner, im März 2024 zeigten erste Arrow-Lake-Engineering-Samples in Geekbench eine Single-Core-Steigerung von 8 Prozent gegenüber Raptor Lake, aber die Gaming-Leistung in Cyberpunk 2077 lag nur 3 Prozent über dem Core i9-14900K.