Der Alien im Freien
Das Sequel zu Alien: Isolation verlässt die klaustrophobische Enge der Sevastopol-Raumstation. Die Entwickler bei Creative Assembly bezeichnen das neue Spielerlebnis als „evolved game of cat and mouse“.
- Das Xenomorph agiert nun in weitläufigen Außenarealen, die den Spieler zwingen, Distanzen neu zu bewerten.
- Tarnung basiert nicht mehr auf Schränken oder unter Tischen, sondern auf der Ausnutzung von Sichtlinien und Geländekanten.
Creative Assembly, eine Tochtergesellschaft von SEGA, hat sich über Jahrzehnte durch die Total War-Reihe einen Namen gemacht. Die Arbeit an Alien: Isolation (2014) war für das britische Studio ein Genre-Wechsel, da sie zuvor primär für Echtzeit-Strategie bekannt waren.
Die gute KI
Das Team arbeitet mit einer „good kind of AI“, welche auf prozeduralen Reaktionsmustern basiert. Anstatt vordefinierte Routen abzulaufen, analysiert das Xenomorph das Verhalten des Spielers aktiv.
- Wiederholte Fluchtwege führen dazu, dass das Alien Antizipationsverhalten zeigt.
- In offenen Flächen nutzt die KI die höhere Bewegungsgeschwindigkeit der Kreatur, um den Spieler aus der Deckung zu treiben.
Technisch baut das Team auf der Engine auf, die bereits 2014 für die berühmte „Director AI“ des Originals sorgte. Diese nutzte zwei Systeme: Eines wusste immer, wo der Spieler ist, und gab dem Alien Hinweise, ohne ihn direkt auf die Position zu teleportieren. Nun wurde dieses System um eine Komponente für vertikale Mobilität und die Berechnung von Sichtkegeln in der Distanz erweitert.
Warum die Fortsetzung so lange dauerte
Zwischen dem Release des ersten Teils und der Ankündigung des Sequels liegen zehn Jahre. Creative Assembly fokussierte sich in dieser Zeit fast ausschließlich auf Total War: Warhammer und Hyenas (dessen Entwicklung 2023 eingestellt wurde).
- Das Projekt Alien: Isolation 2 blieb lange Zeit in einer Konzeptphase stecken, da die Skalierung der KI auf Außenareale technische Hürden bei der Wegfindung aufwarf.
- Die ursprüngliche Vision wurde mehrfach verworfen, um den hohen Erwartungshaltungen an die Lizenz gerecht zu werden.
Der kommerzielle Erfolg von Alien: Isolation war 2014 mit über zwei Millionen verkauften Einheiten innerhalb der ersten Monate zwar vorhanden, entsprach jedoch nicht den ursprünglichen, internen Prognosen von SEGA. Erst durch die anhaltende Popularität in der Fangemeinde und den Erfolg anderer Horrortitel wie Resident Evil 7 oder Dead Space Remake erhielt das Projekt grünes Licht.
Ein neues Terrain für den Schrecken
Die Verlagerung ins Freie ist eine Antwort auf die Kritik an der Linearität des Vorgängers. Während das Original durch die engen Korridore der Sevastopol eine beklemmende Atmosphäre erzeugte, verlangt das neue Design nach einer taktischen Planung über größere Distanzen.
- Das Spiel verzichtet auf Kampf-Mechaniken, die das Alien dauerhaft ausschalten könnten.
- Ressourcenmanagement bleibt zentral, wobei die begrenzte Sichtweite in Außenarealen als primäres Hindernis fungiert.
Das Alien-Franchise durchlief seit 2014 diverse Stadien, darunter den actionlastigen Titel Aliens: Fireteam Elite (2021) und den VR-Titel Alien: Rogue Incursion. Mit Alien: Isolation 2 kehrt die Reihe zum langsamen Survival-Horror zurück, der sich in der Tradition des ersten Kinofilms von Ridley Scott aus dem Jahr 1979 bewegt. Die Implementierung von offeneren Räumen stellt einen bewussten Bruch mit dem bisherigen Fokus auf Raumstations-Szenarien dar.