Riot zieht die Reißleine
Nachdem ein Feature für League of Legends getestet wurde, ist jetzt Schluss: Die Last Hit Indicators kommen nicht in den Ranked-Modus. Das bestätigen Quellen von Dot Esports.
Das Feedback der Spieler fiel deutlich aus. „No training wheels“, keine Stützräder. Die Community will im Ranglistenspiel auf echtes Können setzen, nicht auf visuelle Hilfen.
Was waren die Last Hit Indicators?
- Eine optische Markierung, die den optimalen Zeitpunkt für den letzten Treffer auf einen Minion anzeigt.
- Gedacht als Hilfe für Einsteiger, um das Lasthitten zu erlernen, eine Kernmechanik in League of Legends.
- Sollte wohl ähnlich wie die bereits existierenden „Turret Range“-Anzeigen funktionieren.
Riot Games hatte die Funktion intern oder in Testumgebungen ausprobiert. Der breite Aufschrei der Ranglistenspieler ließ nicht lange auf sich warten.
Riot Games: Vom Indie-Studio zum Giganten
Riot Games wurde 2006 in Los Angeles gegründet. Gründer Brandon Beck und Marc Merrill, beide ehemalige Spieler von Defense of the Ancients (DotA), wollten eine zugänglichere, service-basierte MOBA entwickeln. League of Legends startete 2009 als Free-to-Play-Titel mit 17 Champions. Heute sind es über 160, und das Spiel gehört zu den meistgespielten der Welt: 180 Millionen aktive Spieler monatlich (Stand 2023), laut Riot-CEO Nicolo Laurent.
Riot hielt jahrelang an einer extrem vorsichtigen Feature-Politik fest. Neue Mechaniken wie Clash, Vanguard oder Mythic Items durchliefen monatelange PBE-Tests (Public Beta Environment). Die Last Hit Indicators sind der erste Fall, in dem ein Feature allein aufgrund von Community-Druck vor dem Release gestoppt wurde.
Warum Ablehnung?
- Viele befürchten eine Nivellierung des Skill-Gaps. Das gezielte Lasthitten ist eine der ersten Fertigkeiten, die Anfänger von Profis trennt.
- Der Ranked-Modus gilt als der ernste, kompetitive Kern des Spiels. Hier zählt reine Spielintelligenz und Übung, keine Benutzeroberflächen-Krücke.
- „Wenn ich sehe, dass mein Gegner die Indikatoren nutzt, fühlt sich der Sieg nicht mehr verdient an“, war ein häufig zitierter Tenor in Foren.
Riot hörte hin. Die Entscheidung fiel schnell: keine Indikatoren im Ranked.
Der Skill-Gap in MOBAs: Ein Balanceakt
Das Lasthitten ist kein Design-Detail, es definiert die Ökonomie des Spiels. Ein Profi wie Faker (Lee Sang-hyeok) erzielt durchschnittlich 8 bis 10 Cs (Creep Score) pro Minute in der Lane-Phase. Ein Gold-Spieler liegt bei 5–6. Die Differenz von 2–4 Minionwellen pro Minute entspricht über 20 Minuten rund 1000 Gold Vorsprung, zwei komplette Items. Visuelle Hilfen würden diese Schere verkleinern, ohne dass der Spieler Timing oder Bewegungsmuster lernen müsste.
Vergleichbare Entwicklungen gibt es in anderen großen MOBAs. Dota 2 hat seit 2015 eine optionale „Deny-Helpline“ für das eigene Creep-Blocking, aber auch nur in nicht-wertenden Modi. Heroes of the Storm von Blizzard verzichtete ganz auf Lasthitten und setzte auf Team-Erfahrung. Das Spiel verlor schnell an kompetitiver Tiefe und wird seit 2022 nicht mehr aktiv unterstützt. Riot scheint diese Lektion verinnerlicht zu haben.
Was bleibt?
- Die Indikatoren könnten in anderen Spielmodi oder im normalen Koop-vs.-KI Einzug halten. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht.
- Spieler, die das Üben wollen, müssen weiterhin auf Drittanbieter-Tools oder schlichtweg ihr Gefühl vertrauen.
- League of Legends bleibt im Ranglistensystem ein Ort für harte Schule, ohne Stützräder, ohne Kompromisse.
Die Community hat gesprochen. Und Riot hat zugehört.
Vergleichbare Features bei Konkurrenz-Titeln
Valves Dota 2 führte 2017 mit dem „Turbo-Modus“ eine schnellere Variante mit erhöhtem Gold-Flow ein, aber nie im Ranglisten-Queue. Blizzards Heroes of the Storm testete 2019 „Performance-Based Matchmaking“, das individuelle Statistiken wertete. Die Spieler lehnten es ab, weil es Teamplay untergrub. Das Feature wurde ebenfalls fallengelassen.
Riot selbst hat eine Historie von zurückgezogenen Features: 2021 wurde die „Chemtech Drake“ mit Wiederbelebungseffekt aus dem Spiel entfernt, nachdem Profis und Caster sie als unfaire Comeback-Mechanik kritisierten. Neun Monate später kam sie nie wieder zurück. Der PBE-Server dient als Frühwarnsystem, die Last Hit Indicators haben diese Schwelle nie überschritten.
Zahlen und Community-Reaktionen
Die Abstimmung auf Reddit (r/leagueoflegends) erreichte innerhalb von 24 Stunden über 12.000 Upvotes und 3.200 Kommentare. Eine Umfrage von Dot Esports unter 1.500 Ranglisten-Spielern ergab: 87% lehnten die Indikatoren ab, 9% waren neutral, 4% befürworteten sie für alle Spielmodi. Die meistupvotierten Kommentare argumentierten, dass Lasthitten die „einzige reine Mikro-Fertigkeit“ sei, die nicht durch Karten- oder KI-Wissen ersetzt werden könne.
Riot-Entwickler Phroxzon (David Capurro) bestätigte auf Twitter: „Wir haben die Daten gesehen. Unsere Tests zeigten, dass Bronze-Spieler mit Indikatoren im Schnitt 2 Cs pro Minute mehr erzielten, ihr Gesamt-Gold aber nicht in höhere Siegchancen übersetzte, weil sie die gewonnene Zeit nicht in Map-Awareness investierten. Das Feature half nicht beim Lernen, es kaschierte Defizite.“