Teure Hardware ohne Mehrwert
Die Hardware-Preise für Konsolen wie die PlayStation 5 Pro (799 Euro) oder die Xbox Series X (549 Euro) haben den traditionellen Preis-Leistungs-Korridor verlassen. Frühere Konsolengenerationen, etwa die PlayStation 3 zum Start bei 599 Euro (inflationsbereinigt heute über 900 Euro), erzeugten ähnliche Widerstände bei der Spielerschaft.
Hersteller wie Sony Interactive Entertainment und Microsoft Gaming versuchen, die Margen durch teure Mid-Gen-Upgrades zu stützen. Die Hardware-Architektur gleicht sich technologisch immer stärker dem PC an, wodurch die Exklusivität von Spezial-Chips für Konsolen an Bedeutung verliert.
- Sony fokussiert sich seit der PlayStation 4 auf eine "Pro"-Strategie, die den Lebenszyklus strecken soll.
- Microsoft verfolgt mit der Xbox Series S einen anderen Weg, der jedoch durch die schwache Rechenleistung viele Entwickler bei der Portierung von Call of Duty oder Cyberpunk 2077 einschränkt.
- Die Abhängigkeit von Live-Service-Titeln führt dazu, dass Spieler nur noch ein einziges Spiel auf dem Gerät installieren, statt eine breite Bibliothek zu führen.
Der Einbruch bei den Verkaufszahlen
Die Daten von Circana (früher NPD Group) belegen eine Abkühlung des Marktes, die über eine normale Sättigung hinausgeht. Während die PlayStation 5 im ersten Jahr nach Release (2020) durch Lieferengpässe gebremst wurde, zeigt der aktuelle Einbruch von 40 Prozent ein Desinteresse an Hardware-Iterationen.
Vergleichbare Zyklen zeigen, dass Hardware-Verkäufe im vierten Jahr meist stagnieren, doch die aktuellen Zahlen unterschreiten die Erwartungen der Investoren deutlich. Nintendo bleibt mit der Switch, die seit März 2017 auf dem Markt ist, ein Sonderfall, da die Verkäufe trotz des hohen Alters der Plattform die Xbox-Sparte übertreffen.
- Xbox Series X/S verkaufte sich seit Markteintritt 2020 geschätzt etwa 28 Millionen Mal.
- Im direkten Vergleich erreichte die PlayStation 5 bereits über 60 Millionen Einheiten.
- Die sinkenden Hardware-Budgets führen dazu, dass Publisher wie Ubisoft oder Electronic Arts ihre Marketing-Ausgaben stärker in Richtung PC und mobile Endgeräte verschieben.
PC-Gaming übernimmt das Ruder
Die Hardware-Preise am PC haben sich paradoxerweise stabilisiert, da Grafikkarten-Preise von Nvidia und AMD nach dem Krypto-Boom wieder auf ein normales Niveau sanken. Ein Mittelklasse-PC, der die Leistung einer PlayStation 5 übertrifft, kostet heute etwa 800 bis 1.000 Euro inklusive Monitor.
Frühere Barrieren wie die komplizierte Treiber-Installation oder mangelnde Controller-Unterstützung existieren durch Plattformen wie Steam nicht mehr. Valve hat mit dem Steam Deck zudem eine Brücke geschlagen, die PC-Spieler mobilisiert.
- Der PC-Markt profitiert von einer breiten Basis an Hardware-Herstellern wie ASUS, MSI oder Gigabyte, die sich gegenseitig unterbieten.
- Sony veröffentlicht mittlerweile fast alle Exklusivtitel wie God of War oder Horizon Forbidden West zeitversetzt auf dem PC.
- Diese Strategie entwertet den Kaufgrund für die Konsole, da die gleichen Inhalte bei höherer Bildrate und Auflösung auf dem PC spielbar sind.
Ein schwindendes Geschäftsmodell
Das Modell, Konsolen subventioniert zu verkaufen und über Software-Lizenzen Geld zu verdienen, gerät durch die hohen Herstellungskosten der Chips von AMD unter Druck. Frühere Hardware-Modelle waren oft durch günstige Produktionskosten gekennzeichnet, was heute bei den 5nm- und 4nm-Fertigungsprozessen nicht mehr möglich ist.
Der Markt für Cloud-Gaming, etwa durch Nvidia GeForce Now oder den Xbox Game Pass Ultimate, bietet Alternativen, die keine 900-Dollar-Investition voraussetzen. Konsolenhersteller wandeln sich zunehmend zu reinen Software-Anbietern, deren Hardware nur noch als optionales Zubehör fungiert.
- Nintendo hält mit der angekündigten Switch 2 an der Hardware-Bindung fest, weil ihre hauseigenen Titel – wie Mario Kart 8 Deluxe oder The Legend of Zelda – nicht auf Drittplattformen erscheinen.
- Die Xbox-Strategie von Phil Spencer zielt darauf ab, Abonnenten statt Hardware-Käufer zu generieren.
- Aktuelle Quartalsberichte zeigen, dass der Umsatz mit In-Game-Käufen in Titeln wie Fortnite oder Roblox die Einnahmen aus Hardware-Verkäufen bei weitem übersteigt.
Investoren bevorzugen mittlerweile Unternehmen mit niedrigen Fixkosten für Hardware, was den Druck auf Sony und Microsoft erhöht, ihre Plattform-Strategien weiter zu öffnen.