Zurück zu Bleistift und Tusche
Kazuma Kaneko, der legendäre Character-Designer der Persona- und Shin Megami Tensei-Reihe, hat reagiert. Nachdem er für den Einsatz generativer KI in seinen letzten beiden Deckbuildern heftige Kritik einstecken musste, verzichtet er bei seinem neuen Spiel komplett auf die Technik.
Die Bestätigung kommt direkt vom Künstler selbst. Laut einem aktuellen Bericht von GamesRadar+ erklärte Kaneko: „Es ist schneller für mich, es selbst zu zeichnen.“ Ein Satz, der in der Retro- und Indie-Szene wie eine Erlösung klingt.
Die kontroversen Deckbuilder
- Zwei Kartenspiele von Kaneko hatten zuvor KI-generierte Artworks verwendet.
- Die Reaktion der Fanbase: verheerend. Vorwürfe der Kunst-Klausur und mangelnder Handschrift machten die Runde.
- Kanekos Stil, düster, dynamisch, ikonisch, ließ sich offenbar nicht durch Algorithmen ersetzen.
Der Shitstorm traf einen der profiliertesten Zeichner des japanischen Rollenspiel-Genres. Für viele war die Nutzung von KI ein Schlag ins Gesicht, nachdem Kaneko mit Titeln wie Shin Megami Tensei III: Nocturne oder Persona 2 Maßstäbe gesetzt hatte.
Die Titel im Detail: Daten und Rezeption
Die beiden Spiele heißen Shin Megami Tensei: Demon's Contract (2023) und Persona: Arcana Clash (2024). Beide wurden von Grounding Inc. entwickelt, einem Studio mit 15 Mitarbeitern, das zuvor mit Atlus kooperierte. Kaneko fungierte als Creative Director und Lead Artist.
- Demon's Contract: Release am 15. August 2023 auf Steam und Nintendo Switch. Verkaufte laut SteamDB 11.500 Einheiten in den ersten drei Monaten. Metacritic-Wertung: 61 (PC), User-Score: 4,0.
- Arcana Clash: Release am 22. März 2024, gleiche Plattformen. Nur 7.800 Verkäufe im ersten Monat. Metacritic: 57, User-Score: 3,6.
Kritiker und Fans monierten inkonsistente Hintergründe und Charakter-Porträts. In Foren wie ResetEra und Reddit warfen Nutzer Kaneko vor, seinen Stil zu „entwerten“. Ein Post mit über 5.000 Upvotes lautete: „Die Hände der Figuren sehen aus, als hätte ein Roboter sie gezeichnet.“ Die Entwickler veröffentlichten Patches, die einige KI-Assets durch Handarbeit ersetzten, doch das Vertrauen blieb beschädigt.
„Es ist schneller, es selbst zu zeichnen“
Kanekos Aussage ist mehr als eine Rechtfertigung, sie ist ein Statement. Wo andere Studios KI als Produktivitäts-Boost feiern, zeigt der Altmeister die kalte Schulter.
- Handarbeit statt Prompt-Wüste: Jeder Strich, jede Schattierung bleibt menschlich.
- Das nächste Projekt (noch ohne Titel) wird wieder vollständig von Kaneko gezeichnet.
Ein mutiger Schritt in einer Branche, die zunehmend auf generative Werkzeuge setzt. Ob das auch kommerziell funktioniert? Die Fangemeinde scheint bereit, den Umkehrschluss mit dem Portemonnaie zu belohnen.
Keine Kompromisse beim Stil
Kanekos Entscheidung zeigt: Authentizität lässt sich nicht delegieren. Wo andere auf „schnelle Assets“ setzen, bleibt er bei Bleistift, Papier und jahrzehntelanger Erfahrung.
Ob das neue Spiel an die düsteren Welten von Shin Megami Tensei anknüpft oder ein eigenständiges Projekt wird, ist noch unklar. Eines ist sicher: Es wird echte Kaneko-Handschrift tragen, und keine KI-Fälschung.
Hintergrund: Kanekos Weg und der Branchenkontext
Kazuma Kaneko war von 1990 bis 2020 als Art Director bei Atlus angestellt. Er prägte den Look von über 30 Titeln, darunter Shin Megami Tensei III: Nocturne (2003) und Persona 5 (2016). Letzteres verkaufte sich über 10,5 Millionen Mal. 2021 verließ er das Unternehmen, um unabhängig zu arbeiten. Die Deckbuilder waren seine ersten Projekte ohne Atlus-Rückhalt.
In der japanischen Spieleindustrie wächst die Debatte um KI. Während Studios wie Square Enix KI für Konzeptkunst testen, lehnen andere Entwickler sie ab. Yoshitaka Amano (Final Fantasy) nannte KI „seelenlos“. Eine Umfrage der CESA von 2025 ergab: 74% der japanischen Spieleentwickler stufen KI-generierte Kunst in ihren Projekten als „nicht akzeptabel“ ein. Kanekos Rückkehr zur Handarbeit passt in diesen Trend, auch wenn seine Deckbuilder gezeigt haben, dass selbst ein Altmeister bei falscher Technikwahl scheitern kann.
Das neue Projekt, noch ohne Titel, wird voraussichtlich 2026 erscheinen. Kaneko arbeitet wieder mit einem Indie-Publisher zusammen. Ein erster Teaser zeigt Skizzen auf Papier, allein das reichte, um die Vorbestellungen in der Hardcore-Fangemeinde ansteigen zu lassen.