Teurer, aber nicht besser
Die Zeiten, in denen eine Konsole für 400 Euro einfach funktionierte, sind Geschichte. Die aktuelle Generation kostet meist 500 Euro oder mehr, mit Laufwerken, ohne Laufwerke, egal.
Dafür bekommt man eine Box, die sich in Leistung und Bedienung immer mehr einem preiswerten PC annähert. Nur ohne die Flexibilität, Grafikeinstellungen anzupassen oder günstigere Spielekeys zu kaufen.
Die Kostenfallen im Detail
Die 500 Euro Einstiegspreis sind nur die Spitze. Die PS5 Disc-Version liegt bei 499 Euro, die Digital Edition bei 449 Euro. Die Xbox Series X kostet ebenfalls 499 Euro, die kleinere Series S 299 Euro, letztere mit spürbar schwächerer Grafik (4 TFLOPS vs. 12 TFLOPS). Ein vergleichbarer PC mit einer RTX 3060 und einem Ryzen 5 5600 lässt sich für rund 700 Euro zusammenbauen (Stand 2024). Der Aufpreis relativiert sich schnell, sobald Abos und Spielepreise einfließen.
- PS Plus Essential: 60 Euro pro Jahr, PS Plus Premium: 120 Euro pro Jahr.
- Game Pass Core: 60 Euro pro Jahr, Game Pass Ultimate: 180 Euro pro Jahr (15 Euro/Monat).
- PC-Keys kosten oft 10–20 Euro weniger als Konsolenversionen, Steam-Sales senken den Preis weiter.
- Über fünf Jahre summiert sich der Aufpreis für Abos auf 300–600 Euro, plus die Spiele selbst.
Dazu kommt: Die PS5 Pro wird für 2025 erwartet, Gerüchte nennen 699–799 Euro. Wer heute eine Konsole kauft, zahlt also nicht nur mehr, sondern muss für die nächste Stufe tief in die Tasche greifen. Der PC erlaubt hingegen modulare Upgrades, eine neue Grafikkarte nach drei Jahren, der Rest bleibt.
Exklusivtitel? Fehlanzeige
Der zweite Sargnagel ist der Niedergang der Exklusivtitel. Früher kaufte man eine PlayStation für The Last of Us, eine Xbox für Halo. Heute landen fast alle First-Party-Titel früher oder später auf dem PC.
- Sony bringt seine Blockbuster wie God of War oder Horizon längst auf Steam.
- Microsoft veröffentlicht sogar Day-1-PC-Versionen, die Xbox ist optional.
- Sogar Nintendo experimentiert mit PC-Ports (wenn auch zögerlich).
Warum also 500 Euro für eine Konsole ausgeben, wenn der PC dieselben Spiele spielt, und dazu Mods, bessere Framrates und günstigere Abos bietet?
Die Port-Strategie in Verkaufszahlen
Sonys PC-Offensive ist kein Experiment mehr, sondern ein Milliardengeschäft. God of War (2018) erschien im Januar 2022 auf Steam und verkaufte sich dort über 2,5 Millionen Mal (Schätzung via SteamSpy). Horizon Zero Dawn (August 2020) knackte die 3-Millionen-Marke. Marvel’s Spider-Man Remastered (August 2022) folgte mit über 1,5 Millionen Kopien. Insgesamt hat Sony bis Ende 2023 mehr als 30 Millionen PC-Verkäufe seiner First-Party-Titel gemeldet, bei nahezu null Entwicklungsrisiko, da die Spiele bereits fertig waren.
Microsoft fährt eine noch aggressivere Linie: Forza Horizon 5 startete im November 2021 zeitgleich auf Xbox und PC (Steam/Super-Night) und erreichte innerhalb eines Jahres über 12 Millionen Spieler. Halo Infinite erschien ebenfalls Day-1 auf PC. Der Game Pass auf PC zählt inzwischen über 15 Millionen Abonnenten (Stand 2023). Der PC-Markt ist für Microsoft längst der wichtigere Umsatzträger, die Xbox-Konsole ist nur noch eine Option unter vielen.
Nintendo hält dagegen: Mario, Zelda, Pokémon sind bis heute reine Konsolen-Exklusivtitel. Der Switch-Verkauf von über 140 Millionen Einheiten zeigt, dass diese Strategie noch trägt. Doch die Hardware ist technisch deutlich schwächer als PS5 oder Xbox Series X (Nvidia Tegra X1 von 2017). Sollte Nintendo eines Tages den PC-Markt öffnen, Gerüchte um einen Switch 2 mit stärkerer Hardware und möglichen PC-Ports kursieren seit 2023 –, würde das letzte starke Exklusiv-Argument fallen.
Das alte „Plug-and-Play“ ist tot
Der einstige Trumpf der Konsolen: Einlegen, losspielen, keine Treiber, keine Kompatibilitätsprobleme. Heute müssen Konsolen ebenfalls riesige Patches laden, benötigen Internetverbindung und haben Ladezeiten.
- Die PS5 und Xbox Series X sind im Grunde spezialisierte PCs mit eigener API.
- Der Aufwand für Updates, Speicherverwaltung und Abos ähnelt dem PC-Erlebnis.
- Dafür fehlen die Vorteile: Aufrüstbarkeit, Maus/Tastatur-Unterstützung in vielen Genres, Multitasking.
Konsolen sind heute weder günstiger noch einfacher. Sie sind nur eingeschränkter.
Ein Trend ohne Umkehr
Die Logik ist simpel: Wer das beste Erlebnis will, kauft einen PC. Wer einfach nur spielen will, kauft eine Konsole, und zahlt drauf. Die Exklusivtitel, die diesen Aufpreis rechtfertigten, gibt es kaum noch.
Der PC war schon immer die mächtigere Plattform. Jetzt ist er oft auch die günstigere und bequemere. Konsolen hingegen werden immer teurer, ohne die alten Versprechen zu halten. Das Plug-and-Play-Argument war noch nie so löchrig wie heute.