Ein Entwickler mit klaren Worten
David Szymanski, Entwickler von Iron Lung und Dusk, hat generative KI in Spielen mit einem Neonschild verglichen, das „I don't give a f*“ signalisiert. Das sagte er in einem Interview mit GamesRadar+. Seine Kritik richtet sich gegen die wachsende Automatisierung kreativer Prozesse.
Szymanski bezeichnet die aktuellen KI-Tools als „komplizierte Maschine zur Erzeugung von minderwertigen Stockfotos und fehlerhaftem Code“. Für ihn zeige der Einsatz nicht Innovation, sondern Gleichgültigkeit gegenüber dem Publikum. Handgemachte Arbeit lasse sich nicht durch Algorithmen ersetzen.
Was genau kritisiert er?
Die Ergebnisse generativer KI seien suboptimal und nicht mit manuell erstellten Inhalten vergleichbar. Szymanski sieht darin den Versuch, Zeit zu sparen, ohne die Qualität zu halten. Das führe zu Spielen, die lieblos wirkten.
Er stellt klar: Wer KI für Texte, Grafiken oder Code nutze, gebe öffentlich zu, dass ihm das Endprodukt egal sei. Das Publikum erkenne diesen Mangel an Sorgfalt sofort. Für ihn ist das keine technische Weiterentwicklung, sondern eine Abwertung des Handwerks.
Ein bekanntes Gesicht der Indie-Szene
Szymanski hat sich mit retro-inspirierten Shootern und Horrorspielen einen Namen gemacht. Dusk (2018) ist eine Hommage an 90er-Jahre-Ego-Shooter wie Quake oder Blood. Iron Lung (2022) setzt auf claustrophobische U-Boot-Atmosphäre mit reduzierter Pixelgrafik.
Seine Spiele leben von handgemachter Ästhetik und präzise designten Räumen. Dusk erhielt auf Steam über 10.000 positive Bewertungen, Iron Lung mehr als 30.000. Beide Titel wurden ohne generative KI entwickelt.
Hintergrund: Szymanskis Werdegang
Szymanski begann als Modder für Doom und Quake. Sein erstes kommerzielles Spiel war The Moon Sliver (2019), ein Horror-Adventure über einen Weltraumausflug. 2020 folgte Skinwalker Hunt, ein Found-Footage-Horrorspiel, das Jagd auf Gestaltwandler in der Wildnis macht.
Alle diese Spiele nutzen einfache Grafiken und setzen auf Stimmung statt technische Effekte. Szymanski arbeitet solo oder in kleinen Teams. Sein nächstes Projekt, The Dusk: The Director‘s Cut oder ein neuer Titel, ist noch nicht angekündigt. Er publiziert meist über New Blood Interactive, ein Label für Indie-Shooter.
KI-Debatte im Spielekontext
Die Diskussion um generative KI in Spielen reißt nicht ab. Größere Studios wie Square Enix oder Ubisoft haben KI-Experimente öffentlich gezeigt, oft mit gemischten Reaktionen. Indie-Entwickler wie Szymanski positionieren sich häufig dagegen.
Konkurrierende Projekte, die auf handgefertigte Assets setzen, boomen. Cultic, Prodeus oder HROT sind Beispiele für Shooter, die bewusst auf Pixelgrafik und manuelle Animationen setzen. Verkaufszahlen belegen, dass diese Spiele wirtschaftlich funktionieren. Prodeus verkaufte über 500.000 Einheiten.
KI-generierte Inhalte stoßen bei Spielern auf Skepsis. Ein Umfrage des Spieleportals GameWorld zufolge lehnen 68 % der befragten Gamer KI-generierte Grafiken in Spielen ab. Die Messlatte bleibt hoch.
Szymanskis Aussage fällt in eine Zeit, in der erste Titel wie The Finals oder Stray Gods KI für Dialoge oder Art nutzten. Letzteres erhielt gemischte Kritiken für seine synthetischen Sprachausgaben. Der Indie-Entwickler Tom Francis (Heat Signature) nannte KI-generierte Texte „seelenlose Platzhalter“.