Studio verspricht Durchhalten
IO Interactive bleibt dem neuen Fantasy-Abenteuer Project Fantasy treu. Das bestätigt ein aktueller Bericht von Kotaku.
Trotz Entlassungen und dem Rückzug von Xbox als Partner wollen die Macher von Hitman das ambitionierte neue IP nicht aufgeben. Man sei weiterhin „100 %“ engagiert.
- Microsoft hatte sich offenbar aus dem Projekt zurückgezogen.
- Das Studio musste daraufhin Personal abbauen.
- Die Entwicklung von Project Fantasy läuft jedoch unvermindert weiter.
Wer ist IO Interactive?
Das dänische Studio wurde 1998 in Kopenhagen gegründet. Vor Hitman entwickelte es unter anderem den Taktik-Shooter Freedom Fighters (2003) und die actionlastige Reihe Kane & Lynch (2007, 2010). Auch das humorvolle Action-Adventure Mini Ninjas (2009) stammt von IO.
- Die Hitman-Reihe startete 2000 mit Hitman: Codename 47.
- Es folgten Hitman 2: Silent Assassin (2002), Hitman: Contracts (2004), Hitman: Blood Money (2006) und Hitman: Absolution (2012).
- 2016 begann eine Neuausrichtung mit dem episodischen Hitman (2016), das in Hitman 2 (2018) und Hitman 3 (2021) mündete.
- Mit Hitman 3 schloss IO die sogenannte „World of Assassination“-Trilogie ab und übernahm nach dem Split von Square Enix (2017) die Publishing-Rechte selbst.
Studio-Größe: Rund 500 Mitarbeiter an Standorten in Kopenhagen, Malmö, Barcelona und Istanbul. Seit 2020 arbeitet IO zudem an Project 007, einem eigenständigen James-Bond-Spiel, das eine neue Origin-Story erzählen soll.
Was ist Project Fantasy überhaupt?
Project Fantasy ist ein neues Rollenspiel im Fantasy-Setting. Es entsteht parallel zur laufenden Hitman-Reihe.
- Erste Konzeptzeichnungen zeigten eine farbenfrohe, aber düstere Welt.
- Details zum Gameplay oder zur Story sind bislang nicht öffentlich.
- Das Spiel soll ein völlig eigenständiges Universum werden, kein Spin-off.
Konkret wurde Project Fantasy erstmals im November 2023 über eine Stellenanzeige öffentlich. IO suchte damals Entwickler für ein „Online-Fantasy-RPG“ mit Action-Komponenten. Eine kurze Tease-Seite auf der Studio-Website zeigte ein stilisiertes Schwert und den Schriftzug „Something is brewing“. Brancheninsider spekulieren über ein kooperatives Erlebnis mit persistenten Elementen, ähnlich wie Destiny oder The Division, aber im Fantasy-Kontext.
- Das Setting erinnert an „Dark Fantasy“ mit hellen, fast cartoonhaften Farben, eine Mischung, die an Fable oder Kena: Bridge of Spirits denken lässt.
- Ein Veröffentlichungstermin existiert nicht. IO hat noch keinen Gameplay-Trailer gezeigt.
Warum der Rückschlag?
Xbox hatte das Projekt ursprünglich unterstützt, wohl als Teil einer Publishing-Partnerschaft. Doch Microsoft strich die Finanzierung.
Die Folgen: IO Interactive musste Mitarbeiter entlassen, obwohl die Kernentwicklung von Project Fantasy nicht gestoppt wurde. Das Studio setzt nun auf eigene Mittel oder neue Partner.
- Solche Ausstiege von Publishern sind in der Branche nicht selten.
- IO Interactive hat bereits Erfahrung mit unabhängigen Wegen (z. B. nach dem Split von Square Enix).
Die Entlassungen betrafen nach Angaben von Kotaku etwa 10 bis 15 Prozent der Belegschaft, vor allem in den Bereichen QA und Marketing. Microsofts Rückzug könnte mit dem im Februar 2024 bekanntgegebenen Abbau von 1.900 Stellen bei Activision Blizzard und Xbox zusammenhängen, die Sparte strafft ihre Ausgaben für externe Partner.
- Vergleiche: Take-Two beendete 2023 die Finanzierung des Rollenspiels von Certain Affinity (einem ehemaligen Halo-Studio). Electronic Arts kündigte 2024 mehrere Projekte von Respawn Entertainment (u.a. ein geplantes Star Wars-FPS).
- IO Interactive finanziert sich seit 2017 ohne großen Konzernrücken. Die Hitman-Reihe spielte nach eigenen Angaben über 500 Millionen Euro ein (Stand 2023). Das gibt dem Studio Puffer, aber kein endloses Budget.
Project 007 und die parallelen Entwicklungen
Neben Project Fantasy arbeitet IO Interactive weiter an Project 007, einem James-Bond-Spiel, das 2020 angekündigt wurde. Anders als Project Fantasy hat 007 einen konkreten Publisher: Amazon Games (via Prime Gaming) wird das Spiel vertreiben.
- Project 007 soll keine Filmadaption sein, sondern eine eigene Bond-Entstehungsgeschichte erzählen.
- Die Entwicklung begann vor Project Fantasy, aber IO gab nie einen Releasetermin bekannt. Branchenbeobachter rechnen mit einer Ankündigung frühestens 2025.
Die parallele Arbeit an zwei großen AAA-Projekten ist riskant. IO hat bisher immer nur ein Kernspiel zur selben Zeit in Vollproduktion gehabt. Die Entlassungen deuten darauf hin, dass das Studio die Kosten für die parallelen Projekte nicht mehr tragen konnte, oder dass Microsofts Ausstieg eine Lücke riss, die IO kurzfristig schließen musste.
Ein Risiko mit Tradition
Das dänische Studio ist bekannt für unkonventionelle Entscheidungen. Schon Hitman fand nach dem Verlust eines Publishers einen neuen Weg.
Project Fantasy wäre der erste große Ausflug ins Fantasy-Genre. Die Community zeigt sich gespalten, von Begeisterung bis Skepsis.
- IO Interactive arbeitet weiterhin an mehreren Projekten.
- Ein Veröffentlichungstermin für Project Fantasy steht noch nicht fest.
- Die Zukunft hängt davon ab, ob das Studio einen neuen Geldgeber findet.
IOs Geschichte zeigt aber auch: Nach dem Split von Square Enix 2017 dauerte es nur zwei Jahre, bis das Studio mit Hitman 2 (Vertrieb: Warner Bros.) einen Nachfolger veröffentlichte. Die Fähigkeit, sich neu zu orientieren, hat IO damals bewiesen. Ob das bei einem Fantasy-RPG ohne Vorerfahrung erneut gelingt, ist offen.