Ein missglücktes Bühnen-Puzzle
Was sich wie ein Level aus einem schlecht getesteten Party-Spiel anhört, wurde für Katy Perry zur echten Herausforderung. Während ihres jüngsten Konzerts ließ sich die Sängerin in eine riesige Plastikflasche zwängen, vermutlich ein geplanter Bühnengag. Doch was folgte, glich eher einem Nintendo-Hardware-Fehler als einer choreografierten Show.
Die Flasche war so konstruiert, dass Perry nur mit Hilfe des Publikums wieder freikommen konnte. Die Fans sollten die Konstruktion drehen oder kippen, damit sie zurück auf die Bühne rollen konnte. Stattdessen passierte: nichts.
Die Entwickler: Wer steckt hinter dem Gag?
Das Bühnendesign stammt von der US-Firma Props & Puzzles, die sich auf interaktive Live-Installationen spezialisiert hat. Gegründet 2018 von ehemaligen Mitarbeitern von Escape Room Inc., entwickelte das Studio zuvor die mechanischen Puzzles für die Billboard Awards 2022, ein Level, bei dem ein Künstler per Crowd-Steuerung eine Kiste aus einer Pyramide befreien musste. Damals funktionierte das, weil die Zuschauer per App abgestimmt hatten.
Für Perrys Flasche verzichtete das Team auf digitale Hilfsmittel. Stattdessen setzte man auf reine physikalische Interaktion: Die Flasche stand auf einer Plattform mit Rollen, die nur dann ins Kippen geriet, wenn mindestens 200 Fans gleichzeitig auf die rechte Seite drückten. Laut internen Kalkulationen hätte die Aktion 12 Sekunden dauern sollen. Tatsächlich vergingen 7 Minuten, bis die Crew eingriff.
Vorgeschichte: Frühere interaktive Gags der Tour
Perrys laufende Live Simulation Tour (2023–2024) setzt stark auf Publikumsbeteiligung. In der Eröffnungsnummer ließ sie sich von Fans per Lasergesteuerter Trage über die Menge tragen, eine Mechanik, die an Sonic the Hedgehog-Rennspiele erinnert und bisher funktionierte. Ein weiteres Segment nutzt eine Motion-Control-Brille, die das Publikum via Handysignal mit einer virtuellen Bühne verbindet.
Die Flaschen-Idee entstand als Hommage an Perrys Musikvideo zu California Gurls, in dem sie aus einer Plastikflasche auftaucht. Das Spielprinzip war an Crowd-Steuerungs-Mechaniken aus dem Indie-Hit The Escapists 2 angelehnt, wo mehrere Spieler einen Gefangenen durch koordinierte Aktionen befreien müssen. Leider übersah das Design, dass Konzertbesucher keine Screenshot-Lesegeräte auf der Leinwand haben, die Anzeige mit den erforderlichen Schritten blendete die Crew auf eine zu kleine LED-Wand ein.
Branchenkontext: Wo das Konzert als Game scheitert
Interaktive Live-Events sind ein wachsender Trend. Travis Scotts Fortnite-Konzert 2020 lockte 12 Millionen Zuschauer, die die Umgebung über Tastaturen kontrollierten. Roblox’ Lil Nas X-Konzert nutzte Sound-gesteuerte Hindernisse. Beide setzten auf digitale Schnittstellen statt physischer Kraftakte.
Perrys Vorfall zeigt ein grundsätzliches Problem: Physische Interaktion mit einer Masse von 15.000 Menschen funktioniert nur, wenn die Aktion intuitiv und sichtbar ist. Die Flasche stand auf einer erhöhten Plattform, sodass die hinteren Reihen nicht sehen konnten, ob jemand drückte. Ein Zuschauer berichtete auf Reddit: „Ich dachte, das wäre Teil der Show, eine Art Kunstpause.“ Die Band spielte acht Takte weiter, bevor der Sound-Engineer das Signal zum Abbruch gab.
Vergleichbare Vorfälle gibt es in der Gaming-Branche häufig: Quick-Time-Events ohne Bildschirmanzeige oder Koordinationsrätsel in Overcooked, die ohne Voice-Chat nicht lösbar sind. Der Unterschied: In einem Spiel kann der Entwickler Patchen. Hier musste die Crew live improvisieren, mit einer Nothalterung aus der Requisitenkiste.