Faker: Vom Summoner's Rift zum Polizeirevier
Die südkoreanische Nationalpolizei hat Lee „Faker“ Sang-hyeok offiziell zum Botschafter für Cyber-Gambling-Prävention ernannt. Bei einer Zeremonie in Seoul erhielt der League of Legends-Superstar den Rang eines (Senior Policeman), ein echter Dienstgrad, nicht nur ein symbolischer Titel.
Damit reiht sich eine weitere staatliche Auszeichnung in die Sammlung des 30-Jährigen ein. Neben seinen vier Worlds-Titeln und unzähligen MVP-Awards wird Faker nun auch als offizieller Polizeivertreter geführt. Er ist damit der einzige aktive E-Sportler weltweit mit einem Polizeidienstgrad.
T1: Das Team hinter der Legende
Faker spielt seit 2013 für T1, damals noch SK Telecom T1. Die Organisation wurde 2003 von der südkoreanischen Telekommunikationsfirma gegründet und ist eines der erfolgreichsten E-Sport-Teams der Geschichte. Vor Fakers Einstieg gewann T1 bereits World Championship 2013 mit StarCraft-II-Spielern. In League of Legends hält T1 mit Faker 10 LCK-Titel und vier World-Titel (2013, 2015, 2016, 2023).
Das Team investiert massiv in Spielerentwicklung: Fakers Jahresgehalt wird auf 3 bis 5 Millionen US-Dollar geschätzt, plus Anteile am Merchandise. T1 betreibt eigene Trainingscamps in Seoul und hat eine eigene Faker-Biopic-Dokumentation produziert.
Was genau macht ein Cyber-Gambling-Botschafter?
- Aufklärung über die Gefahren von Online-Glücksspielen, besonders bei Jugendlichen
- Teilnahme an öffentlichen Präventionskampagnen der Polizei
- Nutzung seiner enormen Reichweite (über 6 Millionen Follower auf Twitch, 4 Millionen auf YouTube)
Faker selbst betonte in der Vergangenheit mehrfach, dass er kein Glücksspiel spiele und sich für sauberen E-Sport einsetze. Die Rolle passt perfekt zu seinem Image als disziplinierter Profi. Er wird in den nächsten Monaten an Schulbesuchen und Online-Live-Events der Polizei teilnehmen.
Frühere staatliche Ehrungen für E-Sportler
Die Ernennung ist kein Einzelfall. Bereits Lim „BoxeR“ Yo-hwan, die StarCraft-Legende, wurde 2012 von der südkoreanischen Regierung zum Botschafter für Cybersicherheit ernannt. BoxeR war der erste E-Sportler, der eine staatliche Auszeichnung erhielt. 2019 folgte Lee „FlaSh“ Young-ho als Botschafter für fairen Wettbewerb.
Südkorea behandelt E-Sport als offizielle Sportart seit 2000. Das Ministry of Culture, Sports and Tourism finanziert E-Sport-Turniere mit jährlich rund 20 Milliarden Won (ca. 14 Millionen Euro). Faker steht in einer Reihe mit diesen Pionieren, aber als erster aktiver Spieler mit Polizeirang.
Eine ungewöhnliche Ehre für einen Gamer
Die Ernennung zum Senior Policeman ist kein reiner PR-Gag. In Südkorea können verdiente Personen ehrenhalber in den Polizeidienst aufgenommen werden. Faker trägt nun offiziell eine Dienstmarke, allerdings ohne operative Befugnisse. Er bleibt Vollzeit-Profigamer bei T1.
Der Dienstgrad liegt über dem einfachen Polizisten und unter dem Sergeant . In der südkoreanischen Polizeihierarchie gibt es insgesamt 10 Stufen. Faker erhält keine Bezüge, aber ein Ehrengehalt von 1 Won jährlich. Die Polizei betont, dass die Auswahl nach strengen Kriterien erfolgte: Faker habe keine Vorstrafen und sei ein Vorbild für Jugendliche.
Cyber-Glücksspiel in Südkorea: Zahlen und Fakten
Das Thema ist in Südkorea besonders brisant. Schätzungsweise 2 Millionen Südkoreaner leiden unter Spielsucht, das sind 4 Prozent der Bevölkerung. Online-Glücksspiel ist illegal, aber über ausländische Server weit verbreitet. Die Polizei schließt jährlich über 300 illegale Glücksspielseiten, allein 2024 wurden 1,2 Milliarden Won (ca. 840.000 Euro) beschlagnahmt.
Jugendliche sind besonders gefährdet: 70 Prozent der Süchtigen beginnen vor dem 20. Lebensjahr. Fakers Kampagne zielt genau auf diese Gruppe ab. Die Polizei setzt auf seine Glaubwürdigkeit, Faker hat nie an Lootbox-ähnlichen Mechaniken in League of Legends teilgenommen.
Was bedeutet das für League of Legends und E-Sport?
Fakers wachsende Liste an staatlichen Ehrungen zeigt den gesellschaftlichen Wandel. E-Sport wird in Südkorea längst nicht mehr als Nischenhobby gesehen, sondern als ernsthafte Karriere mit Vorbildfunktion. Die Polizei setzt auf Fakers Glaubwürdigkeit, um junge Menschen vor den Fallen des Online-Glücksspiels zu warnen.
Für Riot Games ist die Nominierung ein weiterer PR-Erfolg. Der bekannteste League of Legends-Spieler aller Zeiten wird nun offiziell mit dem Kampf gegen Cyber-Gambling assoziiert. Riot hat selbst eine Anti-Gambling-Policy für alle offiziellen Turniere und sperrt Spieler bei Verstößen für bis zu 5 Jahre. Faker bleibt der einzige LoL-Profi mit Polizeirang, und sein Vertrag mit T1 läuft bis 2027.