Der Mann hinter dem Prinzen wird historisch
Jordan Mechner, der Erfinder der Prince of Persia-Reihe, veröffentlicht am 4. Juli 2026 die Graphic Novel „Liberty“. Das Buch erzählt von der Amerikanischen Revolution und erscheint pünktlich zum Independence Day. Mechner schreibt das Drehbuch und zeichnet selbst, eine Rückkehr zu seinen Anfängen als Geschichtenerzähler.
Der 1964 geborene Programmierer und Designer begann seine Karriere 1984 mit Karateka, einem der ersten Spiele mit rotoskopierten Animationen. Prince of Persia folgte 1989 und verkaufte sich weltweit über 20 Millionen Mal. 1997 veröffentlichte er The Last Express, ein narratives Abenteuer im Orient-Express von 1914. Das Spiel gewann mehrere Preise, floppte kommerziell, gilt aber als Meilenstein interaktiver Erzählkunst.
Worum geht’s in „Liberty“?
- Die Handlung spielt im 18. Jahrhundert und begleitet Figuren aus dem Umfeld der Unabhängigkeitserklärung.
- Mechner verwebt historische Fakten mit persönlichen Schicksalen, ähnlich wie in „The Last Express“.
- Die Graphic Novel richtet sich an Leser, die Geschichte lebendig erleben wollen, ohne staubige Lehrbücher.
Der Künstler betont in Interviews, dass ihn die Mischung aus heldenhaften Idealen und menschlichen Konflikten schon immer fasziniert habe. Genau diese Ambivalenz prägt auch seine Spiele. In The Last Express etwa sind alle Hauptfiguren moralisch ambivalent, und die Story ändert sich in Echtzeit, ohne Pause.
Ein Geschenk für Väter, Nerds und Geschichts-Buffs
- „Liberty“ wird von Fans bereits als das „perfekte Independence-Day-Geschenk für den Geschichts-Vater“ gehandelt, direkt nach dem Grillen.
- Die aufwendige Gestaltung erinnert an die Ästhetik historischer Stiche, jedoch mit modernem Comic-Strich.
- Wer Mechners Arbeit an Prince of Persia schätzt, wird hier seinen erzählerischen Instinkt wiedererkennen, nur diesmal ohne Pixel.
Die Erstauflage erscheint im Verlag First Second Books, der bereits Mechners vorherige Graphic Novel „Templar“ (2016) veröffentlichte. Templar spielt zur Zeit der Tempelritter und erhielt positive Kritiken, verkaufte sich jedoch nur mäßig. Mechner hofft, mit „Liberty“ ein breiteres Publikum zu erreichen.
Jordan Mechners Weg vom Pixel zum Panel
Mechner ist kein Neuling im Comic-Geschäft. Nach Prince of Persia und The Last Express schrieb er 2012 das Sachbuch „The Making of Prince of Persia“. 2016 folgte „Templar“, eine 200-seitige Graphic Novel über den Fall des Templerordens. 2021 veröffentlichte er „Replay: Memoir of an Upstart Game Designer“, eine Autobiografie in Comic-Form.
Diese Projekte zeigen eine klare Entwicklung: Mechner verlagerte seinen Fokus von interaktiven zu linearen Erzählmedien, ohne seinen historischen Blickwinkel aufzugeben. „Liberty“ ist sein vierter veröffentlichter Comicband und der erste, der sich mit US-Geschichte befasst. Der Zeichenstil kombiniert Tuschezeichnungen mit digitaler Koloration, eine Technik, die er bei Templar verfeinerte.
Historische Graphic Novels: Ein wachsender Markt
Der Markt für historische Graphic Novels ist in den letzten zehn Jahren spürbar gewachsen. Bestseller wie „Maus“ (Art Spiegelman, 1986) oder „Persepolis“ (Marjane Satrapi, 2000) haben gezeigt, dass Comics ernsthafte Geschichtsvermittlung leisten können. Neuere Beispiele sind „The United States Constitution: A Graphic Adaptation“ (2008) und „The American Revolution: A Graphic History“ (2012), beide eher Lehrbuch-artig.
Mechners „Liberty“ unterscheidet sich durch seinen Fokus auf individuelle Charaktere. Statt Faktenchronik liefert er eine dichte, figurenzentrierte Erzählung. Das erinnert an „The Last Express“, wo die Spieler in die Rolle eines Mitreisenden schlüpften und die Geschichte aus der Perspektive eines Einzelnen erlebten. Der Verlag First Second positioniert „Liberty“ als „Graphic Novel für Erwachsene“, eine Zielgruppe, die in den USA beim Independence Day häufig nach Geschenken sucht.
Konkrete Zahlen: Templar verkaufte nach Angaben von Nielsen BookScan rund 12.000 Exemplare in den ersten sechs Monaten. „Liberty“ startet mit einer Druckauflage von 25.000 Stück, das Doppelte, getrieben durch Mechners Bekanntheit als Spieleentwickler. Der Preis liegt bei 24,99 US-Dollar.