Entwicklungshölle im Ödland
Die Entstehung von Fallout: New Vegas war kein Zuckerschlecken. Ein Kommentar von PCGamer argumentiert: Wer die chaotischen Umstände des Originals kennt, macht sich um ein Fallout: New Vegas 2 keine Sorgen. Obsidian Entertainment hat bewiesen, dass sie aus widrigen Umständen das Beste herausholen können.
Das Studio entstand 2003 aus der Asche von Black Isle Studios, den Machern von Fallout 1 und 2. Gründer wie Feargus Urquhart und Chris Parker waren zuvor an Planescape: Torment und Icewind Dale beteiligt. Obsidians erste Projekte, Star Wars: Knights of the Old Republic II (2004) und Neverwinter Nights 2 (2006), zeigten bereits die Stärke in Erzählung und Charakterzeichnung, litten aber ebenfalls unter knappen Deadlines und technischen Problemen. Das Team wuchs von anfangs 30 auf über 200 Mitarbeiter bis 2010.
Was damals schief lief
- Das Team hatte nur rund 18 Monate Entwicklungszeit, für ein Open-World-RPG ein extrem knapper Rahmen.
- Die Gamebryo-Engine war bereits veraltet, Bug-fix-intensiv und technisch sperrig.
- Publisher Bethesda gab enge Vorgaben, die Kreativität und Umfang einschränkten.
- Trotz massiver technischer Probleme lieferte Obsidian ein Spiel mit tiefer Narration, verzweigten Quests und einer lebendigen Welt.
Konkret: Das Budget lag bei geschätzten 10 Millionen US-Dollar, das Kernteam aus etwa 75 Leuten. Fallout 3 (2008) hatte ein Budget von über 20 Millionen und mehr als 100 Mitarbeiter. New Vegas verkaufte sich bis 2015 über 2,2 Millionen Mal, ein Erfolg angesichts der Umstände. Die meisten Bugs wurden später durch Fan-Patches und offizielle Updates behoben. Der Director Josh Sawyer dokumentierte die Härten später in Interviews: „Wir haben viele Nächte durchgearbeitet, das war nicht gesund.
Warum das Vertrauen berechtigt ist
Obsidian hat aus dem Druck gelernt. Seitdem haben sie mit The Outer Worlds und Pentiment gezeigt, dass sie erzählerisch reife Welten bauen können, ohne das Chaos von damals.
- Die Erfahrung mit knappen Deadlines schärft den Fokus auf das Wesentliche: Story, Charaktere, Wahlfreiheit.
- Technisch ist das Studio heute auf einem anderen Niveau, nicht zuletzt durch die Arbeit an der Unreal Engine.
- Ein mögliches New Vegas 2 könnte auf den Stärken des Originals aufbauen, ohne unter demselben Zeitdruck zu leiden.
The Outer Worlds (2019) verkaufte sich über 4 Millionen Mal, Pentiment (2022) gewann den Games Award für beste Erzählung. Obsidian gehört seit 2018 zu Microsoft und hat Zugang zu stabilen Budgets und größeren Teams. Avowed (2024/2025) und The Outer Worlds 2 nutzen die Unreal Engine 5, ein technischer Sprung gegenüber der alten Gamebryo-Engine.
Keine Panik, aber auch keine Garantie
Natürlich gibt es keine offizielle Ankündigung für Fallout: New Vegas 2. Gerüchte bleiben Gerüchte. Aber die Lektion aus 2010 ist klar: Wenn Obsidian ein zweites Mojave-Abenteuer anpacken sollte, dann mit dem Wissen, dass aus Chaos und Zeitnot schon einmal ein Meisterwerk entstanden ist.
Im Juli 2024 tauchten in Jobausschreibungen von Obsidian Hinweise auf ein unangekündigtes Projekt mit „Open-World-Fallout-ähnlicher“ Beschreibung auf. Branchenbeobachter spekulieren seitdem. Josh Sawyer hat in einem Podcast gesagt, er würde gerne wieder ein Fallout-Spiel machen, aber mit mehr Zeit. Baldur’s Gate 3 (2023) von Larian Studios zeigt, dass ein Studio nach 20 Jahren zu einer Reihe zurückkehren und neue Standards setzen kann, wenn es die nötige Freiheit bekommt. Ein New Vegas 2 käme, wenn überhaupt, frühestens nach Avowed und The Outer Worlds 2, also 2028 oder später. Das Team weiß, wie man aus einer schlechten Situation das Beste macht. Und das ist mehr, als die meisten Studios von sich behaupten können.