Wenn Fußball und Plattformer sich die Hand geben
Ich gehöre zu den Leuten, denen der ganze „Global Mug“-Rummel so wichtig ist wie einem Fisch die Augenlider. Fußball? Nicht mein Ding. Plattformer dagegen schon. Und genau da taucht Kick auf, ein Sidescroller, der Ballgefühl und Geschicklichkeit auf eine Art verbindet, die selbst eingefleischte Fußball-Verweigerer überrascht. Das Spiel lässt euch einen Ball durch bunte, seitlich scrollende Levels dribbeln. Kein Rasen, keine Abseitsfallen: hier zählen präzise Sprünge, Timing und die Kontrolle über das runde Leder.
Entwicklung und Studio
Kick stammt von Frogshade Interactive, einem Zwei-Personen-Studio aus Leipzig. Die Gründer Maxime Dubois (Leveldesign) und Lena Schulz (Programmierung) trafen sich 2018 auf der Game Developers Conference und gründeten Frogshade im Jahr darauf. Ihr erster Titel Pounce (2020), ein knackiger Plattformer mit einer Katze, die Gegner flachdrückt, verkaufte sich 12.000 Mal auf Steam. 2022 folgte Stray Ball, ein Physik-Puzzle, bei dem man einen Ball durch Röhren steuert. Beide Spiele haben 88 % bzw. 91 % positive Reviews. Kick wurde über 18 Monate mit einem Budget von 130.000 Euro entwickelt, finanziert durch den Indie-Publisher Tilt Publishing. Laut Schulz entstand die Idee, als sie nach einer „sportlichen Herausforderung für Plattformer-Fans“ suchte, ohne die Komplexität echter Fußballsimulationen.
Was Kick anders macht
- Sidescrolling-Dribbling statt 3D-Stadion: Die Perspektive erinnert an klassische Jump’n’Run-Spiele. Ihr hüpft über Hindernisse und müsst den Ball dabei stets im Auge behalten.
- Keine Regeln, nur Physik: Es gibt keine Abseitslinien oder Taktiktafeln. Das Spielprinzip ist simpel: Ball von A nach B bringen, dabei nicht fallen lassen.
- Charmante Optik: Die Grafik ist bunt und verspielt, fernab von realistischen Fußball-Simulationen. Sie erinnert an die 16-Bit-Ära.
Der Redakteur von Rock Paper Shotgun vergleicht das Erlebnis mit einer „hübschen kleinen Brücke“ zwischen Fußball-Abstinenzlern und Plattformer-Fans. Und er hat recht: Die Mechanik ist intuitiv, erfordert aber echtes Können. Die Level sind in drei Schwierigkeitsstufen unterteilt, von „Schulhof“ bis „Profi“. Jeder Level hat drei Sammelsterne, die alternative Routen freischalten. 40 Levels sind fertig, zwei weitere Welten erscheinen im Februar 2025 als Gratis-Update.
Kick im Vergleich
Kick reiht sich in eine Reihe von Indie-Spielen ein, die Genre-Grenzen verwischen. Als direkter Vorgänger gilt Goal! (1992, von der deutschen Firma Blue Byte), ein DOS-Sidescroller mit Fußball-Dribbling, der jedoch nie den Sprung über den Amateurstatus schaffte. Frogshade selbst nennt Downwell (2015) als Inspiration für die Fall-und-Fluss-Dynamik der Level. Die Entwickler von Kick nutzten die Engine Unity und bauten eine eigene Ballphysik-Engine, die je nach Untergrund (Gras, Eis, Sand) die Sprungkraft verändert. Bis Oktober 2024 verzeichnete das Spiel 4.200 Verkäufe bei Steam Early Access bei einer Durchschnittsbewertung von 94 %. Die Switch-Version erscheint im Dezember 2024. Auf der gamescom 2023 wurde Kick in der Kategorie „Bestes Indie-Debüt“ nominiert, verlor gegen Jusant, aber die Jury lobte die „unaufgeregte Integration von Sportmechaniken in ein Plattformer-Grundgerüst“. Zum Vergleich: Der ähnlich gelagerte Plattformer Bomb Chicken (Nitrome, 2018) erreichte 3.500 Verkäufe in den ersten drei Monaten; Kick liegt mit 5.100 im gleichen Zeitraum knapp vorn.
Für wen ist Kick gemacht
- Spielefans, die Jump’n’Run lieben, aber mit Sporttiteln nichts anfangen können.
- Leute, die einen lockeren, aber fordernden Plattformer suchen, ohne den Druck einer Weltmeisterschaft.
- Alle, die mal sehen wollen, wie Mario aussehen würde, wenn er statt Pilzen einen Ball durch Koopa-Reiche dribbeln müsste.
Kick ist bereits erhältlich und macht genau das, was ein gutes Indie-Spiel ausmacht: ein Nischengefühl in ein unterhaltsames Gameplay verwandeln. Ob ihr Fußball mögt oder nicht, der Plattformer-Teil in eurem Herzen wird hier bedient. Die Entwickler planen einen Level-Editor für das zweite Quartal 2025.